Welfen

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Die Erbfolgeregelung des welfischen Herzogshauses, die keine Erbfolge nach dem Erstgeburtsrecht vorsah, ebenso aber die bis zum Ende des 15. Jahrhundert erfolgreiche Erwerbspolitik insbesondere in Richtung auf die Weser, führten immer wieder zu Aufgliederungen des Gesamtherzogtums und Teilungen. Das ursprüngliche Herzogtum wurde aber nicht nur immer wieder in verschiedene Fürstentümer geteilt sondern es wurden auch Fürstentümer wieder zusammengelegt, wodurch die Geschichte des welfischen Herzoghauses und seiner verschiedenen Herrschaftsbereiche sehr unübersichtlich geworden ist.

Der nachfolgende Artikel berücksichtigt in erster Linie die Geschichte im heutigen Südniedersachsen und beschränkt sich auf die ehemaligen Herrscher in diesem Bereich.

Die erste Teilung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erfolgte 1267, als die Söhne Herzog Ottos, Albrecht der Lange und Johann, das Herzogtum in einen nördlichen Lüneburger und einen südlichen Braunschweiger Teil aufspalteten. Während das Fürstentum Lüneburg in den folgenden Jahrhunderten nur wenigen Veränderungen unterworfen war, wurde das Fürstentum Braunschweig mehrfach untergliedert. Bis 1463 hatten sich im heutigen Südniedersachsen die Verhältnisse so entwickelt, dass vom Fürstentum Braunschweig die drei weiteren Fürstentümer Grubenhagen, Calenberg und Göttingen abgespaltet worden waren.

Die Zeit bis 1318

So stellte sich ein Maler 1836 den Herzog Heinrich, genannt der Löwe vor.

Die Stammtafel der Welfen geht zurück bis zum 8. Jahrhundert. Die nachfolgende Darstellung beginnt mit Heinrich dem Löwen, einem mächtigen Welfen des 12. Jahrhunderts, seit 1142 Herzog in Sachsen. Er baute die Herrschaft in seinem Lande zielstrebig aus. Nach Süden konnte er sie erweitern, da ihm hier 1152 der Besitz des erschlagenen Winzenburger Grafen zufiel. Auch kriegerische Auseinandersetzungen ermöglichten ihm ein weiteres Vordringen. So hatte Heinrich auch Einfluss an der Oberweser erlangt.

Ein entscheidendes Jahr für das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg ist jedoch 1235. Die Landfriedensordnung auf dem Hoftag zu Mainz unter Kaiser Friedrich II. beendete im diesem Jahre jahrzehntelange Kämpfe zwischen Welfen und Staufern und der Enkel Heinrichs des Löwen, Otto I. (das Kind) erhielt den Allodialbesitz im Raum zwischen Lüneburg und Braunschweig als eigenständiges Herzogtum.

(Nachfolgende Links auf www.welfen.de)

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Das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erfuhr im Verlauf seiner Geschichte wiederholt Teilungen. Die erste Teilung geschah 1267, als die Söhne Herzog Ottos, Albrecht der Lange und Johann, das Herzogtum in einen nördlichen Lüneburger und einen südlichen Braunschweiger Teil aufspalteten. Die Teile wurden als Fürstentümer bezeichnet.

  • Herzog Albrecht I. (1236-1279), Gründer des "Alten Hauses Braunschweig" 1267 (Linie Braunschweig)

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Die Zeit von 1318 bis 1584

Nachdem Herzog Albrecht II. der Fette 1318 gestorben war, regierten seine Söhne Herzog Otto der Milde (1292–1344), Magnus und Ernst das Fürstentum Braunschweig überwiegend von Wolfenbüttel aus zunächst gemeinsam.

Nach Ottos Tode 1344 schritten die beiden anderen Brüder im folgenden Jahr zu einer neuerlichen Teilung, wodurch die Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel und Göttingen entstanden. Diese Teilung von 1345 wurde auf dem Schloss in Münden besiegelt.

