Volkmarshausen

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Volkmarshausen am Schedebach ist seit dem 1. Januar 1973 ein Ortsteil der Stadt Hann. Münden.

Geschichte

Bodenfunde belegen eine lange Siedlungsgeschichte bis zurück zur Steinzeit. Schon in der Altsteinzeit - vor zehn- bis elftausend Jahren - rasteten Rentierjäger im Volkmarshäuser Lausewinkel. Dort fand man entsprechende Werkzeuge, insbesondere Feuersteinspitzen in großer Zahl. Aus der Zeit, als aus den altsteinzeitlichen Jägern jung- und mittelsteinzeitliche Pflanzer und Bauern wurden (4000 v. Chr.), fand man Steinwerkzeuge mit Löchern ("Geröllkeulen"). Auch aus der Eisenzeit (600 v. Chr.) fand man einen Urnenfriedhof am Fuße des Rohbühls. Die Menschen damals verbrannten ihre Toten und begruben sie in getöpferten Gefäßen (Urnen).

Siehe dazu: Fritz Bertram Jünemann: Vorzeitfunde in Volkmarshausen, in: Volkmarshausen. Beiträge zu seiner Geschichte (hg. von Heinrich Tielbörger), Hannoversch Münden, 1980, S. 9-16.

Aus der Ortsgeschichte

Erste urkundliche Erwähnung Volkmarshausens: In der älteren Literatur (insbesondere in Wilhelm Lotzes 1909 erschienenen "Geschichte der Stadt Münden" und von dort immer wieder abgeschrieben) wird als "Geburtsurkunde" für Volkmarshausen fälschlicherweise eine Urkunde Kaiser Otto III. aus dem Jahre 997 genannt. Auf S. 275 heißt es bei Lotze: "Im Jahre 997 spricht schon Kaiser Otto II. von einem Hofe in Villa Volkmarshusen im Leinegau zum Besten des Klosters Hilwartshausen". Doch diese Aussage ist falsch!

Günter Spielmeyer hat 1980 in einem Aufsatz in dem vom Sydekum-Verein herausgebenenen "Beiträgen zur Geschichte Volkmarshausen" überzeugend nachgewiesen, dass der in der Urkunde erwähnte Ort "Wosthalmeshusen" nicht identisch mit Volkmarshausen ist. Die Urkunde von 997 scheidet damit als "Geburtsurkunde" von Volkmarshausen aus. (Günter Spielmeyer, Die erste schriftliche Erwähnung Volkmarshausens, in: in: Volkmarshausen. Beiträge zu seiner Geschichte (hg. von Heinrich Tielbörger), Hannoversch Münden, 1980, S. 17-26, hier S. 20.)

Schon Spielmeyer hat aber eine andere Urkunde gefunden, in der der Ort "Folcmareshusen" auftaucht, womit mit sehr großer Sicherheit Volkmarshausen gemeint ist. Dabei handelt es sich um drei Notizen aus dem Codex Eberhardi aus dem Kloster Fulda, die nur in einer Abschrift vorliegen und nicht datiert sind. Spielmeyer datierte diese Notizen zunächst auf die Jahre 830 bis 840 (Spielmeyer, 1980, S. 20 und S. 22). Damit war zwar die richtige Urkunde gefunden, doch diesmal erwies sich die Datierung auf das 9. Jahrhundert als falsch.

Die richtige Datierung verdanken wir Prof. Dr. Eckhard Freise vom Historischen Seminar der Universität Münster, der sich 1988 auf die Bitte der damaligen Ortsheimatpflegerin Angelika Deese und des damaligen Mündener Stadtarchivars Dr. Dietrich von Pezold mit dieser Frage intensiv beschäftigt hat. Nach Freises detaillierten quellenkritischen Überlegungen stammen die fraglichen "Folcmareshusen"-Notizen aus dem Codex Eberhardi aus den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts. (Der Brief Freises befindet sich im Archiv der Ortsheimatpflege Volkmarshausen.)

Fazit: Die erste urkundliche Erwähnung Volkmarshausen stammt aus der Zeit zwischen 900 bis 950, wobei davon auszugehen ist, dass eine genauere Datierung nicht möglich sein wird.

Zu den Verwirrungen um die erste urkundliche Erwähnung von Volkmarshausen siehe auch: "Verwirrung total! - oder - Wie alt ist Volkmarshausen wirklich?, in: Acta betreffend Volkmarshausen - die Erhebung aller Materialien so zu seiner Geschichte heute bekannt sind sowie Gedanken dazu, wie das schöne Dorf erhalten und verbessert werden könne. Bestandsaufnahme und Arbeitsbericht der Ortsheimatpflege Volkmarshausen (mit Anregungen zur Dorfgestaltung) aufgeschrieben, zusammengestellt und fotografiert von Angelika Deese und Cordula Tollmien, Hann. Münden 1985, S. 123 f.

