Waldemar Petersen

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Waldemar Petersen (10. Juni 1880 bis 27. Februar 1946) war deutscher Professor für Elektrotechnik und Unternehmer. Außerdem war er im Nationalsozialismus als Rüstungsmanager tätig. Nach ihm sind zahlreiche Straßen in ganz Deutschland benannt, auch eine in Kassel, die Waldemar-Petersen-Straße in Kassel-Waldau.

Sein Leben

Frühen Jahre

Waldemar Petersen war der älteste Sohn des lutheranischen Pfarrers und Hofpredigers und wurde 1880 in Athen geboren. 1891 siedelte die inzwischen siebenköpfige Familie von Athen nach Mainz und ein Jahr später nach Darmstadt. Nach dem Abitur am Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt studierte Petersen ab dem Sommersemester 1899 Elektrotechnik an der TH Darmstadt und wurde Mitglied des Corps Rhenania. Sein Studium schloss er 1903 mit Auszeichnung ab. Nach dem einjährigen Militärdienst in der 115. Infanteriedivision in Darmstadt kehrte er an die TH zurück.

Der Wissenschaftler

Ab 1904 war er wissenschaftlicher Assistent an der TH Darmstadt, die 1902 das erste Hochspannungs-Laboratorium für Betriebsspannungen über 50 kV einrichtete. An der TH Darmstadt promovierte er 1907. Im gleichen Jahr habilitierte Petersen dann auch.

Am 1. Oktober 1918 wurde er Professor für Elektrotechnik an der TH Darmstadt. Petersen begann nun die noch junge Wechselstromtechnik weiter zu entwickeln. Petersen hatte bei seinen Vorlesungen eine hohe pädagogische Begabung. 1917 erfand Petersen die nach ihm benannte Löschspule zur Erdschlusskompensation (Petersenspule), deren Original heute im Deutschen Museum in München zu besichtigen ist. 1918 entwickelte er das Wattmetrische Erdschlussrelais. Er verfasste grundlegende Lehrbücher über das neue Gebiet der Hochspannungstechnik. Daher gilt er auch als Begründer der Hochspannungstechnik in Deutschland.

1920/21 war er Dekan der Fakultät für Elektrotechnik. Von Oktober 1921 bis Oktober 1923 war er Rektor der TH Darmstadt. In seine Amtszeit als Rektor fällt u. a. die Einstellung des ersten hauptamtlichen Sportlehrers der TH, Ernst Söllinger, sowie die Eröffnung des Hochschulstadions an der Nieder-Ramstädter Straße.

Seine Lehrtätigkeit an der TH Darmstadt behielt er bis zum 1. Juli 1933 bei. Er starb am 27. Februar 1946 in Darmstadt. Petersen war seit Juli 1907 mit der Darmstädter Verlegerstochter Auguste Kichler (1885 - 1974) verheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Beide wurden auf dem Waldfriedhof Darmstadt begraben.

Unternehmer und Rüstungsmanager

Im März 1926 wurde Petersen in den Vorstand der AEG berufen und 1928 zusammen mit Hermann Bücher und August Elfes (1871–1932) zum Generaldirektor der AEG ernannt. Er forcierte die Gründung des AEG-Forschungsinstituts, das am 1. April 1928 in Berlin eröffnet wurde. Als Leiter hierfür wurde Carl Ramsauer gewonnen.

Ab dem 20. April 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war er als Wehrwirtschaftsführer tätig. Er war die treibende Kraft bei der Mobilisierung der AEG-Forschung für militärische Anwendungen. Als Wehrwirtschaftsführer hatte er gute Kontakte zum HWA und konnte ab Februar 1935 die Entwicklung der Bildwandlerröhre zum Nachtseher enorm forcieren und im September ein Modell zur Erprobung liefern. Um 1937 entwickelte er Zünder für Magnetminen. In den 1940er Jahren war er eng vernetzt mit dem Reichsministerium für Bewaffnung und Munition. Er leitete verschiedene Kommissionen im Auftrag von Albert Speer bzw. Karl Saur.