Das Fürstentum Göttingen erhielt Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen (1305–1367). Er regierte bis 1367.

Ihm folgte sein Sohn Herzog Otto I. der Quade (um 1340 - 1394), dessen Beinamen der Quade so viel bedeutet wie der Böse. Tatsächlich war Otto der Quade wohl ein unerfreulicher Typ, der seinen fürstlichen Lebensinhalt in der Führung von Fehden und Kriegen sah. Als er 1394 in Hardegsen starb, konnte er nicht in der Kirche des nördlich von Northeim gelegenen Klosters Wibrechtshausen bestattet werden, weil er mit dem Kirchenbann belegt war. Erst als seine Witwe durch Sühneleistungen den Verstorbenen davon gelöst hatte, wurde eine große Kapelle über das an der Nordwand der Kirche gelegene Grabmal errichtet.

Sein Sohn und Nachfolger Herzog Otto II. von Braunschweig-Göttingen (um 1380 - 1463), genannt der Einäugige, war im Gegensatz zu seinem Vater ein sehr friedliebender Mensch. Weil ihm wohl das Dasein als Landesherr beschwerlich war, gab er 1435 die Regierung auf.

Sein Fürstentum ging nach einem kurzen Zwischenspiel ohne herzoglichen Landesherrn zwei Jahre später an Herzog Wilhelm den Älteren, der zu dieser Zeit das Fürstentum Calenberg innehatte. Otto der Einäugige hatte sich nach Uslar zurückgezogen und sich die Einkünfte aus diesem Raum für seine Hofhaltung gesichert. Weil er entsprechend Münden, Dransfeld und Sichelnstein zum Unterhalt seiner Frau, der Herzogin Agnes, Tochter des Landgrafen Hermann von Hessen, vorbehalten hatte, blieb er auch Mündens Stadtherr bis zu seinem Tode 1463. Weil er keine männlichen Nachkommen hatte, fiel jetzt das gesamte Fürstentum Göttingen an Wilhelm den Älteren, dem 1473 auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugefallen war, nach dem dort der letzte Herzog ohne Erben gestorben war. Damit war das Fürstentum Braunschweig, wie es 1267 entstanden war, mit Ausnahme von Grubenhagen wieder in einer Hand.

Als Wilhelm der Ältere 1482 gestorben war, kam es ein Jahr später lediglich zu einer Nutzungsteilung zwischen seinen Söhnen, Wilhelm dem Jüngeren und Friedrich.

Nach Friedrichs Tode wurde das Fürstentum Braunschweig neuerlich unter Wilhelms Söhnen Heinrich und Erich geteilt.

Nach der Abdenkung von Herzog Wilhelm II. hatten seine beiden Söhne (Heinrich und Erich) zunächst 1487 gemeinsam die Regierung im Fürstentum Calenberg angetreten. Nachdem Wilhelm im Jahre 1491 auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel auf die Söhne übertrug, wurde die Herrschaft unter ihnen aufgeteilt.

Erich erhielt das Fürstentum Göttingen und das schon 1432 bis 1473 eigenständige Fürstentum Calenberg. So entstand unter der Herrschaft von Herzog Erich I. das Fürstentum Calenberg-Göttingen.

Das Fürstentum bestand danach unter seiner Witwe, der Herzogin Elisabeth und seinem Sohn, Erich II. bis 1584.

Herzog Erich I.von Braunschweig-Lüneburg (1470-1540)
Herzogin Elisabeth
Foto: Sammlung Hartung/nh


(Quelle: Artikel Welfen waren einst Herren der Stadt - auf der Grundlage von „Dr. Johann D. von Pezold, GESCHICHTE AN DEN DREI FLÜSSEN, Burg als Verwaltungssitz“)

Die Zeit von 1584 bis 1692

Nach Erichs Tod im Jahre 1584 wurde Calenberg-Göttingen wieder von der Wolfenbütteler Linie der Welfen regiert. Zu ihnen gehörten

Link: [7] danach sein Sohn

Link: [8]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Fürstentum durch Truppen des Generals Tilly besetzt, mit Ausnahme der Städte Braunschweig und Hannover.

