Weserflößer

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Weserfloß bei Gieselwerder
Weserfloß - Fahrt 2008

In den waldreichen Regionen am Reinhardswald und am Solling wurde die Weser seit Menschengedenken auch als Wasserstraße genutzt, um Holz in waldärmere Regionen zu flößen.

Etwa 8 Tage brauchte im Jahre 2008 ein Gruppe von Weserflößern, um mit einem Floß von Reinhardshagen - Veckerhagen (nördlich von Hann. Münden gelegen) bis nach Bremen zu gelangen. Mit dieser Aktion wurde an das uralte Gewerbe der Weserflößer erinnert und eine historische Flusslandschaft neu entdeckt.

Der Fluss bot einst einen preisgünstigen Transport, bis in den 1960-er Jahren Schwertransporter die Holzstämme preisgünstiger und schneller an ihr Ziel beförderten und die Arbeit der Weserflößer ersetzten.

Inhaltsverzeichnis

Floßfahrt 2008

Von Reinhardshagen bis nach Bremen

Vom 12. bis 26. Juli 2008 veranstalteten das „Büro am Fluss - Lebendige Weser e.V.“ und die „Flößerfreunde Reinhardshagen“ eine Floßfahrt von Reinhardshagen nach Bremen.

Schirmherr der Veranstaltung war Bundesminister a.D. Professor Dr. Klaus Töpfer.

Etwa 360 Kilometer haben die 15 Teilnehmer aus Reinhardshagen auf ihrem Weg nach Bremen zurückgelegt und zehntausende Menschen haben die Reise vom Ufer aus verfolgt.

aus: HNA-online vom 10.7.2008:

"Etwas richtig Großes"

Morgen legen die Weserflößer ab - 360 Kilometer legen sie auf dem Fluss zurück

von Antje Thon

Reinhardshagen. Wenn die Weserflößer in Reinhardshagen morgen gegen 13 Uhr die Taue lösen und ihr Floß nach Bremen lenken, werden sich alle der Besonderheit des Momentes bewusst sein. 50 Jahre ist es her, dass letztmals ein so gewaltiges Floß die Weser so weit hinab gefahren ist. Zwei Wochen wird die Reise dauern. Eine Reise, die sie mit den Menschen ins Gespräch bringen wird und auf der sie sensibel machen wollen für den Lebensraum Weser.

Doch vor der großen Fahrt stand gestern und am Mittwoch Schweißarbeit: Das 40 Meter lange, sechs Meter breite und 100 Tonnen schwere Floß musste zusammengebaut werden. Dafür rollten die Männer 80 Fichtenstämme in die Weser. Mit Drahtseilen, Krampen und Nägeln fixierten sie die Rundhölzer, von denen jedes 20 Meter lang ist. Zahlreiche Reinhardshäger verfolgten das Spektakel neugierig. Die jungen staunten, die alten gaben Ratschläge, schließlich waren sie mit dem traditionellen Handwerk in ihrem Dorf groß geworden.

Während der Dreharbeiten für die NDR-Dokumentaion "Willis letztes Floß" im Jahr 2003 wuchs die Idee zu dem Projekt. Seit die erwerbsmäßige Flößerei in den 70-er Jahren unter dem Konkurrenzdruck billigerer Schienen- und Straßentransporte eingestellt wurde, habe es nur kleinere Schautouren gegeben, sagt Eckhard Meyer, einer der neun Weserflößer, die morgen die nostalgische Reise antreten werden. "Das jetzt ist was richtig Großes. Das wird so schnell auch nicht wiederholt", meint Meyer. 30 000 Euro teuer ist die Aktion, von der ein Großteil über Sponsoren finanziert wird.

Die Weserflößer und ihre Helfer werden nicht mit leeren Händen die 360 Kilometer weserabwärts fahren. An den Anlegestellen werden sie Güter verteilen: Wurst, Bier, Säfte, Holzkohle, Luftgewehrmunition und Ableger von Deutschlands ältestem Apfelbaum, der bei Beberbeck steht. Selbst das Holz, auf dem sie reisen, hat bereits einen Käufer. Übrigens: Der Transport der Fichten auf der Straße (drei Lkw-Ladungen) hätte den Kunden über 2500 Euro gekostet.

aus: HNA-online vom 28.7.2008:

Flößer fanden die Schätze

Begeisterter Empfang nach 14-tägiger Tour bis Bremen - Hoffen auf neue Verrücktheit

Reinhardshagen. "Unser Plan war, wir hatten keinen Plan, und damit sind wir gut bis nach Bremen gekommen." Das sagte Eckhard Meyer von den Weserflößern bei der Rückkehr in Reinhardshagen.

