Weimarer Republik

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Die Weimarer Republik bezeichnet die Zeitspanne vom Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches im November 1918 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933.

Sie wird als "Weimarer Republik" bezeichnet, weil die verfassungsgebende Nationalversammlung im thüringischen Weimar tagte.

Geschichte

Der Kasseler Philipp Scheidemann ruft, nach dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreiches, am 9. November 1918 die "Deutsche Republik" aus.

Im Anschluss daran wird durch das Volk am 19. Januar 1919 eine verfassungsgebende Nationalversammlung gewählt, die am 6. Februar 1919 erstmals im der thüringischen Stadt Weimar zusammentritt. Am 31. Juli 1919 verabschiedet die Nationalversammlung sodann die nach dem Tagungsort benannte "Weimarer Verfassung".

1920: Philipp Scheidemann wird Oberbürgermeister der Fuldastadt

Im Januar wurde er in das Amt des Kasseler Oberbürgermeisters eingeführt. Es war keine leichte Aufgabe für Philipp Scheidemann in diesen unruhigen Zeiten: Im März bedrohte der Kapp-Putsch die Republik.

Er hatte längst in der großen Politik mitgemischt, als er zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt wurde. Philipp Scheidemann war 1918 Staatssekretär unter Reichskanzler Max von Baden geworden, stand neben Friedrich Ebert an der Spitze der Revolution und wurde erster Ministerpräsident der neuen Reichsversammlung. Scheidemann kehrte Berlin den Rücken, als sich die Mehrheit der Nationalversammlung für die Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrages einsetzte. Scheidemann war immer ein Gegner des Vertrages gewesen.

In seiner Heimatstadt war seine Wahl zum Oberbürgermeister allerdings nicht unumstritten. Noch eine Woche vor der Wahl durch die Stadtverordneten (19. Dezember 1919) hatten sich rund 3000 Bürger in der Stadthalle bei einer Großkundgebung versammelt, um gegen Scheidemann zu protestieren. Dort hieß es: "Der Bürgerbund und der Große Bürgerverein...erheben in ihrer heutigen...Versammlung einmütig ihre Stimme gegen die Wahl Scheidemanns... Sie halten es für unmöglich, daß ein auf kommunalem Gebiet unerfahrener und nicht in der Verwaltungsarbeit groß gewordener Mann einer so schweren Aufgabe gewachsen ist..."

Trotz dieser Proteste wurde Scheidemann mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums zum OB gewählt. Als er am 17. Januar 1920 schließlich in das Amt eingeführt wurde, versprach er: "Ich bin entschlossen, mich mit meinen Kräften der Arbeit in meiner Vaterstadt zu widmen, die ich liebe, deren Schönheit ich geschildert und deren Ruhm ich verkündet habe, wo immer ich Gelegenheit dazu hatte."

Es war keine leichte Aufgabe, die Scheidemann bewältigen mußte: Kurz nach seinem Amtsantritt wurde auch Kassel, wie der Rest der Republik, von dem Kapp-Putsch (siehe "Daten der Geschichte") bedroht.

Am 13. März wurde in Kassel bekannt, daß in Berlin Putschisten ihr Unwesen trieben. Es war ein Glück, daß sich die Reichswehrbrigade 11 in Kassel sofort und rückhaltlos zur bisherigen demokratischen Regierung bekannte, am 15. März setzte ein Generalstreik ein. Am Dienstag, 16. März, folgten über 10 000 Männer und Frauen einem Aufruf der Parteien zu einer Kundgebung auf dem Friedrichsplatz, um gegen das landesverräterische Treiben in Berlin zu protestieren. Gleichzeitig begannen gefährliche Unruhen in der Stadt, die in den nächsten Tagen ganz im Zeichen von Maschinengewehren und Panzerwagen standen. Mindestens 17 Tote, 43 Schwer- und 21 Leichtverletzte hatte die Stadt am 18. März zu beklagen, nachdem es zwischen Jugendlichen und Reichswehrsoldaten zu einem Schußwechsel auf dem Friedrichsplatz gekommen war.

Gefahr von "links"

Einen Tag später schienen die Unruhen in Kassel vorbei, die Republik gerettet. Das Kasseler Gewerkschaftskartell und die SPD gaben noch am selben Tag ein Flugblatt heraus: "Arbeiter! Genossen! Laßt Euch nicht durch junge Schreihälse...um Euren klaren Kopf bringen. Der Feind von rechts ist niedergeschlagen, der Feind von links erhebt sein Haupt...".

Wesentlich erfreulicher war das Ereignis im Oktober 1920: Da veranstaltete die SPD auf Reichsebene ihren ersten Parteitag in der Kasseler Stadthalle. Die Eröffnungsrede hielt der Parteivorsitzende Otto Wels, der im März 1933 durch seine mutige Rede gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz wahre Berühmtheit erlangen sollte.

Wohnungsnot in Kassel

Anfang der 20er Jahre gab es wie überall in der Weimarer Republik auch in Kassel zu wenig Wohnungen. 6000 Familien waren auf der Dringlichkeitsliste des Wohnungsamts vermerkt, insgesamt lag die Zahl der Haushalte, die eine Wohnung suchten, bei knapp 8000.

Die Ursachen in Kassel ergab eine Analyse der Wohnungszählung des Statistischen Amtes. Demnach wurde der Wohnungsmangel nicht durch das Bevölkerungswachstum verursacht, sondern durch die Zunahme der Haushaltungen. Die durchschnittliche Größe einer Haushaltung war nämlich von 4,5 auf 3,6 Personen gesunken. Die Krise wurde zudem durch die allgemeine wirtschaftliche Flaute verstärkt.

Erst nach der Währungsreform belebte sich der öffentliche Baumarkt, auch durch massive öffentliche Investitionen. In den folgenden Jahren begann man zudem mit umfangreichen Sanierungsarbeiten in der Altstadt. Denn die Wohnungszählung hatte ergeben, daß die vorhandenen Wohnung durchweg von schlechter Qualität waren, häufig von mehreren Familien bewohnt wurden und meist nur über einen einzigen beheizbaren Raum verfügten.

So wohnten 1920 rund 26000 Menschen in der Altstadt und der Unterneustadt, auf die Fläche verteilt waren dies 460 Personen auf einem Gebiet so groß wie ein Fußballfeld. Zu dieser heute kaum noch vorstellbaren Wohndichte schrieb das Kasseler Volksblatt 1929: "Würde die übrige Stadt so dicht bevölkert sein wie die Altstadt, so würde Kassel 2 Millionen Einwohner zählen."

siehe auch