Uslar

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Uslar
Uslar-Rathaus-1.jpg
Historisches Rathaus
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Northeim
Höhe: 178 m ü. NN
Einwohner: 14.543 (31.12.2011)
Postleitzahlen: 37170
Telefonvorwahl: 05571 u. a.
Kfz-Kennzeichen: NOM
Adresse der
Stadtverwaltung:
Graftstr. 7
Offizielle Website: www.uslar.de

Die Stadt Uslar liegt im Landkreis Northeim in Südniedersachsen.

Die Einwohnerzahl beläuft sich auf derzeit etwa 15.000 (Stand: 31. Dezember 2015) einschließlich der Ortsteile der Stadt.[1]

Geografie

Lage

Uslar wird auch als das "Tor zum Solling" bezeichnet und ist von einem geschlossenen Waldgebiet im Naturpark Solling-Vogler, mitten im Weserbergland umgeben.

Im Südosten liegt der Bramwald, im Südwesten der Reinhardswald.

Ortsteile und Einwohner

Die Stadt Uslar besteht aus 19 Ortsteilen: (Einwohnerzahlen in Klammern, Stand 30.06.2007, Quelle: Stadt Uslar)

Geschichte

Aus der Stadtgeschichte

Die Stadt und ihre Umgebung blicken auf eine lange Siedlungsgeschichte bis zur Jungsteinzeit zurück.

Erstmals wurde Uslar in einer Urkunde um 1006/ 1007 als „Huslere“ in den „Traditiones Corbeiens“ (einer Art Grundbuch im Bereich des Klosters Corvey) erwähnt. Im Jahre 2006 wurde daher das 1000-jährige Jubiläum gefeiert. Der Ort bestand aber schon im ersten Jahrtausend vor Christus.

Stadtrechte erhielt Uslar im Jahre 1263 von Herzog Albrecht I. von Braunschweig.

Das historische Rathaus wurde nach einem Brand ab dem Jahre 1476 wieder errichtet (der Westteil stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts). Das Fachwerkgebäude erhielt ein kupfernes Turmuhrdach, neben dem Haupteingang wurde ein in Stein gehauener Löwe auf einem Steinsockel platziert. Die letzte Sanierung wurde im Jahre 2006 abgeschlossen.

Aus dem 15. Jahrhundert stammt auch die ursprünglich romanische Johannis-Kirche mit handgeschnitzem Flügelaltar. Die Kirche wurde dem Heiligen Johannes der Täufer geweiht und ist seit der Reformation ein evangelisches Gotteshaus.

Nach der Reformation versuchte Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg im 16. Jahrhundert die Gegenreformation in seinem Lande durchzusetzen, scheiterte damit aber am Widerstand der Städte. Der erste protestantische Pfarrer Uslars, Jost Bauernfeindt, der den Zorn des Herzogs erregt hatte, musste aus der Stadt fliehen. Im Jahre 1555 musste Herzog Erich II. dann die lutherische Lehre in seinem Land bestätigen.

Das in seinem Auftrag in Uslar errichtete Schloss "Freudenthal" brannte nach einem Blitzeinschlag 1612 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Vorhanden sind heute Mauern des Sockelgeschosses im südwestlich der Altstadt gelegenen Schlosspark.

Unter dem Dreißigjährigen Krieg hat auch die Bevölkerung der Stadt Uslar stark gelitten, was sich aus folgendem Bericht erkennen lässt:


Um Michaelis raubten die Kaiserlichen Uslar aus und brannten die Stadt teilweise nieder. Im November 1625 bezogen sie trotzdem in der Kleinstadt Winterquartier.

In den folgenden Monaten suchten die Söldner in katholischen Diensten die Dörfer des südlichen Sollings heim. „Anno 1626 ist dies Hauß durch die Kayerlichen Völcker gantz abgebrannt mit dem Vorwercke, Mühlen, Schäffery und Kruge“, notierte Henning Hillefeld, der Sohn des Amtmanns von Nienover.

Ostern 1626 ließ sich Christian von Braunchweig wieder von den welfischen Dörfern Südniedersachsens aushalten. Ihm folgten dänische Verbände und später wieder kaiserliche Truppen.

Am 27. November 1626 schreibt der Uslarer Magistrat an das herzögliche Konsistorium in Wolfenbüttel, dass die Winterfrucht erfroren sei und die Sommerfrucht „wegen täglichen streifens, plündern und raubens gar nicht bestellet werden können“.