Als Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahre 1634 kinderlos starb, erlosch mit ihm die Linie Wolfenbüttel und Herzog August der Ältere aus dem Haus Lüneburg erhielt 1635 das Fürstentum Calenberg-Göttingen.

Ihm folgten sein jüngerer Bruder Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg (1582 - 1641)
Link: [9]

und nach dessen Tod seine Söhne, Christian Ludwig, Georg Wilhelm, Johann Friedrich und Ernst August, die nacheinander regierten.

Nachdem im Jahre 1665 auch das Fürstentum Grubenhagen an die Linie Calenberg gefallen war, wurde Herzog Ernst August von Braunschweig-Calenberg (1629 - 1698) nicht zuletzt wegen seiner persönlichen Verdienste im Jahre 1692 zum Kurfürsten erhoben.

Nach dem Tod von Herzog Ernst August fiel 1705 durch Erbgang das Fürstentum Lüneburg an.

Die Zeit von 1692 bis 1866

Aus dem Fürstentum Calenberg-Göttingen hatte sich mit der Verleihung der Kurwürde 1692 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg herausgebildet. Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg war ab dem Jahre 1692 das 9. Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Chur-Braunschweig-Lüneburg, auch Chur-Hannover oder Kurhannover genannt).

Nachfolger von Kurfürst Ernst August war Kurfürst Georg I. Ludwig. Nach dem Tode der Königin Anne Stuart von Großbritannien, die ohne überlebende Nachkommen verstarb, erbte er 1714 die britische Königskrone. Entsprechend dem Settlement Act von 1701 fiel die Krone an das Haus Hannover als nächste protestantische Verwandten.

Im folgte sein Sohn Kurfürst Georg August (Georg II. von Großbritannien), 1683 - 1760, König von Großbritannien und Irland sowie Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg.

Kurfürst Georg August von Hannover gründete im Jahre 1737 die Göttinger Universität.

Auf Georg August folgte Kurfürst Georg III. Wilhelm Friedrich (* 4. Juni 1738 in London, † 29. Januar 1820 in Windsor Castle). Er war ab 1760 König von Großbritannien und Irland und im Heiligen Römischen Reich Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (ab dem Jahre 1815 dann König im Königreich Hannover).

Bereits 1811 führte sein krankheitsbedingt schlechter Geisteszustand dazu, dass sein ältester Sohn als Regent eingesetzt wurde. Dieser trat im Jahre 1820 als Georg IV. die Thronfolge an.

Grafik: Das Königreich Westphalen 1807

Ein vergleichsweise kurzes Intermezzo war das Königreich Westphalen unter Napoléon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Napoléon Bonaparte (1769-1821) hatte das revolutionäre Frankreich aus der militärischen Defensive befreit. Als siegreicher Feldherr hatte er sich 1804 zum Kaiser krönen lassen. Nun steuerte er auf den Höhepunkt seiner Macht zu, nachdem er halb Europa unter seine Herrschaft gebracht und auch Preußen bei Jena und Auerstedt besiegt hatte. Europa wollte er neu ordnen und vor allem das in viele Kleinstaaten zersplitterte Deutschland. Freie Hand dazu gab ihm der Vertrag von Tilsit im Sommer 1807, in dem seine Vormachtstellung in Europa bestätigt und mit Russland Frieden geschlossen wurde.

Eine völlige Neuschöpfung war das Königreich Westphalen, das sich über den mitteldeutschen Raum ohne alle historischen Bezüge erstreckte und Kassel als Hauptstadt erhielt. Napoleons jüngerer Bruder Jérôme war gerade 23 Jahre alt, als er am 15. Dezember 1807 in Kassel zum König von Westphalen proklamiert wurde.

