Volkswagen-Werk Kassel/Baunatal

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Das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal ist der Standort des VW-Konzerns für die Bereiche Getriebebau, Gießereitechnik, Aggregate-Aufbereitung, Abgasanlagen-Fertigung sowie Presswerk und Karosseriebau. Es liegt in der Nähe der Autobahn A 49. Mit etwa 16.000 Mitarbeitern ist es, nach dem Stammwerk Wolfsburg, die zweitgrößte Produktionsstätte des VW-Konzerns. In Nordhessen gilt das Werk als größter Arbeitgeber. Insgesamt betreibt die Volkswagen AG in 153 Ländern, rund um die 570.000 Mitarbeiter. [1]

Die Nordfassade des Baunataler VW-Werks

Geschichte

Am 1. November 1957 kam es zur Ansiedlung des Zweigwerkes der Volkswagen AG in Nordhessen.

Am 1. Juli 1958 begann im Werk Kassel die Produktion mit der Aggregateaufbereitung. Mit dem Start der Getriebefertigung im Jahr 1960 wurde der Standort zum leitenden Getriebewerk für den Volkswagen-Konzern.
1969 wurde der Ersatzteile-Vertrieb in Baunatal angesiedelt. Daraus entstand ab 1991 das heutige Original Teile Center (OTC).

Viele bunte VW Käfer-Modelle schmücken das VW-Werksgelände sowie private und öffentliche Flächen der Stadt Baunatal seit dem 50-jährigen Bestehen des Volkswagen Werkes im Jahr 2008.

Bis Ende 2009 produzierte das VW-Werk Kassel 100 Millionen Getriebe für den Volkswagen-Konzern. 3.477.465 Getriebe wurden im VW-Werk Kassel im Jahr 2010 produziert, rund 37 Prozent mehr Getriebe als im Jahr 2009 – und damit so viele Getriebe wie noch nie in der Geschichte des Standortes.

Wie die Entwicklung im Getriebebau legten auch die anderen Bereiche des VW-Werks kräftig zu: Presswerk und Karosseriebau, Gießerei und Bearbeitung sowie Formhärten steigerten sich im Jahr 2010 um 15 bis 30 Prozent, und seit April 2011 produziert das Werk Kassel mehr als 15.500 Getriebe pro Tag.

2010 ist auch für den Vertrieb Orginalteile (VO) ein Rekordjahr mit einem Umsatz von 4,986 Milliarden Euro, also 11,2 Prozent mehr Umsatz als im Jahr 2009.

Die HNA berichtete am 12. März 2012: "Volkswagen hat 2011 erneut Rekorde bei Absatz, Umsatz und Ertrag eingefahren. Der Volkswagen-Konzern übertraf damit seine ehrgeizigen Ziele. Auch das VW-Werk Kassel in Baunatal stand gut da: Es fertigte vier Millionen Getriebe."[2]

VW-Anzeige in den Zeitungen 1961

"Hohe Arbeitslosenzahlen in Nordhessen und die schlechte wirtschaftliche Situation im Kasseler Raum, hatten zuvor zu Abwanderungen aus der Region geführt.

Am Vorabend der 38. Internationalen Automobilausstellung erklärte Prof. Nordhoff vor der Presse, dass eine Erweiterung der Produktion des Volkswagenwerkes vorgesehen sei. Diese Fabrik werde auf das Henschel-Grundstück in Altenbauna bei Kassel kommen.", schrieb der vwd-Wirtschaftsspiegel in seiner Ausgabe Nr. 217 am 18. September 1957.

Die Henschel-Werke, die sich in einer Krise befanden, verkauften das gesamte Werksgelände der früheren Henschel-Flugmotoren-Fabrik, zwischen Altenbauna und Rengershausen. Am 5. Oktober 1957 kam es zur Vertragsunterzeichnung in Frankfurt am Oberlandesgericht durch Vertreter der Henschel & Sohn GmbH als Eigentümer und Vertretern der Volkswagenwerk GmbH als Käufer. VW kaufte damals ein Grundstück von 1,08 Millionen Quadratmetern. Bei den Kaufverhandlungen trat die Hessische Landesregierung im Interesse der regionalen Wirtschaftsförderung als Mittler auf.

Schon 1969 wurde auch der Ersatzteile-Vertrieb in Baunatal angesiedelt. Daraus entstand ab 1991 das heutige Original Teile Center OTC – die größte Logistik-Anlage Europas. Das VW-Werk in Baunatal samt benachbartem Original Teile Center (OTC) hat im Februar 2007 eine Fläche von 2,8 Millionen Quadratmetern.

