Westerhöfer Teiche

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Im ausgehenden Mittelalter war die Ortschaft Westerhof von einer großen Anzahl Teiche umgeben, von denen allein der größte, der große Westerhöfer Teich, eine Wasserfläche von ca. 250 Morgen hatte. Die Teiche dienten überwiegend der Fischwirtschaft und -aufzucht. Schon früh zeigte sich der Erholungswert dieser Teiche. In ihren Beschreibungen über die Geschichte des Fürstentums Grubenhagen beschrieben sowohl Heinrich Wendt 1680, als auch Georg Max 1862 mehrfach den Aufenthalt der Lüneburger Herzöge auf ihrem Schlosse Westerhof zum Fischen. Die Teiche sind heute überwiegend nicht mehr vorhanden. Es gibt lediglich noch den Luhneteich, den Karpfenteich und den Hagenteich.

In einer Beschreibung aus dem Jahr 1696[1] werden sämtliche Westerhöfer Teiche beschrieben. Diese Inventarisierung ist eine der Grundlagen für die nachfolgende Beschreibung der Westerhöfer Teiche.

Der große Westerhöfer Teich

Ausschnitt aus dem Stich von M.Merian, im Hintergrund der große Westerhöfer Teich, im Vordergrund der Hagenteich. Repro Bredthauer

Der große Teich war der Hauptteich in Westerhof. Mit einer Wasserfläche von ca. 250 Morgen war es eines der größten stehenden Gewässer in Südniedersachsen (nur der Seeburger See im Eichsfeld war noch größer). Der Westerhöfer Teich wurde durch die Aue, den Knepelbergsbach und den Sinterbach gespeist. Außer einer reichaltigen Fischzucht diente der Teich auch als Energiequelle. An seinem Ausfluss wurde unterhalb des Dammes eine Amts-Sägemühle betrieben und ca. 800 m flussabwärts eine Getreidemühle, die Teichmühle, direkt am Ortsrand Willershausens gelegen. Der große Teich wurde regelmäßig alle vier bis fünf Jahre abgelassen, um ihn komplett abzufischen. Das Wiederanstauen benötigte beinahe ein volles Jahr.

Der große Teich vor Westerhof wird erstmals am 7. März 1389 als Abt Friedrich von Fulda den Ritter Heiso von Gladebeck und den Knappen Hans von Boventen mit den Gütern des verstorbenen Egbert von Westerhof belehnt. Zum Lehen gehören das Dorf Willershausen samt Zubehör, das Kirchenlehen (1 ½ Hufen und 6 Morgen Land vor Northeim mit allen Rechten), 3 Hufen Land mit Zubehör in Grone und ein halber Teich vor Westerhof.[2]

Im Lauf der Jahrhunderte verlandete der Teich immer mehr. Abtragungen aus dem umliegenden Bergland (Koppenberg, Kneppelberg, Rehhagen]] und Luhne) wurden bei starkem Regen durch die Bäche in den Teich getragen. (Anm.: als im Jahr 1998 ein Westerhöfer Unternehmen eine neue Halle im ehemaligen Teichgelände gebaut hat, musste man die Fundamente für die Stahlträger mehr als 2,50 m tief gründen, bevor man auf gewachsenen Boden traf. Bis dahin wurde nur der alte Teichschlamm ausgebaggert.)

Die Trockenlegung des grossen Teiches erfolgte durch den königlichen Amtmann Casimir Wilhelm Gruner zwischen 1837 und 1847. Das genaue Datum konnte bisher nicht ermittelt werden. Im April 1837 muß der Teich noch bestanden haben, da das Sterberegister von Westerhof einen Eintrag über den Fund einer Leiche, des Anbauers und Maurers Ludwig Metje aus Oldenrode, berichtet. Im Jahr 1847 ist der Teich bereits trocken. In einer Karte aus dem Jahr 1851 sind die „der Gemeinde Westerhof zugefallenen Abfindungen von dem trocken gelegten Großen Westerhöfer Teich“ aufgezeichnet. Die hierzu erforderlichen Vermessungsarbeiten wurden im Frühjahr 1847 durchgeführt. Bei der Umwandlung des Teiches in landwirtschaftliche Nutzflächen musste beachtet werden, das die Teichmühle auch weiterhin ausreichend mit Wasser versorgt wird – bisher geschah dies durch den Überlauf des grossen Teiches. Man löste das Problem dadurch, dass man für die Aue ein neues Flussbett am westlichen Rand des ehemaligen Teichgeländes schuf und, unter Ausnutzung der Hanglage, das Wasser in das Versorgungssystem der Teichmühle einleitete.

