Warte "Auf der Landwehr"

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschichte

Die Warte entstand als Folge der Kriegsereignisse von 1427 im Bereich der zur Gemarkung Großenenglis gehörenden Kalbsburg, heute Stadt Borken (Hessen). Sie wurde 1431 durch den Landgrafen Ludwig I. erbaut und diente der Beobachtung des angrenzenden mainzischen Territoriums sowie der Durchführung notwendiger Grenzformalitäten wie Zollerhebung und Personenkontrolle.

Lehensnehmer des Landgrafen

Der Landgraf gab zunächst die Warte der Familie Fischbach zu Lehen und danach an Henne Semenbrogke. Am 18.02.1448 übergab Landgraf Ludwig I., genannt der Friedfertige, das Bauwerk an den Amtmann Philipp von Borken und dessen Ehefrau.
Die Warte an der "Kalbsburg" wurde im gleichen Jahr, vom gleichen Landgrafen, zum gleichen Zweck gebaut, wie die im Bild befindliche Warte in Wittelsberg.
Am 07. Dezember 1457 wird Henne von Wehren der Lehensnehmer. Am 11. Juli 1494 erhielt der amtierende Amtmann in Borken, geheimen Rat und Erbküchenmeister Philipp von Wildungen von Landgraf Wilhelm III. "den Turm gelegen bei Großenenglis auf der Landwehr mit seiner Ringmauer und was dazu gehört". Der Landgraf erlaubte Philipp auch, hier ein Gebäude zu errichten und es "Hohen Englyes" zu nennen - die Geburtsstunde der Kalbsburg. Das Gebäude wurde offensichtlich nicht fertig gestellt, da Philipp bis zum Jahr 1515 in Großenenglis das heute noch markante Gutshaus bauen ließ.

Nachweis der Warte

Die Warte ist in einer Karte aus dem Jahr 1616, die zu den Kaufunterlagen von Landgraf Moritz gehört, nachgewiesen. Weiterhin ist sie belegt in der "Schleensteinschen Karte" aus dem Jahr 1715 und bisher zum letzten Mal in einer Karte des Jahres 1757, wo es um die Regelung von Grenzstreitigkeiten zwischen dem Erzbistum Mainz und den hessischen Ämtern Gudensberg und Borken geht. In dieser Karte ist auch der Verlauf der ehemaligen Landwehr eingezeichnet. In einer Karte des Jahres 1872 ist die Warte nicht mehr enthalten, was den Schluß erlaubt, dass sie in den dazwischen liegenden 115 Jahren abgebrochen wurde und das Baumaterial für die baulichen Veränderungen des Gutes lieferte.

Die Verwechslung

Dieser Umstand veranlasste offenbar den Kunsthistoriker Alhard von Drach 1909 und Ernst Wenzel 1926 zu einer Verwechslung, in der sie den Wehr- und Glockenturm in Großenenglis für die Warte an der 2 km entfernten Kalbsburg hielten.

Stadtplan Borken, ehemaliger Standort der Warte, Landwehrrest und Glockenturm in Großenenglis



Literatur

  • Friedrich Döring
 - Amtsgerichtsrat Rabe, Heimatschollen 11/1927
 - Werner Ide, von Adorf bis Zwesten 1972, Seite 213-215
 - Georg Landau, ZHG Band 8 1860, Seite 392




Siehe auch