Wallfahrtskirche Gottsbüren

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Die historische Wallfahrtskirche in Gottsbüren

In Gottsbüren - heute ein Stadtteil von Trendelburg - steht die 1330/ 31 erbaute historische Wallfahrtskirche, die im Verlaufe des 14. Jahrhunderts zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde.

Der Ort Gottsbüren lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstraße, die von der Fulda im Süden, über Grebenstein, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte.

Bauwerk und Geschichte

Der mittelalterliche Klosterhof in Gottsbüren lag im Bereich der Kirche und dem angrenzenden Areal oberhalb des Fuldebachs.

Die dreischiffige Hallenkirche am Ort entstand im 14. Jahrhundert in verschiedenen Bauabschnitten, wobei der Innenraum aus zwei nahezu quadratischen Jochen mit Kreuzrippeneinwölbung gebildet wurde. Die unteren Geschosse des (West-)Turms sind in den Kirchenraum einbezogen.

Auf der ehemaligen Nonnenempore der Kirche fand im 18. Jahrhundert die "Heeren-Euler-Orgel" ihren Platz, ein Zeugnis des Gottsbürener Orgelbaus. Die von Stephan Heeren um 1755 geschaffene Orgel wurde im Jahre 2004 aufwändig restauriert.

Aus der Geschichte der Wallfahrtskirche

Innenansicht

Bekannt wurde der Ort im Reinhardswald im 14. Jahrhundert durch das "Wunder von Gottsbüren". Angeblich wurde der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in der Kirche aufgebahrt, nach anderer Darstellung wurde eine geweihte Hostie, die "Heilig-Blut-Hostie" aufgefunden. Vermutet wird auch, dass damals in der Monstranz der zum Kloster Lippoldsberg gehörenden Kirche von Gottsbüren „blutige Tropfen“ gefunden wurden. Nach heutigen Erklärungsversuchen hinterlässt oftmals ein roter Schimmelpilz in feuchten Kirchen derartige Spuren, was das vermeintliche Wunder erklären könnte.

Bis zum Jahr 1399 wurden jedenfalls Wallfahrten nach Gottsbüren durchgeführt, nachdem Erzbischof Balduin von Trier schon 1331 die kirchliche Erlaubnis erteilt hatte. Das Kloster Lippoldsberg versuchte mit der Entsendung von Nonnen der Flut von Pilgern gerecht zu werden und ein Großteil der Einnahmen aus dem Pilgerstrom fiel an die „Mutterkirche“ in Lippoldsberg.

Die wirtschaftliche Situation des Klosters aber auch des Ortes Gottsbüren hat sich durch diese Wallfahrten und die Spenden der gläubigen Pilger deutlich verbessert.

Nachdem die vom Kloster Lippoldsberg organisierten Wallfahrten einsetzen, wurde auch mit dem Bau der bis heute erhaltenen Wallfahrtskirche in Gottsbüren begonnen. Denn schon bald konnte die zunächst vorhandene kleine Dorfkirche die Wallfahrer nicht mehr fassen, so dass auch mit deren Spenden eine grosse Kirche gebaut wurde.

Heeren-Euler-Orgel auf der ehemaligen Nonnenempore

So entstand die bis heute erhaltene Wallfahrtskirche, die im Verlaufe des 14. Jahrhunderts zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde.

Vermutlich übernahmen die Mitglieder des Chorherrenstifts aus Hofgeismar, das ab 1343 vorübergehend nach Gottsbüren verlegt wurde, die Planung und Aufsicht für dieses grosse Bauprojekt.

Und dem Schutz der Wallfahrer diente die schon 1334 ganz in der Nähe errichtete Zapfenburg (Sababurg), die ebenfalls mit den reichlichen Spendengeldern errichtet werden konnte.

Sehenswerte Wandmalereien aus dieser Zeit wurden im Jahre 1961 in den Seitenschiffen der Wallfahrtskirche freigelegt.

Im März 2010 entging die Wallfahrtskirche in Gottsbüren nur knapp einer Katastrophe. Ein stundenlang unbemerkter Schwelbrand in der Elektroinstallation verursachte einen hohen Sachschaden. Bis Mai 2011 wurden der Ruß und der Staub durch das Aufsprühen einer abziehbaren Latex-Emulsion entfernt. Die Fresken erhielten eine gesonderte Behandlung. Nach einem Bericht in der HNA gingen die Restauratoren bei den Wandmalereien mit Gummi-Tupfern und Wattestäbchen ans Werk. Auch die Fenster des 1331 erbauten Gotteshauses wurden gereinigt und deren Bleistege erneuert.

Das Wunder von Gottsbüren

Wallfahrtskirche: Bakterien-Kolonie als Ursache für Wunderglauben im Mittelalter

Artikel in HNA-online vom 24.07.12

Gottsbüren. Ein Bakterium ist die Erklärung für ein Hostienwunder, das in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Ströme von Pilgern nach Gottsbüren führte. Sie kamen, weil es hieß, dort sei der Leib Christi mit Blutstropfen gefunden worden. Die Wallfahrt zum Ort des Wunders bedeutete für fromme Katholiken Vergebung - auch für größere Sünden.