Ansiedlung des Zweigwerks

Nur 12 km vom Stadtzentrum Kassels entfernt kam es zur Ansiedlung des Volkswagen-Zweigwerkes in Altenbauna. Rund 88.000 Menschen haben bis Februar 2008 insgesamt bei VW in Baunatal gearbeitet. Am 1. November 1957 hatten 25 Personen bei Volkswagen Kassel mit der Instandsetzung und Herrichtung der Gebäude für den neuen Produktionszweck begonnen. Umbau- und Instandsetzungsarbeiten an den ehemaligen Henschel-Hallen 4, 5 und 6 begannen, um hier die Aufbereitung von Motoren und Fahrzeugkomponenten für den VW-Kundendienst unterzubringen. Neben der Aggregate-Aufbereitung sollten in Kassel auch Ersatzteile, die nicht mehr in Serienfertigung waren, gefertigt werden. Durch die Verlagerung von Produktionsbereichen konnten in Wolfsburg mehr Beschäftigte in der Fahrzeugmontage eingesetzt werden. Generaldirektor Heinrich Nordhoff ernannte Dr. Rudolf Leiding zum Leiter des Werkes Kassel. Leiding war zuvor Leiter der Aggregate-Aufbereitung gewesen. Er starb 2003 im Alter von 88 Jahren in Baunatal.
Der Standort erhielt den Namen „Werk Kassel“, weil es die Stadt Baunatal zum Zeitpunkt der Werksgründung noch nicht gab. Das Werk steht auf dem Gebiet der Baunataler Ortsteile Altenbauna und Rengershausen. Den Aufbau der Belegschaftsvertretung begleitete maßgeblich Peter Stroh, der in Wolfsburg Mitglied des Betriebsrates war. 1958 wurde Stroh Betriebsratsvorsitzender des Werkes Kassel.

50-jähriges Bestehen 2008

Im Juni 2008 feierte das Baunataler VW-Werk sein 50-jähriges Bestehen. Mehr als 130.000 Besucher kamen zu dem Familientag, den das Werk anlässlich des Jubiläums veranstaltete. Das VW-Werk feierte außerdem mit einem Gala-Abend, den Götz Alsmann moderierte. Hier spielte das Staatsorchester Kassel mit dem Dirigenten Rasmus Baumann.

Abgasskandal 2015

Der VW-Abgasskandal bezeichnet einen im September 2015 aufgedeckten Vorgang, bei dem VW eine Zyklus-Erkennung in der Motorsteuerung ihrer Diesel-Fahrzeuge verwendete, um US-amerikanische Abgasnormen zu umgehen. Der Skandal hatte auch Auswirkungen auf das Baunataler Werk. Am 14. Oktober 2015 wurde bekannt, dass Werkleiter Falko Rudolph beurlaubt wurde. Gerd Hahn, Leiter der Gießerei in Baunatal, übernahm kommissarisch die Werkleitung.

2008 kündigte VW in den USA den Start des Diesel „Jetta 2.0 TDI, basierend auf dem EA 189“ an. Damals hieß es in der Mitteilung der US-Tochter, das Auto werde ein Effizienzwunder, von geringem Spritverbrauch und niedrigen Emissionen war die Rede. 2008 gab es mehrere Fachartikel in der Motortechnischen Zeitschrift MTZ, in denen der Dieselmotor vorgestellt wurde. Beschrieben wurden die Optimierung des Einspritzsystems, die Realisierung eines Niederdruck-Abgasrückführungs-Systems, eine neuartige Zylinderdruckregelung – und als technische Besonderheit – die Umsetzung eines NOx-Abgasnachbehandlungssystems. Die Autoren dieser Fachartikel waren unter anderem: der damalige Leiter der Aggregate-Entwicklung Jens Hadler sowie Falko Rudolph.

Heute ist bekannt, dass der im Fachartikel gelobte Motor die strengen US-Abgasnormen nur mit der Schummel-Software einhalten konnte. Im Laufe seiner Einsatzzeit seit 2008 dürfte der Dieselmotor EA 189 mehrfach geprüft worden sein – etwa, ob er die Abgasnormen in verschiedenen Märkten erfüllt.

Hadler war Leiter der Aggregate-Entwicklung. Er verließ VW auf eigenen Wunsch im September 2011 und ging 2012 als Geschäftsführer zur APL Autmobil-Prüftechnik Landau. Auf Hadler folgte bei VW Heinz-Jakob Neußer.[3]

Aufbereitung und Fertigung von Austausch-Teilen

Am 23. Juni 1958 begann mit der Aufbereitung von Zylinderköpfen, Vergasern, Kraftstoffpumpen und Kupplungen die Fertigung von Austausch-Teilen in den alten Henschel-Hallen. Im Recyclingverfahren wurden den VW-Besitzern zu günstigen Konditionen aufbereitete Komponenten im Tausch gegen gebrauchte Aggregate angeboten. Ab dem 8. Juli wurden hier auch Vorder- und Hinterachsen aufbereitet. Am 28. Juli 1958 lief die Überholung von kompletten Motoren an.
794 Arbeiter und 61 Angestellte waren am 31. Dezember 1958 im Volkswagen-Werk Kassel beschäftigt. Mit dem Bau der Halle 1 im Westen des Werksgeländes begann im Mai 1959 der Ausbau des Standortes Kassel. Die Halle 1, die am 1. Oktober 1960 fertiggestellt wurde, ist 550 Meter lang, 240 Meter breit und hat eine Nutzfläche von rund 245.000 Quadratmetern.

