Wüstungen im Landkreis Kassel

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Siedlungen im nördlichen Reinhardswald um 1330

Das Wort Wüstung steht für ehemalige Dörfer des Mittelalters, für kleinere und größere Ansiedlungen in der Größe von 6 bis 10 Höfen, die von den Bewohnern aus verschiedenen Gründen verlassen wurden und verfallen sind.

Wüstungen sind also von der Bevölkerung verlassene Dorfstellen. Insgesamt sind im Kreisteil Hofgeismar 170 bis 180 Siedlungs- und Wohnplätze nachgewiesen, einschließlich der etwa 60 heute noch bestehenden. 17 wurden schon um das Jahr 500 n. Chr. gegründet. In der Rodungsperiode zwischen 800 und 1300 wuchs die Zahl auf 164. Als die Menschen in die neuen Städte abwanderten, waren um das Jahr 1430 schon 128 wieder verschwunden.

Die nachfolgende Übersicht über Wüstungen im Gebiet des heutigen Landkreises Kassel (entstanden aus den ehemaligen Kreisen Hofgeismar, Wolfhagen und Kassel/ Land) erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll aber zumindest an einige dieser Ansiedlungen erinnert werden, die sich heute noch oft in Flur- oder Straßenbezeichnungen wiederfinden.

Wüstungen im Gebiet des ehemaligen Kreises Hofgeismar

  • Aschendorf: Wüstung in der Gemarkung von Hofgeismar nördlich der Steinmühle, etwa 1,5 km nordöstlich der Altstadt.
  • Büngheim (auch Bünichheim): die Wüstung lag südlich des ab dem Jahre 1699 neu entstandenen Hugenottendorfs Schöneberg auf einer kleinen Anhöhe, etwa 2,5 km nordöstlich der Altstadt von Hofgeismar und östlich der Steinmühle.
  • Diethardessen (auch Dytwartsin, Thowordessen, Thiatwardessun): Wüstung im Bereich der Stadt Grebenstein, aus Richtung der Stadt kurz vor Burguffeln. Das Dorf in der Nähe der Esse wurde urkundlich bereits im Jahre 1015 erwähnt.
  • Gauze: an die mittelalterliche Wüstung erinnert in Carlsdorf die Straßenbezeichnung „Gauzetor“. Das Hugenottendorf Carlsdorf - heute ein Stadtteil von Hofgeismar - entstand ab dem Jahre 1686 im Bereich einer Wüstung am westlichen Rande des Reinhardswaldes. Ursprünglich gab es hier ein Dorf, das mit den Namen Gotresdeshusun oder Gothardessen (später auch Gauze) schon im Jahre 965 erwähnt wird aber bereits vor dem Jahr 1430 von seinen Bewohnern aufgegeben wurde.
  • Guderode: Wüstung in der Gemarkung von Hofgeismar, 1,3 km westsüdwestlich von der Stadt entfernt.
  • Helpoldessen: Wüstung im Bereich der Stadt Immenhausen. Das Dorf lag südlich von Grebenstein, etwa dort wo der Carlsdorfer Weg die Fröhleinbrücke über die Holzkape überquert, auf halbem Weg nach Immenhausen. Urkundlich wird das Dorf im Jahre 1210 erwähnt und 1455 bereits als Wüstung beschrieben.
  • Hildesheim: Wüstung südlich des Ortskerns der 1687 gegründeten Hugenotten- und Waldenserkolonie Mariendorf,1155 wüst.
  • Kelze (Ober- und Niederkelze): Wüstung im Bereich des ab 1699 neu entstandenen Hugenottendorfs Kelze, die aus Oberkelze und Niederkelze bestand. Das ehemalige mittelalterliche Dorf Oberkelze wurde erstmals im Jahre 1146 urkundlich erwähnt.
  • Nettelbeck: Wüstung im Bereich der Stadt Grebenstein. Nettelbeck lag nördlich von Grebenstein, etwas oberhalb des Nesselbachs. Auch eine Familie von Nettelbeck, die zur Bürgerschaft von Hofgeismar gehörte, wurde ab dem 13. Jahrhundert erwähnt.
  • Nordgeismar: die Wüstung lag etwa 2,4 km nordöstlich von der Stadt Hofgeismar entfernt, nördlich der Steinmühle und südlich der Hagenmühle am Schöneberg.
  • Reinersen: Wüstung im Bereich der Städte Immenhausen und Grebenstein. Bereits im Jahre 1455 heißt es im Salbuch von Grebenstein: „"Dis ist nun ein wustunge genant Reinhardessenn.“
  • Rixen: die Wüstung lag 2,5 km westlich von der Stadt Grebenstein. An der Stelle des ehemaligen mittelalterlichen Dorfes Rixen, das bereits Anfang des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wurde, offenbar aber schon Anfang des 15. Jahrhunderts von seinen Bewohnern aufgegeben und „wüst“ geworden war, entstand zur Zeit des Landgrafen Friedrich II. in den Jahren 1776/ 77 das Dorf Friedrichsthal.
  • Strofort (Alten- und Kirchstrofort): die Wüstung lag an der Esse zwischen den Städten Hofgeismar und Grebenstein, etwa 4 km südöstlich aus Richtung Hofgeismar. Im 12. Jahrundert wird auch der Ritter Eberhard von Stroverde mehrfach urkundlich als mainzischer Zeuge erwähnt.
  • Sudheim: Wüstung in der Gemarkung von Hofgeismar, etwa 1,5 km südsüdöstlich der Altstadt.
  • Westheim: Wüstung in der Gemarkung von Hofgeismar, etwa 1,5 km nordwestlich der Altstadt.

Wüstungen im Gebiet des ehemaligen Kreises Kassel (Land)

  • Umbach: Wüstung bei Heiligenrode. Heute erinnern noch die Flurnamen "Umbach" und "Im wüsten Hof" an das einstmals hier gelegene Dorf.
  • Altenfeld :Wüstung im "Altenfelder Grund" ostsüdöstlich von Espenau-Hohenkirchen in der Feldmark in Richtung Fuldatal-Rothwesten.Ehemals mittelalterlicher Gutshof mit Wallfahrtskapelle. Die genaue Lage des ehemaligen Ortes ist bekannt.
  • Lobesrode : Wüstung oberhalb von St. Ottilien in der Gemeinde Helsa am Sankt-Ottilien-Berg, die genaue Lage des Ortes ist nicht bekannt.

Wüstungen im Gebiet des ehemaligen Kreises Wolfhagen

Im Bereich der Stadt Wolfhagen lagen:

siehe auch


Weblinks