Weltkulturerbe

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Wasserspiele bergpark grafik.png

Für viele war es eine harte Geduldsprobe, doch pünktlich zum 1100. Geburtstag Kassels im Jahr 2013 wurde der Bergpark mit dem Herkules und den Wasserkünsten in die Welterbeliste als Weltkulturerbe aufgenommen und steht damit auf einer Stufe mit der Chinesischen Mauer, den Pyramiden von Gizeh und der Freiheitsstatue in New York.

Etwa 20.000 Besucher feierten am 29.6.2013 zum ersten Mal an einer Weltkulturerbe-Stätte den frisch gekürten Bergpark Wilhelmshöhe beim Wilhelmshöher Bergparkfest. [1]

Entscheidung des Welterbe-Komitees

Die mit Spannung erwartete Entscheidung hat das UNESCO-Welterbekomitee am 23.6.2013 (Sonntagmorgen deutscher Zeit) in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh getroffen. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) zeigte sich begeistert. Der Herkules sei schon lange das Wahrzeichen der Stadt, doch jetzt werde er mit dem Bergpark ausgerechnet zum Stadtjubiläum 1100 Jahre Kassel in die Welterbeliste aufgenommen.

Das Welterbekomitee würdigte den Bergpark als Gesamtkunstwerk, in dem unterschiedliche Strömungen der Gartenarchitektur, der Kunstgeschichte und Technikgeschichte bis heute unverfälscht nachvollziehbar seien. Die über 300 Jahre alte Kulturlandschaft mit ihren weltweit einmaligen Wasserspielen sei ein "einzigartiges Beispiel des Europäischen Absolutismus".[2]

Nach einem Bericht in HNA-online vom 23.6.2013 ist der Bergpark Wilhelmshöhe die 38. Welterbestätte in Deutschland, zu denen unter anderem der Kölner Dom und die Museumsinsel in Berlin gehören. Das Komitee würdigte den Bergpark danach auch als einzigartige Kulturlandschaft. Die Wasserkünste des Parks seien ein außergewöhnliches und einmaliges Beispiel monumentaler Wasserbaukunst. Der Herkules als Krönung des Parks sei technisch und künstlerisch die anspruchsvollste Großskulptur der frühen Neuzeit. Damit nicht genug: "An keinem anderen Ort der Welt sei jemals eine am Hang gelegene Parkarchitektur mit vergleichbaren Ausmaßen und einer technisch so vollkommenen Wasserarchitektur ausgestattet worden wie in Kassel." (tos/dpa/rpp) [3]

Geschichte

Er ist der größte seiner Art in Europa: der Bergpark Wilhelmshöhe. Auf 240 Hektar gedeihen auf magerem Boden und über der Stadt thronend mehr als 15.000 Bäume. Unter den 500 unterschiedlichen Gehölzarten gibt es 250 Jahre alte Kanadische Roteichen, Blutbuchen, Japanische Lärchen und die seltene Kobushi-Magnolie. Wegen des mageren Bodens wachsen die Bäume langsamer und werden wesentlich älter als die in der Karlsaue.

Entstanden ist der Bergpark Wilhelmshöhe ab 1696 nach einer Idee des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten des Parks kamen erst im Laufe der Zeit hinzu. Zu ihnen zählen neben den weltweit einzigartigen Wasserspielen und dem Herkules insbesondere das Schloss Wilhelmshöhe mit seinen berühmten Sammlungen oder die als künstliche Ruine angelegte Löwenburg.

Mit seinen 240 Hektar ist der Kasseler Landschaftspark der größte Bergpark in Europa. In den 300 Jahren seiner Entstehungsgeschichte flossen die verschiedenen Gartenbauepochen in die Gestaltung des Parks ein. Vier wichtige Entwicklungsphasen haben den Park besonders geprägt: die barocke Phase, die anglochinesische Phase (Mulang), die romantische Phase des Landschaftsgartens und die realistische Phase des Landschaftsgartens. Über dem Park wacht das Wahrzeichen der Stadt, der kupferne und neun Meter hohe Herkules auf dem Oktogon.

Dem Halbgott zu Füßen

Landgraf Karl begann den Osthang des Habichtswaldes zum Park umzugestalten, spätere Herrscher fügten weitere Vorstellungen hinzu. Bis heute ist der höchste Bergpark Europas eine Attraktion.

Der englische Reiseschriftsteller Stevens schrieb von einer der prächtigsten Anlagen in ganz Europa, Klopstock rühmte den schönen Gedanken, den Landgraf Carl in unseres lieben Herrgotts Schöpfung hineingeworfen hat, und Bismarcks Leibarzt Schweninger versicherte, hier sei jeder Atemzug einen Taler wert.

Inspiriert von einer Reise nach Italien fasste Landgraf Karl den Entschluss, den Osthang des Habichtswaldes in eine Parkanlage mit Wasserfällen, Grotten und Statuen zu verwandeln.

In dem italienischen Baumeister Guenieri fand der Landgraf einen kongenialen Verbündeten. 1701 begann Guenieri, die gewaltige Anlage zu planen, nur etwa ein Drittel wurde schließlich realisiert. 1713 war das Oktogon vollendet, eine weite Säulenhalle auf einem Felsensockel. Auf dem Tempel der Winde wurde eine Pyramide errichtet, deren Spitze die Kolossalstatue des Herkules bildete. 9,20 Meter vom Zeh bis zum Scheitel misst der Hühne, 2,15 Meter Umfang hat die stramme Wade, 4,80 Meter die Heldenbrust - eindrucksvolle Maße, die Johann Jakob Anthoni aus Kupfer im Kasseler Messinghof trieb.

