Veckerhagen

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Ortsansicht Veckerhagen

Veckerhagen ist ein Ortsteil der Gemeinde Reinhardshagen im Landkreis Kassel.

Die östlich des Reinhardswalds an der Weser gelegene Gemeinde Reinhardshagen entstand 1971 im Verlaufe der hessischen Gebietsreform aus den beiden früher selbständigen Orten Vaake und Veckerhagen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Weserfähre

Veckerhagen liegt etwa 12 km nördlich von Hann. Münden am linken Ufer der Weser an der Einmündung des Hemelbachs.

Das Wasser des Hemelbachs speist auch den durch den Ort verlaufenden Mühlenbach, mit dessen Wasser in früheren Jahren nicht nur Mühlen sondern später auch die Dampfmaschinen und Turbinen der Eisenhütte betrieben wurden.

Der Ort ist wegen seiner Lage im Wesertal und der beschaulichen Gierseilfähre zu dem auf der anderen Seite der Weser gelegenen Hemeln am Fusse des Bramwalds ein beliebtes Ausflugsziel.

Seit inzwischen 666 Jahren hieß es in einem Artikel in HNA-online am 10.1.2008 werden inzwischen mit der Fähre Menschen, Güter und Tiere (heute allerdings vorwiegend Autos) von einem Ufer der Weser zum anderen befördert.

Geschichte

An der ehem. Eisenhütte

Veckerhagen wurde im Jahre 1297 erstmals urkundlich als Feckershagen erwähnt. Ein umfriedeter Hof war ursprünglich offenbar im Besitz der Ritter von Feker, die den Hagen unter der Lehnsherrschaft der Edelherren von Schöneberg angelegt hatten. Seit dem Jahre 1342 gehört der Ort zur Landgrafschaft Hessen. Besitz hatten hier auch die Herren von Stockhausen, die in der ersten Hälfte 15. Jahrhundert den hessischen Amtmann stellten. In dieser Zeit (1430/ 31) wurde eine Burg an der Weserfurt errichtet.

Die ehemalige landgräfliche Eisenhütte wurde im Jahre 1581 zunächst in Vaake, später dann in Veckerhagen gegründet. Die Erze (Brauneisenstein) für die Eisenhütte kamen vorzugsweise aus den Hohenkirchener Erzgruben.

Veckerhagen war dann über fast 300 Jahre hinweg ein Hauptsitz der landgräflichen und später kurhessischen Eisenindustrie.

Erst 1903 wurde der Betrieb in Veckerhagen eingestellt; er bestimmte über mehr als 200 Jahre das Wirtschaftsleben am Ort. Neben Kanonenkugeln und Kanonenrohren wurden in Veckerhagen auch eiserne Öfen, Töpfe oder Wasserleitungen hergestellt. Auf dem Wasserwege wurden die Waren ausgeliefert. Dazu gehörten auch die Veckerhäger Öfen, die in der 1666 gegründeten Eisenhütte gegossen wurden und von dort aus mit dem Schiff zunächst nach Bremen und von dort zu Kunden beispielsweise in Skandinavien transportiert wurden.

Um das Stapelrecht von Hann. Münden zu umgehen, baute man 1673 in Veckerhagen Stapelhäuser für die auf der Weser ankommenden Waren, die ab hier auf dem Landweg nach Kassel transportiert wurden.

Statue der "Brama" am Weserufer

Neben der Alten Burg entstand im Jahre 1689 unter Landgraf Karl ein Barockschloss, das 1810 von der Familie Habich erworben wurde, die 1823 auch ihre Farbenfabrik von Kassel nach Veckerhagen verlegt hatte.

Zuvor war das Barockschloss als Jagdschloss von König Jérôme (Hieronymus) Bonaparte genutzt worden, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts über das neu geschaffene Königreich Westphalen herrschte.

Nach dem Verkauf an die Familie Habich entstanden neben dem Schloss auch die Gebäude der Farbenfabrik "Habich's Söhne" und ab dem Jahre 1865 wurde in Veckerhagen unter anderem das berühmte "Casseler Braun" hergestellt und exportiert.

Bereits im Jahr 1842 war im nahegelegenen Forstbetrieb Gahrenberg eine werkseigene Braunkohlenzeche eröffnet worden, die neben Braunkohle auch das für die Farbenherstellung benötigte Mineral lieferte. Bis 1970 wurde am Gahrenberg Braunkohlenbergbau (mit Schrägstollen) betrieben.