Innenansicht - freigelegtes Wandgemälde

Die zu Ehren des „heiligen Leichnams“ errichtete Kapelle wurde später in mehreren Schritten zur Wallfahrtskirche ausgebaut. Das gotische Bauwerk stand jetzt im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Volkshochschule Region Kassel. Harald Schmidt, Kunstpädagoge und Leiter des Tourismusbüros in Trendelburg, referierte über Fresken und Plastiken in der Wallfahrtskirche sowie über deren Geschichte und die Hostienlegende. Gottsbüren sei zeitweise der bedeutenste Wallfahrtsort in Europa gewesen, stellte Pfarrer Jürgen Schiller zur Begrüßung fest.

Nach einem Schwelbrand im Inneren der Kirche und aufwändiger Restaurierung zeigen sich jetzt Fresken, Plastiken, Dekors und bemalte Kapitelle in neuem Glanz. „Ich habe das zum Anlass genommen, um auf die Schönheit der Kirche und die Vielfalt der künstlerischen Darstellungen aufmerksam zu machen“, sagte Schmidt.

Die Wandmalereien seien zu unterschiedlichen Zeiten sowohl in den frischen als auch auf den trockenen Putz gemalt worden. Darunter sind Nothelferdarstellungen wie die der heiligen Margarethe und des Christophorus wie auch eine Kreuzigungsszene. Der Hostienlegende ist eine ganze Bilderfolge gewidmet. In einer Szene steht ein Mönch im Mittelpunkt, der Menschen, die Pilgerstäbe tragen, eine Monstranz entgegenhält.

Die Hostie darin weist fünf rote Punkte auf - die Blutstropfen auf dem Leib Christi. Die Ursache für das Entstehen der Legende sei in der Mikrobiologie zu finden, erklärte Schmidt. Ein Bakterium das blutrote Kolonien auf einer Hostie bildete, habe damals nicht nur in Gottsbüren zum Glauben an eine Wunder geführt.

Zum Abschluss der Veranstaltung besuchte die Gruppe den Försterhof in Gottsbüren. Die historische Anlage war das Domizil einiger Nonnen des Benediktiner-Klostes Lippoldsberg, in dessen Händen die kirchendienstliche Betreuung der Pilger lag. Zu deren Schutz wurde die Sababurg gebaut.

von Ingrid Vossen


Galerie


Kirchenraum

Die dreischiffige Hallenkirche entstand in verschiedenen Bauabschnitten, wobei der Innenraum aus zwei nahezu quadratischen Jochen mit Kreuzrippeneinwölbung gebildet wurde.

Innenansicht - Blick zum Altar

Das Kreuzrippengewölbe wird gestützt durch zwei Achteckpfeiler.

Die unteren Geschosse des (West-)Turms sind in den Kirchenraum einbezogen.

Durch das nur kurze Langhaus der Kirche entfaltet diese auf den Besucher eine besondere Raumwirkung.

Hinter dem Altar ragt - nach Osten hin - ein hohes Mittelfenster auf, für weiteren Lichteinfall in den Chor der dreischiffigen Hallenkirche sorgen zwei hohe Fenster, die nach Süden hin liegen.

Auf der gegenüber liegenden, erhöhten Nonnenempore fand im 18. Jahrhundert die "Heeren-Euler-Orgel" ihren Platz.

Orgel

In der ehemaligen Wallfahrtskirche in Gottsbüren befindet sich mit der Heeren-Euler - Orgel (mit Barockprospekt) ein Zeugnis des Gottsbürener Orgelbaus.

Auf der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichteten Orgelempore fand die von Stephan Heeren um 1755 geschaffene Orgel ihren Platz, die im Jahre 2004 aufwändig restauriert wurde.

Quellen und Literatur

Literatur zur Geschichte der Kirche

Wallfahrtskirche Gottsbüren – Orgelempore vor der Restaurierung der Kirche
  • Der Wallfahrtsort Gottsbüren, nach größtentheils ungedruckten Quellen, in: ZVHessG 1 (1837), S. 14-33 (auf books.google.de)
  • A. Schreiber, Die Sage von der Auffindung des heiligen Leichnams Christi bei Gottbüren und die Entstehung des Wallfahrtsortes, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1959, S. 76 ff.
  • K. Köster, Gottsbüren, das hessische Wilsnack; Geschichte und Kulturgeschichte einer mittelalterlichen Heiligblut-Wallfahrt im Spiegel ihrer Pilgerzeichen, in: E. Kaufmann (Hrsg.), Festgabe für Paul Kirn, 1961 (S. 198 - 222)
  • J. Lips u.a., EcoPfad - Pilgerwege zum Wallfahrtsort Gottsbüren, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren e. V. 2006
  • Heinrich Keim, "Das Wunder vom Reinhardswald" - ein wirkliches Wunder ?, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2002, S. 60 ff.
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
  • Gero Lenhardt, Mein Reinhardswald, Wandern - Kultur - Freizeit, 1. Auflage, Calden 2013

Unterhaltungsliteratur mit Bezug zur Wallfahrtskirche in Gottsbüren

  • Hermann Multhaupt, Das Wunder vom Reinhardswald, Ein Roman aus dem Mittelalter, MuNe Verlag Paderborn, ISBN 978-3-933425-52-2
  • Dr. Joachim Reitz: Der Leichnam in der Mordkammer, Verlag Pro Business, ISBN 978-3-86805-209-1

Historische Pilgerwege

Von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren wurden historische Pilgerwege in der Umgebung des Orts als Rundwanderwege angelegt und diese "Eco-Pfade" mit Hinweistafeln zu geschichtlichen Ereignissen ausgestattet.

siehe auch

Wallfahrtskirche - rückwärtige Ansicht

Weblinks