Am 9. Mai 1628 berichten Bürgermeister und Rat, dass vor dem Kriegsunglück 300 Bürger in der Stadt gewohnt hätten, danach nur noch 50. Das Vieh sei ihnen geraubt und den täglichen Unterhalt müssten sich die Uslarer aus „fremden Ländern“ beschaffen. „Die Stadt ist abgebrannt und die eingepfarrten Dörfer von Grund auf ruiniert und durch Pestilenz, Schwert, Hunger, Kummer, Angst und Not gänzlich heruntergekommen“ klagt Uslars Superintendent Specht ein paar Tage später.

Zitat aus einem Aufsatz von Dr. Wolfgang Schäfer


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Uslar einige Jahre zum Königreich Westphalen, das nach dem Frieden von Tilsit im Jahre 1807 mit König Jérôme, dem jüngsten Bruder von Napoléon Bonaparte, an der Spitze errichtet worden war. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Königreich Westfalen aufgelöst und durch den Wiener Kongress 1814/ 1815 die alten Regierungsstrukturen weitestgehend wiederhergestellt. Auch das von Napoleon aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (auch Kurhannover genannt) wurde als Königreich Hannover neu errichtet.

Im Jahre 1866, im sog. Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich, verlor das Königreich Hannover seine Unabhängigkeit und auch Uslar wurde preußisch. Nach dem Sieg der preußischen über die hannoveraner Truppen im Jahre 1866 wurde das ehemalige Königreich Hannover zur preußischen Provinz Hannover.

Uslar gehörte ab dem Jahre 1885 zum damals neu gegründeten Kreis Uslar, der im Zuge der Gebietsreform in der Provinz Hannover durch die Zusammenlegung der Ämter Uslar, Nienover, Lauenförde und Adelebsen entstand, bevor er 1932 in den Kreis Northeim eingegliedert wurde. An der Stelle, wo einst das Schloss in Uslar gestanden hatte, wurde später das fürstliche Amtshaus errichtet, in dem dann 1885 das Landratsamt des Kreises Uslar untergebracht wurde, der vom 1. April 1885 bis zum 1. Oktober 1932 bestand.

siehe auch:

Die Handwerkerkultur im Uslarer Land

Im 19. Jahrhundert prägten Handwerker und Kaufleute das wirtschaftliche, soziale und politische Leben in Uslar. Die meisten Handwerksmeister besaßen eigene Häuser in der Innenstadt. Sie beschäftigten mehrere Lehrjungen und oft auch Gesellen, die als „Kostgänger“ mit im Hause wohnten.

Für ihren bescheidenen Wohlstand mussten die Meister hart arbeiten. Wie seine Lehrjungen und Gesellen stand August Schefft Tag für Tag neun bis zehn Stunden an den Kesseln und Küpen. Nur der Sonntag war arbeitsfrei. Für den obligatorischen Besuch des Gottesdienstes besaßen Bürgerfamilien wie die Scheffts besondere Plätze in der Johannis-Kirche, die mit ihrem Namen gekennzeichnet waren und für die sie eine jährliche „Stuhlmiete“ entrichten mussten.

Die Meister verfügten über einen guten sozialen Zusammenhalt und unterstützten sich manchmal gegenseitig bei finanziellen Engpässen. Sie trafen sich abends zum gemeinsamen Singen und Turnen oder am Stammtisch in der Kneipe. Während seines vierjährigen Aufenthalts in Eschwege war August Schefft Mitglied des Turnvereins. Von der Idee des Turnens begeistert, gründete er 1863 nach seiner Rückkehr den "Uslarer Männer-Turnverein".

Bis ins 20. Jahrhundert hinein betrieben fast alle Uslarer Handwerkerfamilien eine Landwirtschaft und stellten ihre Grundnahrungsmittel selbst her. Dieser Nebenberuf gab ihnen eine gewisse soziale Sicherheit und war insofern notwendig, als sich viele Kunden Monate Zeit ließen, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Familie Schefft bewirtschafteten immerhin bis zu 16 Morgen und hielt Kühe und Schweine.

Die meisten Handwerker gingen früher nach der Lehre für einige Jahre auf die Wanderschaft. So lernten sie Deutschland und manchmal auch Nachbarländer kennen und brachten neben beruflichen Kenntnissen auch neue Ideen mit in die abgelegene Randregion Uslar-Solling.

Die Tischlermeister Carl Hugo und August Eicke sowie Drechslermeister Georg Ilse bauten um 1900 ihre Werkstätten zu kleinen Fabriken aus. Schneidermeister Rüggeberg und Pfeifenmacher Meseke bewährten sich als verantwortungsbewusste Bürgermeister.