Kloster Hilwartshausen: Zum Kloster Hilwartshausen bestanden enge Beziehungen. Die Volkmarshäuser gingen dort zur Kirche (es gab eine Fähre über die Weser), ab 1612 allerdings in die Gimter Kirche. Sie leisteten Abgaben an das Kloster (den "Zehnten") und begruben auch ihre Toten bis 1690 in Hilwartshausen, dann in Gimte und schließlich (ab 1832) auf ihrem eigenen Friedhof im Lausewinkel.

Frühe Industrie: Schon ab dem 16. Jahrhundert werden Mühlen in Volkmarshausen erwähnt, mit denen die Wasserkraft der Schede genutzt wurde:

- eine Walkemühle (für Stoffe), erstmals erwähnt 1524

- eine Schlag- und Ölmühle, erstmals erwähnt 1537

- eine Polier- (=Schleif-)Mühle, 1563 vom Kloster Hilwartshausen an die Stadt Münden abgetreten,

- eine Papiermühle, Konzession erteil 1599, daraus entwickelte sich die Buntpapierfabrik Schnell entwickelte,

- eine Mahlmühle am Schede-Mühlengraben, in Betrieb seit dem 17. Jahrhundert, später Schrotmühle der Familie Sumpf (am heutigen Rehhagen); seit 1952 mit modernen Turbinen betrieben, stillgelegt 1968, aber gelegentlich noch bis ins später 20. Jahrhundert genutzt.

Siehe dazu: Karl Brethauer: Zur Geschichte der Volkmarshäuser Mühlen, in: Volkmarshausen. Beiträge zu seiner Geschichte (hg. von Heinrich Tielbörger), Hannoversch Münden, 1980, S. 51-56.

Aus diesen Mühlen entwickelten sich die jetzigen Industriebetriebe im Volkmarshäuser Schedetal (Filzfabrik, Farbenfabrik Jordan). Ein zweites Industriegebiet wurde in den 19080er Jahren auf den ausgebeuteten Sandgruben Richtung Münde eingerichtet.


Hannöversche Südbahn:

Volkmarshausener Tunnel

Im Jahre 1856 wurde die „Hannöversche Südbahn“ eröffnet, die von Hannover auch über Volkmarshausen und Hann. Münden nach Kassel führte.

Zwischen den Bahnstationen Oberscheden (auf Streckenkilometer 132,1) und Volkmarshausen (136,2) lag der 325 m lange Volkmarshäuser Tunnel.

Nach Einstellung des Eisenbahn-Personenverkehrs über Dransfeld im Mai 1980 ist der ehemalige Streckenabschnitt GöttingenDransfeldHann. Münden zu einem Grossteil zu einem Fahrradweg umgebaut worden oder als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen.

siehe dazu:

Klettergarten

Der SV Schedetal-Volkmarshausen hat im Jahr 2008 in Volkmarshausen einen Klettergarten eröffnet. Er wird von 15 Trainern betreut, die eine spezielle Ausbildung als Hochseilgartentrainer haben. Jeder Teilnehmer wird mit Komplettgurt und Seil direkt durch einen Trainer gesichert.

Körperliche Fitness oder Kraft sind im Klettergarten von untergeordneter Bedeutung. Vielmehr geht es um Selbst- und Grenzerfahrungen. Trainieren können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen. Kinder zahlen 17 Euro (3 bis 4 Stunden) oder 27 Euro (6 bis 7 Stunden), Erwachsene 27 Euro bzw. 37 Euro. Das Training für Vereinsmitglieder ist kostenlos, Trainingszeiten mittwochs von 16 bis 19 Uhr und samstags von 14 bis 19 Uhr. Weitere Infos: www.svs-volkmarshausen.de.

Politik

Ortsbürgermeister Volkmarshausens:

- Ernst Vollmer (SPD), 1.1.1973 bis 2.1.1983, außerdem von 1973 bis 1991 im Stadtrat (insgesamt 18 Jahre);

- Wilfried Haddinga (SPD), 3.1.1983 bis 22.6.1987;

- Edgar Lindner (SPD), 23.6.1987 bis Frühjahr 1992 (Kommunalwahl);

- Gerhard Sittig (CDU), Frühjahr 1992 bis November 1992.

- Am 28. November 2011 wurde Gudrun Surup (SPD) zur neuen und ersten Ortsbürgermeisterin in Volkmarshausen gewählt.[1]


siehe auch

Weblinks

Überregional:


Quellen

  1. Aus HNA.de vom 29. November 2011: Ortsrat Volkmarshausen wählte Gudrun Surup zur Ortsbürgermeisterin