Vollmondtrommeln

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Plutogrotte
Einmal im Monat, immer zu Vollmond, trifft sich ein bunt zusammen gewürfelter Haufen netter musikalischer junger und älterer Menschen im Bergpark Wilhelmshöhe. Die Plutogrotte ist der Treffpunkt, deren Inneres früher als Reich des Höllenfürsten Pluto eingerichtet war. Die Grotte befindet sich oberhalb des Aquädukt auf der Achse Schloß - Herkules. Nachdem man seit etwa 1996 unterhalb des Herkules getrommelt hatte, wählte man später die Plutogrotte aus, um gemeinsam 12 x im Jahr zu musizieren. Das Hauptinstrument ist, wie der Name des Treffens schon sagt, die Trommel, vornehmlich die Djembe, welche die größte Variabilität der Töne bietet. Aber auch Congas, Bongos, Cajons oder Rahmentrommeln sind vertreten. Nicht vergessen werden sollten die anderen Rhythmusinstrumente wie Glocken, Hölzer und andere Klangerzeuger, die zu den Trommelklängen wie "Gewürze" wirken.

Ab 20 Uhr findet man sich so allmählich ein, bei jedem Wetter und jeder Temperatur, es dürfen auch ruhig Minusgrade herrschen. Es werden Teelichter aufgestellt und ein kleines Feuer gemacht. Man sitzt im Kreis auf Stühlen, Hockern oder nur auf Decken.

Jeder kann kommen, auch Anfänger. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich nach ersten zaghaften Tönen ein dauerhafter Rhythmus, der sogenannte Groove, einstellt. Auf diesem aufbauend werden individuelle Soli gespielt - oder man spielt den Rhythmus einfach mit und genießt das Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich sehr schnell einfindet bei völlig fremden Menschen - ohne jeglichen anleitenden Dirigenten. Fast immer ist ein Feuerjongleur dabei, der auch die zahlreichen Zuschauer und Zuhörer außerhalb der Grotte begeistert. Diese lagern bei schönem Wetter mit Picknickkörben auf der Rasenfläche vor der Grotte, in der wunderschönen Umgebung zwischen Teich und Teufelsbrücke. Das Ende jedes Vollmondtrommelns ist immer offen, mal wird es 2 Uhr oder auch viel später.

Bei entsprechender Windrichtung hört man die Trommelklänge auch schon einmal bis zum Bahnhof Wilhelmshöhe. Das ist sogar von einem Redakteur der HNA verbürgt!

Die Gruppe der Trommler, die nicht fest organisiert ist und sich meistens auch nur in der Grotte wiedersieht, hat schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, denn ein Artikel in der HNA und ein fast zeitgleicher Beitrag in der Hessenschau (TV) Anfang des Jahres 2006 brachten neue Teilnehmer und Zuhörer. Einige der Musikbegeisterten kümmern sich ein wenig um die Organisation und helfen auch Neulingen, an dem Erlebnis teilzuhaben. Man muß sich nur trauen und hinkommen, eventuell auch ohne Instrument, denn das eine oder andere Rhythmusinstrument liegt schon mal zur allgemeinen Verwendung parat. Die Trommler sprechen von Magie, die man verspürt, wenn man sich ein wenig in Extase trommelt. Man muß es einfach erlebt haben - es ist phantastisch - ob als Mitwirkender oder auch nur als Zuschauer oder Zuhörer.

Inzwischen hat das Vollmondtrommeln auch Interesse bei den Studenten der Universität von Kassel gefunden. Im Herbst 2006 wurde von zwei Studenten ein knapp 20 minütiger Film gedreht, der die Stimmung beim Trommeln und die verschiedenen Ansichten von zwei Teilnehmern sehr gut widerspiegelt. Der künstlerisch recht ansprechende Kurzfilm wurde zwischenzeitlich schon mehrfach öffentlich gezeigt.

Etwas beschwerlich ist seit Mai 2008 nun der Weg zur Plutogrotte. Konnte man bisher unweit der Grotte sein Auto im Bergpark abstellen, was allerdings eigentlich auch nicht gestattet war, so ist nun die Zufahrt in den Park nicht mehr möglich. Massive Poller riegeln den Park ab. Somit bleibt nur das Parken unterhalb des Schloßhotels und somit ein 750 Meter langer Fußweg, für den mindestens 15 Minuten einzuplanen sind. Mit Musikinstrumenten ist den steilen Berg hinauf dann schon etwas mehr zu kalkulieren. Der weitere Weg sollte aber auch die "Nur-Zuschauer" nicht abschrecken, denn die Einmaligkeit dieses Erlebnisses wird bestimmt jeder in Erinnerung behalten.

VOLLMONDTROMMELN GEFÄHRDET?

Seit Oktober 2010 ist auch die Plutogrotte von den Restaurierungsarbeiten der Bergparkbauwerke anläßlich der Bewerbung zum Weltkulturerbe betroffen. Die Grotte ist seitdem nicht mehr zugänglich. Nachdem man vor Jahren schon aus den oberen Grotten direkt unterhalb des Herkules "vertrieben" wurde und in die Plutogrotte auswich, passiert jetzt das Gleiche wieder.

Seit dem 13.1.2011 steht nun endgültig fest: in der Plutogrotte wird kein Vollmondtrommeln mehr stattfinden!!! Grund: Antrag zum Weltkulturerbe. Somit sind ab sofort jede Musik und jedes offene Feuer (auch Teelichter!) in und vor der Grotte verboten. Bei Nichtbeachtung droht Anzeige. Aber: man könnte sich auch eine Ausnahme genehmigen lassen über einen Vertrag mit der Parkverwaltung. Die Trommler sind aber nicht vereinsmäßig organisiert. Wer soll also für die anderen einen Vertrag schließen? Man sollte nur an die Frage von Haftung und Kosten denken! Man will also die Trommler endgültig aus dem Bergpark vertreiben! Die Trommler haben sich nun vorübergehend einen Ersatzplatz gesucht: in der Nähe des Campingplatzes in Kassel an der Fulda unter einer Autobahnbrücke. Die Zufahrt: Campingplatz in der Giessenallee, die Sackgasse bis zum Ende fahren. Dort sind Parkplätze. Nach 200m Fußweg kommt man unter die Brücke der A49 (Südtangente). Der dortige Skaterplatz, der genutzt wird, hat keineswegs so ein Flair wie die Plutogrotte, er ist aber wenigstens trocken und nachts bis 24.00 Uhr hell beleuchtet. Und der Schall unter der Brücke ist nicht schlecht. Soweit ein anderer Platz gefunden ist, erfolgt hier wieder eine Information. Liebe Trommler und Besucher, kommt trotzdem, wichtig ist doch weniger die Umgebung als das gemeinsame Erlebnis !

siehe auch

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