Weidelsburg

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Blick von der Weidelsburg in Richtung Habichtswald
Blick zur Weidelsburg im Habichtswald

Die Weidelsburg, die auf dem Weidelsberg (492 m ü. NN) oberhalb von Ippinghausen (einem Stadtteil von Wolfhagen) errichtet wurde, ist die größte Burgruine in Nordhessen. Sie weist einen umfangreichen Bestand auf.

Schon von weitem ist die Burgruine mit ihren erhaltenen Wohn- und Tortürmen zu sehen (von denen einer als Aussichtsturm genutzt werden kann) und bildet ein Wahrzeichen des Wolfhager Landes.

Erbaut im 12. Jahrhundert, war sie nach wechselvoller Geschichte seit Ende des 16. Jahrhunderts unbewohnt und verfallen.

Von 1979 bis 1987 wurde sie mit großem Aufwand teilrestauriert.

Auf der Burg bietet sich besonders vom ehemaligen Ost-Pallas ein herrlicher Blick über die Landschaft des Naturparks Habichtswald mit ihren charakteristischen Basaltkuppen.

Aussicht

Vom Aussichtsturm der Ruine bietet sich ein beeindruckender Ausblick auf das Umland: im Westen liegt Gut Höhnscheid (und bei guter Sicht ist weiter westlich auch die Burg Waldeck zu erkennen) im Norden, direkt unterhalb liegt Ippinghausen, dahinter Wolfhagen (und bei klarer Sicht ist sogar die ca. 25 km Luftlinie entfernte Daseburg auf dem Desenberg bei Warburg zu sehen). Im Osten reicht der Blick bis nach Altenstädt und Balhorn und im Süden bis Naumburg und bis zum Hinterberg bei Züschen.

Geschichte

Weidelsburg

Die Weidelsburg ist eine von 20 ehemaligen Burgen des Wolfhager Landes. Einst gehörte sie zu den bedeutendsten spätmittelalterlichen Burgen in Hessen.

Die Weidelsburg, deren Entstehungszeit und Erbauer nicht exakt bekannt sind, wurde urkundlich erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt, ebenso die Familie von Wedelberg. Gebaut wurde die Burg als Wehrburg zum Schutz der Verkehrswege und der Hessischen Landesgrenze.

Nachdem sie 1266 durch Kauf in den Besitz des Erzbistums Mainz gelangt war, wurde sie 1275 in der Auseinandersetzung des Erzbischofs mit Landgraf Heinrich I. von Hessen von diesem zerstört. Die heute noch erhaltenen Teile der Burg stammen von dem 100 Jahre später in Angriff genommenen Wiederaufbau.

Im Jahre 1380 bauten Landgraf Hermann II. von Hessen und Graf Heinrich VI. von Waldeck die Burg wieder auf - mussten aber schon zwei Jahre später die Arbeiten einstellen, weil die Mainzer Erzbischöfe ältere Rechte geltend machten.

Erst sieben Jahre später veranlasste Mainz den Wiederaufbau durch den Grafen von Hertingshausen.

Bei den fortdauernden Fehde zwischen Mainz und Hessen wurde die Burg durch den hessischen Landgrafen belagert und teilzerstört, blieb aber noch intakt.

Burgruine

Im Jahre 1431 wurde Reinhard von Dalwigk durch Mainz zum Amtmann der Burg eingesetzt. In der Folgezeit erwies er sich als sehr fehdesüchtig. Als er zudem im gesamten Gebiet mehrere Dörfer sowie das landgräfliche Schloss in Gudensberg niederbrannte, ergriff der Landgraf härtere Strafmaßnahmen. Nach der Belagerung der Weidelsburg im Jahre 1448 wurde Reinhard von Dalwigk verjagt.

Seit Ende des 16. Jahrhunderts blieb die Burg, wahrscheinlich nach einem Brand, dann endgültig Ruine und verfiel.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Ruine der Weidelsburg zu einem beliebten Wanderziel.

Umfangreiche Sanierungsarbeiten erfolgten im 20. Jahrhundert. Seit Oktober 2008 ist an der Nordwand des Westturms wieder der Neidkopf zu besichtigen, die Nachbildung eines im Spätmittelalter angebrachten Ungeheuer-Kopfs aus Sandstein, der Böses und Feinde abschrecken sollte.

Weitere Sanierungsarbeiten und der Ausbau zu einem attraktiven Ausflugsziel und zu einem außerschulischen Lernort sollen in den nächsten Jahren folgen.

Literatur

  • Heinrich Bachmann, Die Weidelsburg - Ein geschichtlich bedeutsames Wahrzeichen des Wolfhager Landes, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2010, S. 29 ff.
  • Dorfchronik - Ippinghausen im Spiegel der Geschichte, Hrsg. Chronikausschuss der Gemeinde Ippinghausen, 1. Auflage, Wolfhagen 2012

Sanierung

In diesem Jahr werden weitere 100.000 Euro investiert

Weidelsburg wird zum Ort des Lernens

Artikel aus HNA-online vom 29.5.2013 [1]

Ippinghausen. Es wird mehr als eine normale Sanierung: Die Weidelsburg, Nordhessens größte Burgruine und Wahrzeichen des Wolfhager Landes, wird innerhalb der kommenden beiden Jahre optisch behutsam aufgerüstet.