Im Gegensatz zu Vaake war Veckerhagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Kampfhandlungen verwickelt. Am Abend des 5. April 1945 war erstmals das Geschützfeuer der herannahenden Front aus Richtung Hofgeismar zu vernehmen. Am 7. April 1945 überschritt die 104. Infanteriedivision der Amerikanischen Armee die Weser bei Veckerhagen und Hemeln auf einer errichteten Pontonbrücke. Panzer und andere Militärfahrzeuge sammelten sich in Hemeln und rückten weiter nach Göttingen vor, das am 8. April 1945 eingenommen wurde.

Lange Zeit war das heutige Historische Brauhaus in Veckerhagen ein wichtigster Treffpunkt im Dorf - bis 1964 wurden hier auch die monatlichen Amtsgerichtstage abgehalten. Zum Kriegsende wurde im Brauhaus eine Garnisonsküche eingerichtet, aus der amerikanische Besatzungstruppen versorgt wurden. Sudeten- und Ungarndeutsche Flüchtlinge erhielten während der Nachkriegsjahre dort vorübergehend eine Bleibe.

Kirchbauten in Veckerhagen

Die evangelische Kirche

Die evangelische Kirche in Veckerhagen wurde in den Jahren 1778 - 1780 mit kreuzförmigem Grundriss erbaut, wobei die benötigten Bruchsteine in Hand- und Spanndiensten von den Bewohnern aus dem sogenannten Kirchsteinbruch im Reinhardswald geholt wurden. Es entstand ein Kirchbau an der gleichen Stelle, an der zuvor eine kleinere Holzkirche gestanden hatte. Noch im Jahre 1763 hatte man in dieser älteren Kirche zum Ende des Siebenjährigen Krieges einen feierlichen Dankgottesdienst abgehalten.

Die heutige Kirche ist ein klassizistischer Saalbau mit spätbarocken Einflüssen. In der Mitte des Kirchdachs befindet sich ein schiefergedeckter Dachreiter in Holzkonstruktion mit welscher Haube.

Sehr viel jünger ist die katholische Kirche "St. Wigbert" in Veckerhagen, die im Jahre 1959 errichtet wurde. Nach dem Zweiten Krieg stieg die Zahl der Katholiken im Gebiet des ehemaligen Kreis Hofgeismar auf mehr als 22.000 Personen an. Heimatvertriebene – zum Beispiel aus dem sog. Sudetenland – mit zumeist katholischer Konfession fanden hier auf Dauer eine neue Heimat. In den 1950-er Jahren entstanden zahlreiche katholische Gotteshäuser, zum Beispiel in Karlshafen (1956), Lippoldsberg, (1957) oder in Veckerhagen (1959).

Literatur

ehemalige Eisenhütte

Literaturhinweise zur ehemaligen Eisenhütte:

Neue Hasselbach-Brücke

In 150 Arbeitsstunden an einem Wochenende haben zehn Männer des Vereins "Stammtischbrüder Veltinsklause" im Jahre 2012 die alte Hasselbach-Brücke in Veckerhagen abgerissen und eine neue aus Lärchenholz gebaut.

Persönlichkeiten

Radwandern

Der Weser-Radweg verläuft aus Richtung Hann. Münden (Start) entlang der Weser bis nach Oberweser (25,0 km) und von dort weiter nach Lippoldsberg (30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) und Bad Karlshafen (45,0 km).

Hier schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

Sehenswürdigkeiten

Das ehem. landgräfliche Schloss

Sehenswürdigkeiten am Ort

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

siehe auch

Übernachtungsmöglichkeiten

Übersicht

Hotels/ Gasthäuser

Vereine

Das Rathaus in Veckerhagen

Sportvereine

Wandern

Weserdampfschifffahrt

Aus dem „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“:

Im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Boclo war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein.

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den dortigen Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Weserflößer

Im Jahre 2008 veranstalteten das „Büro am Fluss - Lebendige Weser e.V.“ und die „Flößerfreunde Reinhardshagen“ eine Floßfahrt auf der Weser von Reinhardshagen nach Bremen.

Damit wurde an das uralte Gewerbe der Weserflößer erinnert und eine historische Flusslandschaft neu entdeckt.

Gestartet wurde am 12. Juli 2008 in Veckerhagen.

Vierzehn Tage später wurde die Mannschaft um Floßführer Thomas Hiddersen wieder begeistert empfangen. Über die Fähre von Hemeln nach Veckerhagen kehrten die Teilnehmer an der Floßfahrt bei strahlendem Sommerwetter zurück und wurden von den Oberwesermusikanten sowie zahlreichen Zuschauern am Ufer der Weser willkommen geheißen.

siehe auch

Weblinks



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