Mühlenteich

Der Mühlenteich diente zur Versorgung der Teichmühle, wenn die Aue nicht genug Wasser führte, oder der grosse Westerhöfer Teich zum Abfischen trocken gefallen war. Der Mühlenteich hatte eine Fläche von ca. 1 ½ Morgen. Um immer genügend Wasser zum Betrieb der Mühle zu haben hatte man musst man alle verfügbaren Wassermengen nutzen. Aus diesem Grund wurde sogar der Bühgraben auf einer Brücke über den tiefer liegenden Mittelgraben geführt und direkt in den Mühlenteich eingeleitet. Etwa 1930 wurde der Mühlenteich, nachdem er noch einmal abgefischt wurde, nicht mehr angestaut. Innerhalb kürzester Zeit bildete sich eine grosse Schilffläche. Die ehemalige Teichfläche wurde nach und nach mit Bauschutt und Abfällen aus der Willershäuser Ziegelei und der Sägewerke aufgefüllt und dient heute als Weideland. Der ehemalige Damm des Mühlenteiches ist noch zu erkennen, wenn man aus Westerhof kommend die L525 befährt.

Hagenteich

Hagenteich in Westerhof. –Bredthauer 2001
Der Hagenteich liegt n.ö. der Burg direkt unterhalb des Burgbergs. Es ist ein künstlich angelegter Teich mit einer Fläche von 9 Morgen. Er diente überwiegend zur Fischzucht und als Reserve für die Teichmühle, wenn der große Westerhöfer Teich abgelassen war und die Aue nicht genügend Wasser führte. Der Hagenteich ist heute noch in verkleinerter Form vorhanden und befindet sich im Privatbesitz.

Dorfteich

Der Dorfteich befand sich mitten im Dorf und wurde im 19. Jahrhundert trockengelegt. Seine Fläche betrug 40 Ruhten. Sein Abfluss ging direkt in den grossen Teich. Die Strassenbezeichnung „Alter Graben“ zeugt heute noch davon. Die ehemalige Teichstelle wurde 1949 bebaut.

Küchenbehälter

Der Küchenbehälter liegt unterhalb des Hagenteiches direkt unterhalb des Burgberges und diente zur Vorratshaltung für die Küche der Burg Westerhof. Er hatte eine Fläche von 35 Ruhten und ist noch heute vorhanden. Er befindet sich im Privatbesitz.

Weegeteich

Der Weegeteich ist nicht mehr vorhanden. Er lag vermutlich am Fussweg nach Willershausen, etwa am westlichen Ende des heutigen Westerhöfer Sportplatzes. In der Beschreibung von 1696 wird er mit einer Fläche von 42 Ruhten beschrieben, die aber wüst liegt, weil die Rinne verfault ist. Zudem war er zu dem Zeitpunkt schon überwiegend verlandet und mit Schilf bewachsen.

Karpfenteich

Der Karpfenteich ist heute noch vorhanden und liegt gegenüber der Klengelei im Wald verborgen. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fand jedes Jahr am 1.Mai dort eine Maifeier statt, nachdem im Dorf der Maibaum aufgestellt war. Auf dem Damm des Teiches befindet sich ein Pavillon. In der Nähe war der Schiessstand der Forstbeamten des Forstamtes Westerhof. Der Teich hat eine Fläche von 1Morgen und 11 Ruthen.

Forellenteich

Der Forellenteich ist nicht mehr bekannt, lag aber vermutlich direkt oberhalb des Karpfenteiches und wird schon 1696 als „unbrauchbar“ bezeichnet. Er hatte eine Fläche von 20 Ruhten. In spätern Zeiten war hier eine ausgedehnte Schilffläche.

Cretenbecker oder Rothenberger Teich

Der Cretenbecker Teich wird in der Beschreibung von 1696 als aufgegeben und zwischenzeitlich mit Zustimmung der hochfürstlichen Kammer als durch den gewesenen Förster König bebaut, beschrieben. Eine genaue Lokalisierung war bisher nicht möglich. Als Größe wurden 65 Ruthen angegeben. Im Amtslagerbuch von 1595 wird ein Rothenberger Teich erwähnt, bei dem ebenfalls die (später angebrachte) Bemerkung steht, dass er vom Förster König bebaut worden sei. Vermutlich lag der Teich etwa da, wo heute die grosse Eiche im Hinterdorf von Westerhof steht, dem Punkt, wo die „Röthebeeke“ in das Dorf eintritt. An dieser Stelle befinden sich auch 2 ehemalige Forstgehöfte. Ein Förster Hans König ist im Jahr 1689 durch die „Kopfsteuerbeschreibung der Fürstentümer Calenberg-Göttingen und Grubenhagen“ in Westerhof bezeugt. Die o.b. Vermutung der Teichlage wird dadurch erhärtet, das sich in jüngster Vergangenheit mehrfach, bei Starkregenereignissen am Koppenberg, an der vermuteten Stelle wieder ein „Teich“ bildete. Bei Unwettern in den Jahren 1947, 1956, 1981 und 2007 war der Wasserzufluss der Röthebeeke derart stark, das der Abfluss über den Wildbach nicht ausreichte, und es in diesem Bereich zu Hochwasserereignissen kam.