Sie wird als Ausflugsort aufgepeppt und zudem als außerschulischer Lernort gestaltet, wo das Mittelalter anschaulich ist.

In den vergangenen fünf Jahren hat der Hausherr der imposanten Immobilie auf dem Basaltkegel zwischen Naumburg und Ippinghausen, Hessen-Forst, rund 800.000 Euro in die Sanierung der Bausubstanz investiert. Im kommenden Monat sollen laut Heinrich Bachmann vom Förderverein zur Erhaltung der Weidelsburg die Aufträge für die nächsten Arbeiten vergeben werden. Im Mittelpunkt wird dabei zunächst die Sanierung der Mauer stehen, die die beiden großen Wohntürme verbindet. Offene Fugen werden gefüllt, Risse in der Mauerkrone beseitigt und Hohlräume in der 18 Meter langen, acht Meter hohen und 1,80 Meter breiten Mauer verpresst.

Im Juli werden die Arbeiten mit dem Einrüsten der Mauer beginnen. Das Ende dieses Bauabschnitts, zu dem auch die Rekonstruktion eines Wehrgangs an der Außenmauer und die Installation eines Fallgitters aus Eichenholz am Eingang des begehbaren Ostturm zählen, ist für Anfang Oktober vorgesehen. Die Burg wird in dieser Zeit für Besucher nicht gesperrt.

Insgesamt werden in diesem Jahr gut 100.000 Euro in die Weidelsburg investiert. Etwa zehn Prozent entfallen auf ein Info-Leitsystem. Im Eingangsbereich zum Burggelände wird eine Haupttafel aufgestellt, dazu neun weitere Stationsschilder mit Erläuterungen jeweils dort, wo es Besonderheiten der Anlage zu sehen gibt. Auf dem Ostturm werden Panoramatafeln installiert - eine in jeder Himmelsrichtung, die kompakt Landschaft und Sehenswürdigkeiten bis zum Horizont erklären.

Sage

Torbogen

Die Sage von der hessischen Weibertreue geht auf die Vertreibung des Reinhard von Dalwigk von der Weidelsburg zurück.

Als die Weidelsburg durch hessische und kurmainzische Truppen belagert wurde und nicht mehr zu halten war, gestattete der hessische Landgraf auf Bitten von Reinhard´s Gattin den Bewohnerinnen der Burg, sich vor dem Verlassen der Burg mit dem Liebsten zu beladen. Ihnen wurde im Gegensatz zu den Männern freier Abzug gestattet. Natürlich ist es naheliegend, dass Reinhard´s Gattin mit ihrem Mann auf dem Rücken die Burg verließ.

De hessische Wiebertruche (in Mundart)

Uff d’r Wierelsborg läbete der Ridder Reinhard von Dalwigk. He wor en Kopp gresser als de angern Mannsliere, kriechslostisch, dapfer und kluch. Mit sinnen Nachb’rn läbete he duernd in Stritt. Au bereiwerte he de vorbieziehenden Kaufliere. Enmol ließ he sinnem Gulle de Hufiesen immegekehrt uffschlonn un lett so de Verfoljer erre.

Ebber als he’s gor ze dull trebb, bodd dr hessische Landgrof Ludwich dr Fridsome vähle Saldoden uff, imme den Find in sinner Burg zu belachern. Als de Vorräde uffgegessen woren, hotten se kinne Hoffnunge mä. Do erbott sich emme sinne Froche Agnes biem Landgrofen en Fußfall se dunn un imme Gnode ver ären Manne ze bedden. Mit demm besten Schmugge ongedohn, kam de Edelfroche ins Loger des Landgrofen. He wor bese und schwor, de Liere uff dr Borg middem Tohde oder dr Gefangenschoft ze strofen. Nur demm Ridder sinne Froche sull mid ären Mächten (Maiden) un ären besten Schätzen, die se tran kunn, obziehn. De Froche rannte mid disser Nohrichd zericke in de Borg, die se bahle mid ährem Manne uff’m Krizze verliß, hinner er de Wieber mit den Kliedern un nem Schmugge uffm Buggel.

Dem Landgrofen sinne Liere sochten: He sull dat nit gelieren, so isses nich gemint gewest. Ebber he seite: „Wos ich geseit honn, das hahle ich au.“ Un an dissem Fürschtenwort tut he nit drohne rim dieten. „Mächtes doch,“ so rief he geriehrt us, „überall in minnem Hessenlanne so sin, daß den Frochen ährer bester Schatz de Mannsliere sin, ebber nit de schenen Klieder un Ehrelstinne!“

NN., De hessische Wiebertruche, in: Heimatbuch Wolfhager Land, 1.Teil, 1966, S. 31

siehe auch

Habichtswaldsteig: Hinweistafel am Fuß der Weidelsburg

Wandern

Zahlreiche Fernwanderwege wie zum Beispiel

führen zur Weidelsburg.

siehe auch:

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 29.5.2013: Weidelsburg wird zum Ort des Lernens

Video

Die Weidelsburg (1958 – 1982):

Weblinks