Es war Napoléons Idee gewesen, das neue Königreich zu einem Reform- und Modellstaat zu machen. In der Tat war das von Jérôme regierte Land für einige Jahre das politisch fortschrittlichste in Deutschland. Denn noch bevor sich der König in Kassel feiern ließ, wurde eine Verfassung verkündet, die den Bürgern Freiheitsrechte versprach: Der Gleichheitsgrundsatz wurde eingeführt und die Leibeigenschaft aufgehoben. Die Religionsfreiheit war für die Juden die größte Errungenschaft. Auch gab es mit der Ständeversammlung einen ersten Ansatz zu einer parlamentarischen Mitsprache. Nicht weniger wichtig war der Aufbau einer neuen, unabhängigen Gerichtsbarkeit.

Ein mit diesen Bürgerrechten ausgestattetes Königreich hätte als Modell gelingen können. Doch die Umstände sprachen dagegen. Das Misstrauen gegenüber der Fremdherrschaft war groß. Vor allem litt das Land darunter, dass Napoleon das Königreich Westphalen finanziell systematisch ausplünderte und aufgrund seiner Feldzüge immer mehr Soldaten und Geldmittel brauchte. Was für die Ewigkeit gedacht war, ging nach sechs Jahren zu Ende: Nach Napoleons Niederlagen in Russland und in der Völkerschlacht von Leipzig stürzten 1813 mit dem Kaiser auch seine Vasallen. Am 26. Oktober 1813 musste Jérôme Kassel verlassen. Der Traum vom Königreich war vorbei und die alte feudalistische Ordnung wurde wieder hergestellt.

Im Jahre 1814 wurde das Königreich Hannover auf dem Wiener Kongress neu errichtet. Es entstand als Nachfolgestaat des von Napoleon I. aufgelösten Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg.

Im neuen Königreich folgte auf König Georg IV. sein Bruder König Wilhelm IV. Heinrich (1765 - 1837), von 1830 bis zu seinem Tode König des Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland und König von des Königreichs Hannover. Als Rektor der Universität Göttingen stiftete er dieser im Jahre 1837 die Aula.

Da er ohne Nachfahren verstarb, trat seine Nichte Victoria die Thronfolge im Vereinigten Königsreich an. Da das welfische Erbrecht aber die weibliche Thronfolge ausschloss, wenn im Mannesstamm ein Erbe existierte, wurde sein Bruder Ernst August (1771 - 1851) König von Hannover. Mit ihm endete eine 123-jährige Personalunion der Könige von Großbritannien und Hannover.

Letzter König im Königreich Hannover war dann König Georg V. (1819 - 1878). Nachdem das Königreich von preußischen Truppen besetzt und am 20. September 1866 annektiert worden war, flohen er und seine Familie ins österreichische Exil.

Als Mitglied des Deutschen Bundes (seit dessen Gründung im Jahre 1815) verlor das Königreich Hannover im Jahre 1866 im deutsch-deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich seine Unabhängigkeit. An der Seite Österreichs verlor das Königreich den Krieg gegen Preußen und wurde nach dem Sieg der preußischen Truppen zur preußischen Provinz Hannover, womit die "Welfenherrschaft" endete.

Georg V. weigerte sich bis zum Schluss, seine Ansprüche auf das Königreich Hannover aufzugeben und die preußische Annexion anzuerkennen.

siehe auch

Das Welfenschloss in Hann. Münden

Welfenschloss in Hann. Münden

Das Welfenschloss in Hann. Münden wurde im 16. - 18. Jahrhundert erbaut und ist heute Sitz des Stadtmuseums.

Das erste Schloss an dieser Stelle wurde bereits im Jahr 1501 durch Herzog Erich I. im gotischen Baustil errichtet, es wurde aber durch einen Brand vernichtet.

Im Jahr 1560 ließ dann Herzog Erich II. das Schloss in seiner heutigen Form im Stil der frühen Weserrenaissance errichten.

Weblinks