Die 8 Luenteiche

Ausschnitt aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1784 mit der Lage der Westerhöfer Teiche. Repro - Bredthauer
Die 8 Luenteiche lagen hintereinander angeordnet in einem Tal, in der heutigen Luhnesiedlung in Westerhof. Sie dienten als Aufzuchtteiche für die Fischwirtschaft im großen Westerhöfer Teich. Nur ein Teich, von den ehemals 8 Teichen, ist noch vorhanden. Von den anderen sind z.T. noch die Dämme in der Landschaft zu sehen.

Luhneteich

Der Luhneteich dient heute als Feuerlöschteich für die Luhnesiedlung und ist in den Jahren 1997 – 2001 völlig entschlammt und am Damm wieder abgedichtet worden, nachdem er Jahrelang verlandete und seiner eigentlichen Aufgabe als Löschwasserreserve nicht mehr gerecht werden konnte. Im Rahmen der Westerhöfer Dorferneuerung (1996-2007) wurde auch ein Teil des Uferbereiches neu gestaltet und ein Sitz- und Erholungsbereich eingerichtet. In der Beschreibung der Teiche von 1696 wird er als „oberer Luenteich“ bezeichnet, mit einer Größe von 65 Ruhten.

Rakelsteich

Der Rakelsteich wird in der Beschreibung von 1696 auch der „untere Luenteich“ genannt. Erst später wurde er als „Rahlkes Teich“ (plattdeutsch: Rakelsdeik) bekannt. Er lag direkt and der Strasse von Westerhof nach Willershausen, am Auslauf des o.b. Tales. Dieser Teich ist zwischenzeitlich verlandet und wurde z.T. aufgefüllt und von einem Westerhöfer Landwirt als Wiese genutzt und zum anderen Teil als Feuchtbiotop durch den NABU gepflegt wird.

Anmerkung: Als Westerhof in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts offiziell Straßennamen erhielt wurde durch einen Übertragungsfehler aus Rakelsteich die Rakelstuchstraße.

Speckenbehälter

Der obere und der untere Speckenbehälter waren zwei kleine Teiche, die beim Bau der Kreisbahn Osterode/Harz – Kreiensen im Jahr 1901 verfüllt wurden. An ihrer Stelle wurde eine Rampe zum Verladen von Holzstämmen aus dem Westerhöfer Wald errichtet. Die beiden Speckenbehälter dienten zum hältern von Fischen, wenn der große Westerhöfer Teich abgefischt wurde.

Aschauteiche

Die beiden Aschauteiche sind im Westerhöfer Amtslagerbuch von 1595 eindeutig beschrieben. Sie liegen in der unteren Aschau und gehören den Herren „von Oldershausen“. Sie sind an Hanß Büssen Witwe verpachtet. Auch ist dort beschrieben, dass sie noch befischt werden. In der Beschreibung der Westerhöfer Teiche von 1696 und in der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1784 (Blatt 143 – Osterode) tauchen sie nicht mehr auf. Die ehemaligen Dämme der Teiche können noch heute an der Forststrasse von Westerhof nach Mandelbeck in der Landschaft gesehen werden.

Zusammenfassung

Im 16. Jahrhundert war die nähere Umgebung Westerhofs durch eine Vielzahl von künstlich angelegten Teichen gekennzeichnet. Sie dienten überwiegend zur Fischzucht und zur Energieversorgung von Säge- und Kornmühlen an der Aue. Ein ausgeklügeltes Grabensystem sorgte auch in Trockenzeiten für eine ausreichende Wasserversorgung der Mühlen. Eine Vielzahl von kleinen Teichen diente der Aufzucht und Vorratshaltung von Fischen für die Küchen auf dem Amtssitz des Westerhöfer Amtmannes, seiner Beamten und Bediensteten und der Dorfbevölkerung. Durch Trockenlegung des großen Westerhöfer Teiches und Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen, verloren auch die meisten kleinen Teiche ihre Bedeutung und verlandeten zunehmend. Die Westerhöfer Teichlandschaft brauchte keinen Vergleich mit der heutigen Northeimer Seenplatte sowohl in seinem Erholungswert, als auch in seiner wirtschaftlichen Bedeutung scheuen.

Literatur / Quellen

  • Max, Georg, Geschichte des Fürstentums Grubenhagen, Reprint von 1862, ISBN 3 7777 0853 4
  • Wendt, Heinrich, Geschichte des Welfenfürstentums Grubenhagen, Olms-Verlag 1988, ISBN 3 487 09035 X
  • Schütte, Willi, Handschrift – Dokumentation über die Geschichte Westerhofs im 20. Jahrhundert
  • Bredthauer, Heinz und Horst, Westerhöfer Jahrbuch 1994 - 97, Selbstverlag Heimatverein Westerhof

Anmerkungen

  1. Vor Churfürstl. Cammer Inventarium oder Neue Bechreibung der Amts Sägemühlen und Teiche zu Westerhofe, gemacht den 7. July anno 1696 – HstA Hannover, Hann. 74 Osterode Nr. 263
  2. (Dolle, UB von Boventen. Nr.: 174, Seite 163)

siehe auch