Es war für die Mannschaft, Floßführer Thomas Hiddersen und die Menschen aus Reinhardshagen ein ergreifender Moment, als die Männer nach ihrer 14-tägigen Tour von Reinhardshagen bis nach Bremen über die Fähre von Hemeln nach Veckerhagen zurück kehrten. Die Oberwesermusikanten spielten, die Zuschauer am Ufer applaudierten und das alles bei Sommerwetter.

"Wenn wir hier stehen und schwanken ist das nicht zuviel Alkohol. Wir müssen uns erst einmal an festen Boden unter den Füßen gewöhnen", scherzte Meyer. "Außerdem müsst ihr uns wieder erden, wir sind überall hoch gefeiert worden."

Er erzählte zudem von den schönsten Erlebnissen, die die Flößer gemacht haben. "Es war eine sehr emotionale Tour, wir sind mit offenen Herzen gestartet, um die Schätze der Weser zu suchen, und wir haben sie gefunden: Es sind die Menschen, die am Fluss leben."

Es sei keine Floßfahrt, sondern ein Projekt gewesen. "Wir sind in vielen Orten wie Diplomaten behandelt worden", sagte Meyer. Nur eine Etappe sei man unter sich gewesen. Ansonsten fuhren stets Gäste auf dem Floß mit.

Auch der Teamgeist sei sehr beeindruckend gewesen. "Wir sind kein Verein, wir sind 15 Vorstandsmitglieder, die sich nach tausenden von Stunden Vorbereitung einen Sommertraum erfüllt haben", erklärte der Sprecher.

Auch von offizieller Seite wurden die Flößer in Reinhardshagen empfangen. Albert Kauffeld, Erster Beigeordneter der Gemeinde, der zukünftige Bürgermeister Fred Dettmar, Graf Reinhard, der Bischof von Paderborn und Siegfried Lotze hielten Begrüßungsreden. "Ihr habt mit Eurer Tour einen Virus in die Welt gesetzt. Den Virus, euren Heimatort Reinhardshagen und dem Fluss den Status zu geben, der ihnen gebührt", sagte Dettmar. Bis vor wenigen Wochen hätten viele Menschen an der Weser nicht gewusst, dass es den Ort Reinhardshagen überhaupt gibt und nun sei er in aller Munde und habe so als Schatz der Weser schnell einen großen Bekanntheitsgrad erreicht.

Dettmar hofft, dass dies nicht die letzte Verrücktheit der Weserflößer war. Zu den Klängen der Musikanten zogen die Flößer, nachdem sie ihre Frauen begrüßt hatten, durch den Ort, um anschließend die Rückkehr zu feiern.

Auf die Frage, ob es bei dem großen Interesse an der Flößerei eine zweite Wesertour geben wird, sagte Meyer: "So wie uns die Menschen empfangen haben, macht uns das Mut ein ähnliches Projekt durchzuziehen. Aber nicht im nächsten Jahr. Es muss etwas ganz anderes, etwas Spektakuläres sein, wir werden sehen". (zpy)

Floßfahrt 2009

Weseraufwärts zieht es auch im Jahre 2009 wieder die Reinhardshäger Weserflößer. Für die Veranstaltung "Blaues Band der Weser" vom 4. bis 6. September 2009 wird ein Floß nach Minden gebracht. 70 Fichtenstämme wurden zu einem 40 Meter langen Gefährt verarbeitet und Nägel nur in Ausnahmefällen eingesetzt. Überwiegend sind die Stämme mit Gurten miteinander befestigt. Daraus entstand ein Floß, das aus 90 Kubikmetern Reinhardswald-Fichten zusammengebaut wurde.

Literatur

siehe auch

Grafik Weserverlauf.png

Weblinks

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