Aus der Färberei Schefft entwickelte sich im 20. Jahrhundert ein Textilhaus mit überregionaler Bedeutung, das vom 1. bis 11. November 2006 sein 175-jähriges Bestehen feierte.

Dr. Wolfgang Schäfer

Holzkohlenmeiler im Solling

Unser Bild zeigt einen Meiler des Solling-Heimatvereins bei Delliehausen.

Viele Menschen im Solling lebten einst von der Köhlerei. Erst im 20. Jahrhundert verlor das Gewerbe an Bedeutung und starb aus.

Wie in allen Waldgebieten spielte der Rohstoff Holz auch in der Wirtschaftsgeschichte des Sollings eine zentrale Rolle. Landwirtschaft und Handwerk konnten nicht alle Menschen ernähren, so dass viele einer Beschäftigung in den Sollingwäldern nachgingen. Das 17. und 18.Jahrhundert brachte dem heimischen Köhlerhandwerk die höchste Blüte. Die ehemaligen Hochofenbetriebe in Uslar, Dassel und Holzminden nutzten die Sollingkohlen ebenso wie die Salzsalinen in Sülbeck und Salzderhelden und die Eisen- und Silberhütten des Westharzes.

Der Glanz dieser Epoche, in der das Köhlerrecht sogar landesfürstlich verbrieft war, verblasste im Laufe der Jahre aber zunehmend. Im ersten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts, machten steigende Holzpreise den Köhlern schwer zu schaffen. Die Preise der handwerklich produzierten Holzkohle stiegen mit dem teurer werdenden Rohstoff, so dass der Absatz stark zurückging. Neuen Schwung erlebte die Köhlerei im Ersten Weltkrieg. Den gestiegenen Stellenwert verdeutlicht, dass Köhler aus Delliehausen und Hilwartshausen Fronturlaub erhielten, um in den heimischen Wäldern Holzkohle für ihre Einheiten zu brennen.

Generationen von Köhlermeistern gaben ihr Wissen an Söhne und Enkel weiter. Allein zwischen Hilwartshausen und Delliehausen bestritten mehr als 100 Familien ihren Lebensunterhalt mit dem Köhlerhandwerk. Doch mit dem Krieg endete in weiten Teilen des Sollings auch die Köhlerei. Selbst in einstigen Hochburgen wie Hilwartshausen und Sievershausen dampften nur noch wenige Meiler. Vielerorts hatte man das alte Gewerbe eingestellt, da der höhere Heizwert von Braun- und Steinkohle erkannt und durch den stetigen Ausbau des Eisenbahnnetzes von den Unternehmen immer besser genutzt werden konnte.

Nur dem 600 Einwohner Dorf Delliehausen, einem Ortsteil der Stadt Uslar, blieb es bis in die jüngste Gegenwart vorbehalten, das traditionelle Gewerbe aufrechtzuerhalten. Bis Ende der 1930-er Jahre waren in Delliehausen noch vier selbstständige Unternehmer tätig.

HNA-Serie über die 1950er Jahre

Gewässer

Gewässer im Raum von Uslar sind u. a. die Schwülme, die Ahle (ein Zufluss der Schwülme), der Martinsbach, der Katzbach, der Mühlen- und Hüttengraben sowie der Rehbach.

Jagdschloss Freudenthal

Wie die meisten seiner Zeitgenossen aus dem Hochadel liebte auch Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg die Jagd. Von Uslar aus konnte er nicht nur auf die Pirsch gehen, sondern auch nach Herzenslust fischen. Die kleine Sollingstadt wurde deshalb Standort des herzöglichen Lust- und Jagdschlosses „Freudenthal“.

Die Uslarer konnten sich für dieses fürstliche Großprojekt kaum begeistern, waren sie doch ihrem Landesherrn zu unentgeltlichen Hand- und Spanndiensten verpflichtet. Diese umfangreichen Arbeitsleistungen verminderten für Jahre ihr Einkommen und schwächten die Wirtschaft vor Ort.

Außerdem ließ Erich am heutigen Uslarer Graftplatz etliche Häuser abreißen, um einen möglichst großen Schlossplatz zu bekommen. Den Betroffenen wurde „gnädigst gestattet, auf einem ihnen angewiesenen Platz außerhalb der Stadtmauern, vor dem Obertor, ihre Häuser wieder aufzubauen“. Die Stadt Uslar musste auf eigene Kosten diese „Neustadt“ für die Umsiedler und Bauhandwerker anlegen.

