Von den Meteoriten zu den Asteroiden

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Gestern war die erste große Pressekonferenz der dOCUMENTA (13). Carolyn Christov-Bakargiev präsentierte bei dieser Gelegenheit im Berliner Hebbel-Theater ihre Agenten und Ratgeber. Etliche Medienvertreter hielten nicht viel von dieser Vorstellung und wollten – wie so üblich – ein Konzept oder einen roten Faden sehen. Dabei sollte ja gerade die Vielfalt der Wissensbereiche, für die die Ratgeber und Agenten stehen, verdeutlichen, dass es angesichts der völlig unterschiedlichen Beziehungen und Prozesse gar keinen roten Faden geben kann. Oder? Gibt es nicht doch rote Fäden, die sich quer durch die gesamte Weltgeschichte ziehen und in unserer Zeit - zur dOCUMENTA (13) – ihre Verknüpfung finden?

Einen roten Faden dieser Dimension, der unendlich lang erscheint, ist im Tagesspiegel von heute zu entdecken. Auf Seite 22 berichtet Nicola Kuhn nachrichtlich knapp über die Pressekonferenz. Mittendrin ist zu lesen, dass bereits in Frankfurt das Künstlerduo Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg im September ein erstes Künstlerbuch vorgestellt habe, das der „Geschichte eines Meteoriten nachgeht“. Das klingt nicht gerade prickelnd. Aber wie soll auch die Autorin wissen, dass es neben historischen und wissenschaftlichen Dimension in dem buch auch eine verunsichernd heitere künstlerische Ebene gibt? Und wie soll sie ahnen, dass in ihrer eigenen Zeitung sechs Seiten weiter die Geschichte der Meteoriten in die Gegenwart und Zukunft weitergeschrieben wird?

Dort ist nämlich unter dem Titel „Die Zeit fliegt“ zu lesen, dass irgendwann größere Asteroiden auf der Erde einschlagen könnten und deshalb Wissenschaftler beraten, wie sie solche Brocken, die 50 Meter und mehr lang sein können, rechtzeitig ausgeschaltet werden können. Das Aussterben der Dinosaurier wird auf einen Asteroiden-Einschlag vor 65 Millionen Jahren zurückgeführt.

Der Artikel von Ralf Nestler beginnt mit einer Untergangsvision: „Zuerst wird es hell. So, als flöge eine zweite Sonne über den Horizont, die schließlich zu Boden geht. Die Luft ist kochend heiß. Dann bebt die Erde, denn die Schockwellen des Einschlags sind im Untergrund schneller unterwegs als in der Luft. Wenn diese eintreffen, ist alls vorbei. Es ist eine Mischung aus infernalischem Gebrüll, Orkansturm und gewaltiger Hitze. Bäume, Häuser, Menschen werden zerrissen…“ Ein paar Zeilen weiter steht, dass sich 2029 der Asteroid „Apophis“ bis auf 30 000 Kilometer der Erde nähere. Und dann?

Meteoriten sind abgesprengte Teile von Asteroiden, die auf der Erde eingeschlagen sind. Die Wissenschaft nimmt an, dass die Meteoriten des Campo del Cielo vor 15 Millionen Jahren mit einem Gesamtgewicht von 840 000 Kilogramm von dem Mutter-Asteroiden weggeschleudert und in viele Einzelteile zerbrochen sein soll. Ein Teil davon war „El Taco“.

So schließt sich der Kreis. Das Studium der Geschichte führt zur Zukunftsvision.