VdK

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VDK Bettenhausen/Waldau

50 Jahre im Dienste der sozialen Gerechtigkeit – 50 Jahre Sozialverband WK in Bettenhausen, Forstfeld und Waldau

Dr. Günther Schnell (Festschrift 1996)

Wenn der Sozialverband VdK in diesem Jahr an seine Gründung erinnert, werden 50 Jahre Sozialgeschichte lebendig. Sozialgeschichte, die der VdK im Kasseler Osten ebenso wie in vielen anderen Teilen Hessens und der Bundesrepublik Deutschland mitgestaltet hat. Bei dem Aufbau des sozialen Netzes hat der VdK wesentlich Einfluss ge�nommen im Interesse seiner Mitglieder. Seinen heute 127 000 Mitgliedern allein in Hessen (Stand September 1996) bietet der VdK umfassende Beratung in allen sozialpolitischen Fragen, Hilfe und Beistand, wenn erforderlich, und nicht zuletzt ein breites Angebot an geselligen Veranstaltungen.

Die Gründung des WK Hessen am 13. Dezember 1946

Die Wurzeln des VdK Hessen liegen in Frankfurt. Dort wurde bereits am 13. Dezember 1946 der VdK Hessen unter dem Namen "Verband der Körperbeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen e.V." gegründet. Das Startkapital stammte übrigens von der Arbeiterwohl�fahrt, die 10 000 Reichsmark darlehnsweise zur Verfügung gestellt hatte. Die beabsichtigte Gründung des VdK als Verband der Kriegsopfer stieß zunächst auf Misstrauen der Alliierten, die eine Organisation ehemaliger Kriegsteilnehmer argwöhnisch beobachteten und erst nach Zögern die Erlaubnis zur Vereinsgründung gaben.

Aber Not und Elend waren groß, es bestand Handlungsbedarf. Die Aufgaben des VdK in diesen ersten Jahren waren überall die gleichen: Nachdem Nazi-Deutschland endlich kapituliert hatte, war die soziale Versorgung endgültig zusammengebrochen, die Zahlung alter Kriegsopferrenten wurde endgültig eingestellt. Die Kriegsopfer wurden auf die Wohlfahrtspflege verwiesen, Ansprüche mussten erst neu formuliert, Leistungen beantragt und Rechte eingeklagt werden, bevor an konkrete Unterstützung gedacht werden konnte. Damit waren aber die Betroffenen vielfach überfordert. So entstand der VdK als Selbsthilfeorganisation, wobei der Schwerpunkt auf Sozialrechtsschutz- und Beratung gelegt wurde. Er wurde binnen kurzer Zeit zu einer Sammlungsbewegung für alle Gruppen der sozial Schwachen, die dort einen wahren Anwalt für ihre Interessen fanden. In den Jahren nach der Gründung wurde die Organisation zügig ausgebaut. So zählte der VdK Hessen im Jahre 1950 bereits 42 Kreisverbände und 1256 Ortsgruppen, wovon alleine ca. 250 in der Zeit von September 1949 bis Januar 1950 gegründet wurden.

Beginn in Kassel im Jahre 1947

In Kassel begann die Geschichte des VdK am 7. Januar 1947, als der "Verband der Arbeitsinvaliden und Witwen in Hessen" gegründet wurde. Die Umbenennung entsprechend dem Frankfurter Vorbild er�folgte dann recht schnell, und am 29. März 1947 fand die Gründungsversammlung des VdK Kassel im Speiseraum der Firma Gebr. Crede statt. Die erste Geschäftsstelle wurde im Versorgungsamt Kassel, Bürgermeister-Brunner-Straße, eingerichtet.

Bald wurde klar, dass eine funktionierende Organisation auch in den Stadtteilen vertreten sein musste, und auch in Kassel entstanden die ersten Ortsgruppen. Die Ortsgruppe Bettenhausen-Waldau war nicht die erste, vor ihr entstanden Harleshausen und Wehlheiden, bereits im Februar/März 1947 unmittelbar im Anschluss an die Versammlung in der Firma Credé. Heute wird die Stadt Kassel flächendeckend von insgesamt 16 Ortsgruppen betreut, die ihre organisatorische Unterstützung durch die Kreisgeschäftsstelle in der Wolfsschlucht 6A erhalten. Gründung der Ortsgruppe Bettenhausen-Waldau

Für die Ortsgruppe Bettenhausen-Waldau war die Römerhalle am Leipziger Platz, in der im Mai 1947 die Gründungsversammlung stattfand, der Geburtsort. Der provisorische erste Vorstand bestand aus Lorenz Strecker (Vorsitzender), Ewald Müller (Stellvertreter), H. Vaupel (Kassenführer) und Fritz Thiele (Schriftführer). In den folgenden Jahren wuchs die Ortsgruppe durch spontane Beitritte sehr schnell, zeitweise zählte sie über 700 Mitglieder. Ihre Hauptaufgaben sah sie darin, an der Gesetzgebung für die Kriegsopfer von der Basis aus mitzuarbeiten und in Gemeinschaftsveranstaltungen alle diejenigen zusammenzuführen, denen der Krieg Wunden geschlagen hatte. Geselligkeit wurde (und wird noch heute) groß geschrieben beim VdK. Bunte Abende, Theaterveranstaltungen, Bus� und Dam�pferfahrten fanden großen Zuspruch. Nachdem zunächst das "Theater des Ostens" in Bettenhausen mit seinem großen Saal genutzt wurde, belegt die VdK-Ortsgruppe heute auch Räume im Haus Forstbachweg. Seniorennachmittage, Busfahrten, Informationsveranstaltungen zu aktuellen sozialpolitischen Themen und vieles mehr sind nur einige Schwerpunkte der Arbeit der Ortsgruppe.

Maßgeblich geprägt wurde sie in den vergangenen 30 Jahren durch den 1. Vorsitzenden Johannes Kunz, der die Ortsgruppe von 1961 bis 1963 und dann wieder von 1967 bis zum Februar diesen Jahres leitete. Er, der selbst an einer Kriegsverletzung zu leiden hat, setzte sich immer für Behinderte und sozial Benachteiligte ein. Von 1949 war er Mitglied im VdK und prägte die Ortsgruppe durch seine menschliche Art. Für sein über 40-jähriges soziales Engagement erhielt er am 3. November 1992 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Am 13. Februar 1997 übergab er den Vorsitz der Ortsgruppe an Otto Zellmer, um sich ganz seiner Familie widmen zu können. Ob auf Bundes-, auf Landes- oder auf Stadtteilebene, in Fragen sozialer Gerechtigkeit ist der VdK als Ansprechpartner heute nicht mehr wegzudenken. Das soziale Klima in Deutschland ist rauer geworden, Massenarbeitslosigkeit, sinkende Reallöhne, eine hohe und ungerechte Steuerbelastung, leere öffentliche Kassen und explodierende Sozialausgaben kennzeichnen die Lage. Auch 50 Jahre nach seiner Gründung ist der Sozialverband VdK unvermindert gefragt.