Waldensermuseum in Gottstreu

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Das Waldensermuseum in Gottstreu

Das Waldenser-Museum im ehemaligen Schulhaus von Gottstreu gegenüber der Kirche (Waldenser Str. 1) informiert über den langen Weg der waldenser Glaubensflüchtlinge vom Val Cluson (in den Cottischen Alpen) bis an die Oberweser und die Geschichte der 1722 gegründeten "Franzosendörfer" Gewissenruh und Gottstreu.

Im Jahre 2016 konnte das 25. Jubiläum des Museums gefeiert werden.

Geografie

Das Waldensermuseum liegt in der Ortsmitte von Gottstreu, nördlich von Kassel am Reinhardswald und links der Weser. Bis Hann. Münden (weseraufwärts) sind es etwa 25 Kilometer, bis Bad Karlshafen (weserabwärts) etwa 18 Kilometer. Am Ort führt die Bundesstraße B 80 vorbei.

Die Städte Kassel im Süden und Göttingen im Osten liegen beide etwa 40 km entfernt.

Geschichte

Die Waldenser sind eine christliche Bewegung, die bis zum 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Sie geht zurück auf den Kaufmann und späteren Laienprediger Petrus Waldus (auch „Valdus“ oder „Valdes“) aus Lyon, der Teile der Bibel in die Volkssprache übersetzen ließ.

Tafel am Museum

Die Bewegung breitete sich besonders in Südostfrankreich, im Piemont sowie in der Lombardei aus. Ihre Anhänger verstanden sich zunächst als Mitglieder der katholischen Kirche, kritisierten jedoch deren Missstände.

Im Jahre 1532 schloss sich die Glaubensgemeinschaft der Reformation an und übernahm in der Folgezeit die Lehre Calvins. Um 1820/30 wurden die deutschen Exilgemeinden den jeweiligen reformierten oder lutherischen Landeskirchen angegliedert.

Die Siedler in Gottstreu, die ihre Heimat in den Kottischen Alpen im Jahre 1698 verlassen hatten, trafen erst nach einer regelrechten Odyssee im Wesertal ein, die sie zuvor bis nach Brandenburg und Fredericia (in Dänemark) geführt hatte.

Die Dorfgründung in Gottstreu erfolgte im Jahr 1722 nach den Plänen des landgräflichen Baumeisters Johann Nicolaus Prizier, die Kirche in der Dorfmitte kam erst 1730 hinzu.

Seit dem Jahr 2000 gibt es in Gottstreu eine Waldenserstraße und ab 2012 auch eine Landgraf-Carl-Straße.

An der Waldenserstraße (Haus Nr. 1) lag die ehemalige Schule des Orts aus dem Jahre 1826, in der heute das Waldensermuseum untergebracht ist. In unmittelbarer Nähe ist noch ein typisches "Kolonistenhaus" mit französischer Inschrift in der Giebelspitze vorhanden (Haus Nr. 3). In der Waldenserstraße befand sich auch das ehemalige Dorfgasthaus mit Poststelle und Gemischtwarenladen (Haus Nr. 7).

Museum

In der Zeit von Mai - September ist das Museum in Gottstreu jeweils am 1. und 2. Sonntag eines Monats von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit kann auch die benachbarte Kirche besichtigt werden. Besuchergruppen können sich außerhalb der regulären Öffnung auch unter Tel. 05544/912159 anmelden.

Das Waldensermuseum Gottstreu/Gewissenruh mit Sitz in Oberweser-Gottstreu besteht seit dem 5. Mai 1991. Es dokumentiert im ehemaligen Gottstreuer Schulhaus auf drei Ebenen die mehr als 800jährige Geschichte der Waldenserbewegung und stellt insbesondere Bezüge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der 1722 gegründeten Waldenserorte Gottstreu und Gewissenruh her (nördlichste und jüngste Waldensersiedlungen Deutschlands).

Träger des inzwischen auch überregional beachteten Museums ist der eingetragene Verein "Waldenserfreunde Gottstreu/ Gewissenruh e. V." (gegründet 1993). Ihm ist es besonders zu verdanken, dass die waldensische Tradition am Ort lebendig geblieben ist.

siehe auch

Wegzeichen am Waldensermuseum in Gottstreu: oben das Zeichen für den Märchenlandweg, darunter das Zeichen des Hugenotten- und Waldenserpfads

Waldensertag

Vom 22. bis 23.09.12 fand der Deutsche Waldensertag in Hofgeismar statt. Er stand unter dem Motto "Glauben Gestalt geben" und begann am 22. September mit einem Abend der Begegnung in der Stadthalle Hofgeismar.

Am Sonntag standen u.a. Vorträge zu verschiedenen Themen an, etwa zu „Kirchengebäude in den süddeutschen Waldenserkolonien vom 18. Jahrhundert bis heute“ oder über "Kirchenbauten und Siedlungsstrukturen nordhessischer Waldenser- und Hugenottenkolonien“.

Und Pfarrer Giuseppe Platone, Mailand berichtete über „Aktuelles aus der Waldenserkirche“, bevor der Festgottesdienst in der Neustädter Kirche Hofgeismar den Waldensertag abschloss, dort wo schon Waldenserpfarrer David Clément von 1686 bis 1725 gewirkt hatte.

Weblinks