Um die vielen Arbeitskräfte entlohnen zu können - parallel zum Karlsberg, der späteren Wilhelmshöhe, entstand die Karlsaue - zog Landgraf Karl die Bauern der Umgebung zu Hand- und Spanndiensten heran, was zu mancher Klage führte.

Auch Karls Sohn Friedrich soll die Baulust seines Vaters sehr kritisch beurteilt haben. Dass der Landgraf seinem Sohn wegen entsprechender Äußerungen anlässlich der Einweihung der Wasserkünste vor dem versammelten Hofstaat eine schallende Ohrfeige verpasst haben soll, ist allerdings historisch nicht einwandfrei belegt. Dennoch waren es nicht zuletzt finanzielle Gründe, die dem Landgrafen und seinem italienischen Baumeister Grenzen setzten.

Gestalterische Anregungen aus der Mythologie

Die große Fontäne, der krönende Abschluss der Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe

Die Gestaltung des Parks bezog ihre Anregungen aus der Mythologie. Der Sage nach streckte Herkules den Riesen Enkelados im Kampf nieder. Aus dem Riesenkopfbecken speit der Besiegte bis heute nach seinem Bezwinger - der Beginn der Wasserspiele.

Von hier aus fließt das Wasser über die Kaskaden bis zum Neptunbecken und weiter über den Steinhöfer Wasserfall, durch die Teufelsbrücke in den Höllenteich, die Plutogrotte und das Aquädukt bis zum Fontänenteich, wo eine 30 Meter hohe Fontäne aufschießt.

Karls Enkel, Landgraf Friedrich II. hatte alle Schäden aus dem Siebenjährigen Krieg beseitigen lassen und den barocken Park teilweise neu gestaltet und ergänzt. Das chinesische Dörfchen Mulang, arabische Arabesken, Grabmäler und Tempel kamen hinzu.

Das heutige Gesicht des Parks prägte Friedrichs Sohn, Landgraf Wilhelm IX., seit 1803 Kurfüst Wilhelm I. Er ließ die Anlage, die später nach ihm Wilhelmshöhe genannt wurde, in englischem Stil umgestalten und gab den Wasserkünsten mit Teufelsbrücke und Steinhöferschem Wasserfall neue Akzente. Auch das Aquädukt und die abschließende Fontäne sind nach den Plänen des Kurfürsten entstanden.

Auf dem Gipfel des Parks wacht bis heute die auf einem rund 70 Meter hohen Sockel errichtete Statue des antiken Halbgottes Herkules. Am Fuße des Herkules sorgt ein monumentales Wassertheater für eine bis heute weltweit einmalige Inszenierung. Mehr als 750.000 Liter Wasser fließen über Kaskaden, Becken, Rinnen und Aquädukte in rund 80 Meter Tiefe. Am Ende steigt das Wasser in einer 50 Meter hohen Fontäne über dem Schlossteich empor. Die innovative Technik der Wasserführung, die das natürliche Gefälle des Bergparks nutzt, war seinerzeit einzigartig. [4]

Spazierwege mit sehenswerten Attraktionen

Bis heute können Besucher die seltenen Gehölze des Parks entdecken und die Ausblicke genießen. Ein Spaziergang kann am Herkules beginnen und Besucher parallel mit dem Wasser die Stufen der Kaskaden hinunterlaufen oder zuerst die Fontäne am Schlossteich bewundern, um dann den Aufstieg zum Herkules zu beginnen.

Obwohl ganz unterschiedliche Stilepochen ihre Spuren im Bergpark hinterließen, wirkt er doch wie ein harmonisches Ganzes und bietet viele Anziehungspunkte für Spaziergänge.

Neben der Löwenburg, die sich Kurfürst Wilhelm I. unweit des von ihm erbauten Schlosses als mittelalterliche Ruine errichten ließ, sind zwischen Schloss und Herkules immer wieder kleine Grotten, Pyramiden und Tempel zu entdecken. Aber auch die Gehölze und Pflanzen sorgen in jeder Jahreszeit für reizvolle Eindrücke, die bunten Blumenbeete um die Schlosswiese sind im Sommer eine Augenweide, während das große Gewächshaus auch in der kälteren Jahreszeit eine blühende Oase ist.

Eine weiter Attraktion bildet das Museum im Schloss. Die Anordnung der Kunst-Kabinette und die großen Fenster ermöglichen Ausblicke auf die Parkanlage. So wird die gestaltete Natur in die Betrachtung der Kunst einbezogen.

Sehenswürdigkeiten

Luftansicht Besucherzentrum am Herkules
Löwenburg

siehe auch

Quellen

  1. HNA-online vom 30.6.2013: Beleuchtete Wasserspiele - 20.000 feierten das erste Bergparkfest an Weltkulturerbe-Stätte
  2. www.unesco.de: Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe ist UNESCO-Weltkulturerbe
  3. HNA-online vom 23.6.2013: Herkules und Bergpark Wilhelmshöhe sind Welterbe
  4. www.unesco.de: Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe ist UNESCO-Weltkulturerbe

Weblinks