Waldenserkirche in Gottstreu

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Waldenserkirche in Gottstreu
Innenansicht der Waldenserkirche
Orgelempore

Die Waldenserkirche in Gottstreu wurde im Jahre 1730, dem Todesjahr von Landgraf Carl, zumindest weitgehend erstellt. Die endgültige Fertigstellung des kleinen Saalkirchenbaus - aus verputztem Wesersandstein - dauerte allerdings noch Jahre. So soll im Jahre 1779 noch immer die Glocke gefehlt haben. Eine Orgel aus der Werkstatt Euler in Gottsbüren kam erst im Jahre 1859 hinzu.

Geschichte

Die Entstehung der Kirche

Die Kirche entstand nach der Planung durch den Ingenieur-Capitaine Friedrich Conradi im Mittelpunkt des Straßendorfs als Predigtkirche mit rechteckigem Grundriss.

Die Inschrift über dem Eingang verweist sowohl auf Landgraf Carl (Carolus Hassorum Landgravius) als auch seinen Nachfolger Landgraf Friedrich I., der gleichzeitig König von Schweden war (Fridericus Rex Suedorum).

Auch das Innere des Kirchengebäudes ist nach französisch-reformierter Tradition als schlichte Predigtkirche gestaltet.

Im Kircheninnern befindet sich an der westlich gelegenden Seite - hinter dem aus Balken gefertigten Altartisch - die erhöhte Kanzel (etwa aus dem Jahr 1730), auf der gegenüber gelegenen Seite die Orgelempore über dem Eingangsbereich der Kirche.

Auf dem Dach der Kirche wurde ein viereckiger, schiefergedeckter Dachreiter mit Wetterfahne errichtet. Die ursprüngliche Dacheindeckung aus Sandstein wurde im 20. Jahrhundet durch Ziegel ersetzt.

Noch bis zum Jahr 1825 feierte die Waldensergemeinde in Gottstreu die Gottesdienste in französischer Sprache, die aber zunehmend weniger verstanden wurde. Danach wurde die Kirchegemeinde in Gottstreu der deutsch-reformierten Pfarrei in Oedelsheim als Filialgemeinde angeschlossen.

Zur Ortsgeschichte

Das Dorf Gottstreu wurde im Jahre 1722 von waldenser Glaubensflüchtlingen aus Frankreich - an der Stelle einer alten Glashütte - als eine von Landgraf Carl von Hessen-Kassel neu gegründete "Kolonie" angelegt, ebenso wie das weiter nördlich gelegene Dorf Gewissenruh. Der "Besiedelungsstein" in Gottstreu erinnert heute an die ersten Siedler.

Die Zuwanderer in Gottstreu, die ihre Heimat in den Kottischen Alpen im Jahre 1698 verlassen hatten, trafen erst nach einer regelrechten Odyssee im Wesertal ein, die sie zuvor bis nach Brandenburg und Fredericia (in Dänemark) geführt hatte.

Die Dorfgründung in Gottstreu erfolgte im Jahr 1722 nach den Plänen des landgräflichen Baumeisters Johann Nicolaus Prizier, die Kirche in der Dorfmitte kam erst 1730 hinzu. Zunächst war für die Gottesdienste der Gemeinden in Gewissenruh und Gottstreu die Kirche in Gieselwerder vorgesehen.

Die spätere Planung sah vor, für die beiden Waldensergemeinden in Gewissenruh und Gottstreu eine gemeinsame Kirche nach den Plänen des Karlshafener Baumeisters Friedrich Conradi zu errichten. Für dieses Bauprojekt wurde am 18. Dezember 1729 eine kirchliche Generalkollekte erhoben (für "die beyde Frantzösische Colonien Gottestreu und Gewissenruh ohnweit Gieselwerder am Weeser=Strohm gelegen... .").

Restaurierung der Kirche 2008

Im Juni 2008 begann die aufwändige Restaurierung der Kirche, die zu einem Grossteil von den Einwohnern des Ortes in Eigenleistung durchgeführt wird.

Literatur

  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992, S. 100 ff.
  • Thomas Ende u.a., Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh 1722-1997, Oberweser 1997, S. 503
  • Thomas Ende, 275 Jahre Waldenserkirche Gottstreu, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2006, S. 109 ff.

siehe auch

Waldensermuseum gegenüber der Kirche

Weblinks