Werrabrücke in Witzenhausen

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Brückke über die Werra in Witzenhausen
Foto: Günther Pöpperl

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde eine erste Werrabrücke, vorerst noch aus Holz, in Witzenhausen errichtet. Obwohl kein direktes schriftliches Zeugnis über ihre Erbauung überliefert wurde, gibt es eine Urkunde von 1482, die den Brückenbau in die Regierungszeit des Landgrafen Heinrich I. (1268-1308) datiert. Gut drei Jahrhunderte hatte diese Brücke den Bürgern gute Dienste geleistet, fremden Kaufleuten weithin sichtbar den Weg zum Markt gewiesen und dem Stadtsäckel zu manchem Gulden Brückengeld verholfen. Während dieser Zeit erlebte sie Stadtbrand von 1479, die folgende erste Blütezeit der Stadt ab 1550 und schließlich die Pest, der im Jahr 1597 mit 900 Toten fast zwei Drittel der Einwohner zum Opfer fiel.

Steinbrücke

Nur ein knappes Jahrzehnt nachdem der letzte Pesttote vor der Stadtmauer begraben worden war, konnte die Bürgerschaft mit finanzieller Unterstützung des Landesherrn daran gehen, die auf Pfählen ruhende Holzbrücke durch eine massive Steinkonstruktion zu ersetzen. Die neue Steinbrücke, 1608 fertig gestellt, war eine gelungene Konstruktion und bleib nahezu zwei Jahrhunderte unverändert. Erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man daran, einen neuen Pfeiler zu errichten (1800). Im Jahr 1810 wurden hölzerne Eisbrecher dazu angelegt um nach starken Beschädigungen durch Eisgang auf der Werra 1830 zwei neue Spitzpfeiler anzubringen.

Abriss des Brückenturmes

Als im 18. und verstärkt dann im 19. Jahrhundert Mauern und Türme ihre Schutzfunktionen einbüßten und die Städte begannen, über ihren Mauerring hinauszuwachsen, wurden die Befestigungsanlagen Schritt für Schritt abgerissen. In Witzenhausen begann man bereits 1804 mit dem Abriss des „Ermschwerder Thurmes“, und 1834 folgten Brückenturm- und -häuser. Im Zusammenhang mit diesem Abbruch – es drehte sich um die Häuser des Torwärters und des Waldaufsehers – ist ein Schreiben der Stadtverwaltung vom 27. Januar 1834 an die fürstliche Justiz-Kanzlei in Rotenburg erhalten, in dem die Stadtverwaltung noch einmal die Notwendigkeit des Abbruchs unterstreicht. Die Beschaffenheit von Bauwerk und Aufbauten gehen aus dem Brief hervor. So soll die Brücke ein massives Bauwerk von 394 Fuß Länge und 22 Fuß Breite gewesen sein, mit sieben weit gesprengten Boden Bögen und sechs spitz- und Strebpfeilern, welche auf einem Pfahlrost von 1100 Stück einstämmigen Eichen ruhen. Der Abbruch der Bauten erfolgte zügig, denn die neuen Wohnungen für die betroffenen städtischen Bediensteten wurden von diesen schon im Sommer 1834 bezogen. Der Weg über die Werra in die Stadt war nun für Jedermann uneingeschränkt passierbar, und selbst von dem bislang unvermeidlichen Brücken- und Pflastergeld konnte man sich durch eine jährliche Zahlung freikaufen.


Wiederaufbau nach dem Krieg

Der im Spätsommer 1929 vom Witzenhäuser Kreisblatt so euphorisch bejubelten „neuen Pracht“ des alten Bauwerks konnten sich die Witzenhäuser Bürger gerade einmal fünfzehn kurze Jahre erfreuen.

Über sechs Jahrhunderte hatte die Brücke allen Stürmen der Geschichte getrotzt, Hochwasser, Eisgang, Feuersbrünsten und Zerstörungsversuchen widerstanden - nur, um in den letzten Stunden einer unmenschlichen Diktatur das beklagenswerte Schicksal so vieler anderer unersetzlicher Kulturdenkmäler zu teilen.

Das Kalenderblatt zeigte den 7. April 1945, eine Woche nach Ostern. Die Amerikaner näherten sich dem Werratal, Witzenhausen sollte zur „Festung“ ausgebaut und als strategischer Eckpfeiler der neuen Hauptkampflinie (HKL) das „Tausendjährige Reich“ bis zum „letzten Mann“ verteidigen.

Um die Alliierten an der Werra zu stoppen waren sowohl die Werrabrücke als auch die Eisenbahnbrücke bei Unterrieden zur Sprengung vorbereitet und bei der Nachricht, dass im Raum Großalmerode heftig gekämpft wurde und amerikanische Panzerspitzen Kleinalmerode erreicht hätten, in die Luft gejagt worden. Nur wenige Stunden später hatten die Amerikaner Witzenhausen besetzt, in Windeseile eine Pontonbrücke gebaut und unverzüglich ihren Vormarsch Richtung Nordosten fortgesetzt.

Schon bald nach Kriegsende wurde die zerstörte Brücke mehr und mehr zu einem verkehrstechnischen Nadelöhr und ihr Wiederaufbau zu einer der dringendsten kommunalpolitischen Fragen. Im Januar 1948, also knapp drei Jahre nach der Sprengung, begann man mit den ersten Vorüberlegungen zum Wiederaufbau, die sich schwieriger als gedacht erwiesen und sich bis zum September 1949 hinzogen.

Hauptstreitpunkt dieser „Brückendiskussion“ war das Aussehen der neuen „alten“ Brücke, über das man, wie die Lokalpresse am 25. Juni 1949 in einem Artikel bemerkte „…mit dem Landeskonservator noch keine Übereinstimmung erreicht“ hatte. Gegen den Plan des Landeskonservators, die Brücke in ihrem ursprünglichen Zustand wieder aufzubauen, wurde in Witzenhausen sowohl von Betrieben als auch den Anliegern an der Werra massiv Front gemacht und als sich am 8. September 1949 auch die Stadtverordnetenversammlung für die moderne Variante aussprach, war die Entscheidung gefallen.

Die Bauarbeiten schritten zügig voran und nach etwas länger als einem Jahr – ursprünglich hatte man mit einer doppelt so langen Bauzeit gerechnet – war der Neubau fertig und die Werrabrücke konnte am 10. Dezember 1950 in der Form dem Verkehr übergeben werden, wie sie auch heute noch den Fluss überspannt.

Noch während des Wiederaufbaus der alten Brücke richtete der damalige Bürgermeister Holler – übrigens der einzige Bürgermeister in der Witzenhäuser Geschichte, der vom Parlament noch vor dem Ende seiner Amtszeit wieder abgewählt wurde – in der Stadtverordnetenversammlung vom 26. Januar 1949 seinen Blick auf die „…Probleme, die in der kommenden Zeit zu lösen sind.“

Dazu gehörten seiner Meinung nach neben der Planung einer „…Umgehungsstraße über Unterrieden-Werleshausen anstelle der durch die Stadt führenden Reichsstraße“ (die heutige Bundesstraße 27, Anm. d. Verf.) und dem „Ausbau des Ratskellers“ vor allem der „Bau einer zweiten Werrabrücke“ – wohlgemerkt wir reden hier vom 26. Januar 1949.

siehe auch

Weblinks und Quellen