Mit dem aufwändigen Schlossbau am Westrand Uslars begannen Erichs Handwerker 1559 und vollendeten ihn wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der 1560er Jahre. Bereits ein halbes Jahrhundert später, im Jahre 1612, zerstörte eine Brandkatastrophe das Gebäude.

Schloss Freudenthal gehörte zu den größten Schlossbauten des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Zusammen mit den welfischen Schlössern in Münden und Neustadt am Rübenberge zählte dieser Prachtbau zu den bedeutendsten Schlossanlagen Nordwestdeutschlands. Seine nur mühsam und teilweise durch militärische Raubzüge finanzierten Prunkbauten begründeten Erichs Ruf als avantgardistischer Bauherr der Weserrenaissance. Freudenthal war eine fast quadratische Vierflügelanlage mit einer Seitenlänge von 95 mal 85 Meter. Die äußeren Ecken der Flügel wurden durch vorspringende Türme besonders hervorgehoben. Nach dem Merian-Stich aus dem 17. Jahrhundert, der bereits nach dem Großbrand aufgenommen wurde, besaß das Uslarer Schloss mindestens drei Stockwerke.

Als fürstliche Residenz oder Jagdschloss wurde Freudenthal nie genutzt. Den Uslarern war Herzog Erich ohnehin gram, da sie sich weigerten, den Namen des Schlosses auf ihre Stadt zu übertragen.

Dr. Wolfgang Schäfer

Kirchen

Literatur

Medien

Museen

Peker

Als kulinarische Versuchung für Kartoffel-Liebhaber gilt das „Pekeressen“: Kartoffeln werden ungeschält im Backofen gegart und mit frischem Pekermett, Quark, Zwiebeln, Butter und Gewürzgurken serviert.

Persönlichkeiten

Statue "Redner Bode" vor der HNA-Geschäftsstelle in der Uslarer Fussgängerzone
  • Georg Ludwig Friedrich Laves, geboren am 15. Dezember 1788 in Uslar, gestorben am 30. April 1864 in Hannover, war ein bedeutender Architekt des Klassizismus und arbeitete seit 1814 in Hannover (u. a. am Umbau des Leineschlosses). In Uslar war er für die Neugestaltung der St. Johannis-Kirche verantwortlich.
  • „Redner Bode“, ein wandelndes Mitteilungsorgan im alten Uslar. Sein Denkmal steht vor dem Gebäude der Kreissparkasse in der Fußgängerzone von Uslar.

Politik

Bürgermeisterin

Bürgermeisterin von Uslar war Martina Daske. Am 1. Februar 2007 trat Daske das Amt als erste hauptamtliche Bürgermeisterin von Uslar an. Ihre Amtszeit dauerte bis Anfang 2012[2]

Rathaus

Das sanierte historische Fachwerk-Rathaus ist das Wahrzeichen der Stadt Uslar. Mit seiner Errichtung wurde im Jahre 1476 nach einem Stadtbrand begonnen. Der Westteil stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Das Gebäude erhielt ein kupfernes Turmuhrdach. Neben dem Haupteingang wurde ein in Stein gehauener Löwe auf einem Steinsockel platziert.

Sehenswürdigkeiten

  • Uslarer Altstadt mit Fußgängerzone und historischem Fachwerk-Rathaus sowie zahlreichen Fachwerkhäusern, darunter das älteste Bürgerhaus von 1555, das heutige Hotel Menzhausen;
  • die evangelische St. Johanniskirche, ursprünglich eine romanische Kirche, die im Jahre 1428 einen gotischen hohen Chor erhielt und um das Jahr 1500 mit einem handgeschnitzen, dreiteiligen Flügelaltar ausgestattet wurde; Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Umgestaltung nach den Plänen von Georg Ludwig Friedrich Laves.
  • Aussichtstürme:
    Sollingturm auf dem 444 m hohen Strutberg bei Sohlingen
    Harzblick auf dem 493 m hohen Großen Steinberg bei Vahle.

siehe auch

Uslar - historisches Rathaus mit modernem Anbau

Vereine

Wandern

Ein attraktives Wanderziel ist das nahe gelegene Malliehagental, mit der Ruine einer Kirche, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde und dem heute verschwundenen Dorf.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Einwohnerdaten von Uslar veröffentlicht auf der Website der Stadt Uslar.
  2. Martina Daske wirft das Handtuch HNA-Artikel über den Rücktritt der ersten hauptamtlichen Bürgermeisterin von Uslar.


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