Am 16. Juli 2010 berichtete die HNA: "Im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal läuft die Getriebeproduktion auf Hochtouren. „Im ersten Halbjahr wurden 1,77 Millionen Getriebe gebaut - das ist Rekord für den Standort", sagt VW-Werkleiter Hans Helmut Becker im Interview. In Kassel baute VW 2008 im ersten Halbjahr 1,52 Mio. Getriebe. Für die Steigerungen sorgen Indien, Brasilien und vor allem China. Allein dort wurden von Januar bis Juni 950.000 Fahrzeuge des VW-Konzerns verkauft. Das sei ein Plus von 46 Prozent. Becker ist sicher, dass die Produktion der Getriebe steigen wird. 2010 gehe der Fahrzeug-Absatz in Richtung sieben Mio., und damit könne die Tagesproduktion steigen. Dann würden in Baunatal weder das derzeitige Personal noch die Kapazitäten reichen."

Werksentwicklung


Die Hallen beinhalten folgene Abteilung:

Halle 1: Härterei, Werkszeugbau, Getriebebau Halle 2: Karosseriebau, Abgasanlagenfertigung, Halle 3: Härtei, Getriebekomponenten Entwicklung, Getriebebau Halle 4: Härtei, Volkswagen Group Akademie, Pilothalle, Getriebebau, Schmiede, Lehrwerkstatt Halle 5: Gießerei

Werkmanagement

Das Bild vom VW-Werk aus dem Jahr 1961 zeigt die vollständig fertiggestellten Hallen 1 und 4 mit Kraftwerk und Resten der ehemaligen Henschel Flugmotorenwerke


Werkleiter Prof. Dr. Hans-Helmut Becker hat zwei Neue ins Werkmanagement von Volkswagen Kassel berufen.

  • Die Leitung von Volkswagen Werk Kassel/Baunatal tagte am 25.August 2010 in neuer Zusammensetzung: Thomas Goßmann (2. v. links) übernimmt für den Vorruheständler Jürgen Tischler die Leitung Getriebebau. Jörg Fenstermann (1. v. rechts) übernimmt die Logistik und die Werktechnik. Hans-Josef Watermeier (2. v. rechts), bisher Logistik, ist nun Leiter von Presswerk und Abgasanlagen, nachdem Uwe Thesling nach China gewechselt ist.
  • Weiter wie bisher im Werkmanagement Andreas Troll (1.v. links), Qualitätssicherung sowie Eric Reuting (3. v. links), Personalleitung.
  • Michael Breuer, Controlling (4. v. links) ist auch Stellvertreter vom Werkleiter Prof. Dr. Hans-Helmut Becker und Karl-Heinz Steuerwald (3. v. rechts), leitet die Gießerei und Bearbeitung.


Werkleiter bei Volkswagen im Werk Kassel seit 1957

Dr. Rudolf Leiding Hans Kialka Hubert Biehler Fritz Zorn Hans-Christian Maergner Wolfram Thomas Dr. Rüdiger Weißner Prof. Dr. Hans-Helmut Becker Falko Rudolph Thorsten Jablonski
1957-1965
1965-1969
1969-1981
1981-1993
1993-1997
1997-2002
2002-2005
2006-2014
2014-2015
ab 2016


Infastruktur

Das Werk hat eine Grundfläche von 2.404.737 m² und die bebaute Fläche wie soziale Einrichtung, Materiallager, Produktionsanlagen sowie die Parkplätze beträgt 850.494 m².

Besucherdienst

Den Besucherdienst des Baunataler VW-Werkes gibt es seit 1962. [4] Das Werk kann von Einzelpersonen und Gruppen kostenfrei besichtigt werden.
Zu besichtigen sind die Bereiche:

  • Getriebebau, Formhärten, Presswerk, Abgasanlagen, Coaching, Vertrieb Originalteile (VO).
  • Die Aggregateaufbereitung in der Lilienthalstraße 140 in Kassel, ebenfalls nach Vereinbarung.

Werksbesichtigungen sind Montags bis Freitags jeweils ab 10 und ab 14 Uhr nur nach Voranmeldung möglich.

Kontakt zum Besucherdienst:

  • Telefon: 05 61/4 90 20 99
  • Fax: 05 61/49 08 20 99
  • E-Mail: besucherdienst.kassel@volkswagen.de
  • Anschrift: Dr.-Rudolf-Leiding Platz 1, 34225 Baunatal


Geschichte des Volkswagen-Werks Kassel/Baunatal

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Quellen und Weblinks

  1. Presse-Basisinformationen: Volkswagen AG Werk Kassel
  2. Aus der HNA vom 12. März 2012: VW legt Rekordbilanz vor - Baunataler Werk fertigt vier Millionen Getriebe
  3. Artikel aus HNA.de vom 15. Oktober 2015: VW-Werkleiter Falko Rudolph beurlaubt: Betriebsrat überrascht
  4. Besucherdienst bei VW in Baunatal wird 50 Jahre alt - HNA-Bericht vom 22.12.2011 von Sven Kühling