Wasserfestung Ziegenhain

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Am Wallgraben von Ziegenhain:
Stolz steht die Kanone am ehemaligen Festungseingang. Sie erinnert an die kriegerischen Zeiten, als die Grafen von Ziegenhain im politischen Geschehen mitmischten.
Foto: Andreas Lages
Schloss Ziegenhain
heute Justizvollzugsanstalt

Nach dem Tod des letzten Grafen von Ziegenhain im Jahre 1450 fiel die Grafschaft Ziegenhain an die Landgrafen von Hessen. 1470 wurde die Burg in Ziegenhain zu einem Schloss umgebaut. Unter Landgraf Philipp I. von Hessen wurde dann mit dem Ausbau zu einer Wasserfestung nach den Plänen des Festungsbaumeisters Jakob von Ettlingen ab 1537 begonnen.

Geschichte

Die Landgrafentreue der Ziegenhainer

Zur Landgrafentreue der Ziegenhainer ist überliefert, dass im "Schmalkaldischen Krieg" (1546 - 1547) der Festungskommandant Heinz von Lüder in unbestechlicher Hessentreue erklärte: "Nur dem freien Landgrafen gebe ich den Schlüssel der Festung zurück!" und sich damit in der Auseinandersetzung mit Kaiser Karl V. auch während der Gefangenschaft des Landgrafen auf dessen Seite stellte. Ein historisches Geschehen, an das der Dichter August Kopisch später in seinem Gedicht „Landgraf Philipp der Großmütige“ erinnerte.

Sprichwort

Weithin bekannt ist auch das geflügelte Wort "Fest wie Ziegenhain", nachdem die seinerzeit viertgrößte Festung in Hessen im Dreißigjährigen Krieg nicht eingenommen werden konnte.

Soldatenhandel

In den Jahren 1776 bis 1783 diente die Festung Ziegenhain als Sammelstelle für junge hessische Männer, die als Soldaten nach Amerika transportiert wurden. Friedrich II. ist als der Kasseler Landgraf bekannt geworden, der es in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Soldatenhandel zugunsten Englands zu großem Reichtum brachte.

Von Karlshafen reisten die hessischen Soldaten weserabwärts nach Bremen und dann weiter über den Atlantik nach Nord-Amerika, um als Soldaten für England gegen die aufständischen Kolonialisten zu kämpfen.

Von der Befestigungsanlage zum Gefängnis

Heute ist von der Befestigungsanlage in Ziegenhain noch ein Teil des Wassergrabens vorhanden, Mauern und Wälle sind abgetragen. Schon zur Zeit der Übernahme der Festung durch die napoleonische Armee zur Zeit des Königreichs Westphalen im Jahre 1806 wurde damit begonnen, die Wehranlagen zu schleifen.

Nach dem Wiener Kongress (1814 - 1815) wurden dann auch in Kurhessen die alten Herrschafts- und Machtstrukturen wieder hergestellt.

Im Jahr 1842 wurde im Schloss Ziegenhain ein Zwangsarbeitergefängnis mit 400 Gefangenen eingerichtet - 1882 auch ein Gefängnis für weibliche Gefangene.

Die JVA im Stadtteil Ziegenhain in der heutigen Zeit. Foto: HNA

Von 1926 bis 1930 wurde die Schlossanlage umgebaut. Danach wurde sie als Sicherungsverwahrungsanstalt eingerichtet.

Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs diente sie zugleich als Zuchthaus genutzt.

Nach dem Ende des Krieges wurde die Anstalt von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen, im August 1946 wurde sie der hessischen Justizverwaltung übergeben.

Inzwischen ist die Festung Ziegenhain an der Landgraf-Philipp-Strasse schon seit vielen Jahrzehnten wesentlicher Bestandteil der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt.

siehe auch

Weblinks