NS-Karriere

Petersen machte Karrieren in der Sturmabteilung und der NSDAP. Als Rektor der Technische Hochschule Darmstadt sorgte er schon in den zwanziger Jahren mit Redebeiträgen, die sich gegen die Weimarer Republik richteten, für Aufsehen.

Belege für seine nationalsozialistische Gesinnung wurden in Archiven und privaten Nachlässen gefunden. Zum Beispiel ein Brief Petersens aus dem Jahr 1933 an die TH-Leitung, in dem er um seine unbezahlte Beurlaubung bat, weil ihn die „Mitarbeit an den Aufgaben des neuen Reiches“ zu sehr beanspruchte. Zu dieser Zeit war Petersen bereits seit sieben Jahren nicht mehr in Darmstadt, sondern im Vorstand der AEG in Berlin – unter Fortzahlung seines Gehalts als TH-Professor.

Als Wehrwirtschaftsführer unterstützte er das Nazi-Regime ab 1938 auch industriell. Während des Krieges leitete er etwa eine „Kommission für Fernschießen“, die eine Empfehlung darüber abgeben sollte, welches von zwei konkurrierenden Waffenprojekten größere Erfolgsaussichten hat.

Recherchen entlarven ihn als Wehrwirtschaftsführer an vorderster Front der Nazi-Kriegswirtschaft. Als Hauptmanager der von Juden "gesäuberten" Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft - der AEG - in Berlin. Sowie als Vertrauter vor Hitlers Rüstungsorganisator Albert Speer, einem der Hauptangeklagten in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen. [1]

Waldemar Petersen arbeitete unter Albert Speer, der die Rüstung für Adolf Hitler organisierte. Petersen leitet zahlreiche technische Kommissionen für das NS-Regime, die das Ziel hatten, die Bewaffnung zu optimieren. Noch 1943 nahm er in Peenemünde in leitender Funktion an einem sogenannten "Vergleichsschießen" teil. Dabei sollte Hitlers sogenannte "Wunderwaffe" gefunden werden, um die schon absehbare Niederlage des Regimes noch zu verhindern.

Ehrungen

  • 1929: Dr. rer. pol. e.h. durch die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät der Universität Königsberg.
  • 1929: ordentliches Mitglied der Preussischen Akademie des Bauwesens in Berlin.
  • 1938: Ehrenmitglied des Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik
  • In Kassel trägt eine Straße seinen Namen. In Darmstadt wurde 1956 eine Straße zunächst in der Innenstadt und 1968 am Campus Lichtwiese der TU Darmstadt nach ihm benannt. Im Oktober 2013 wurde diese Straße umbenannt.
  • In Hirschegg (Kleinwalsertal) trägt das Sport- und Studienhaus der Technischen Universität Darmstadt (Waldemar-Petersen-Haus) seit der Eröffnung im Dezember 1929 seinen Namen.

Heute

Manfred Efinger, jetziger Leiter der TU Darmstadt, recherchierte über das Leben von Waldemar Petersen. Viereinhalb Jahre lang fasste er dessen Leben in einer Biographie zusammen und leitete damit die Distanzierung der Technischen Universität zu Petersen ein. Im Jahr 2013 wurde die Hauptstraße, die erst 1968 zur Petersenstraße wurde, in Eugen-Kogon-Straße umbenannt.

Vieles wurde auch nach dem Ende des nationalsozialistischen Staat nach ihm benannt wurden. Grund für den späten Ruhm, sei laut Manfred Efinger, das gute Netzwerk Petersens gewesen: Viele seiner früheren Studenten und Wegbegleiter waren für die späten Würdigungen verantwortlich.

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de Diskussion um Waldemar-Petersen-Straße: Namensgeber war ein Nazi
  • Manfred Efinger: Waldemar Petersen: Athen. Darmstadt. Berlin. Justus von Liebig-Verlag, Darmstadt.