Unterneustadt

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Unterneustadt und Karl Branner Brücke

Der Stadtteil am rechten Fuldaufer entstand ab dem Ende des 13. Jahrhunderts als „Neustadt“. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts und der Gründung der Oberneustadt wurde er „Unterneustadt“ genannt.

Geografie

Bevölkerung

(Stand: 31. Dezember)

  • 2005: 3576 Einwohner
  • 2010: 3888 Einwohner (Ausländeranteil: 650 Einwohner = 16,7 Prozent)

Lage

Nach erheblichen Zerstörungen während des 2. Weltkriegs - besonders bei einem Bombenangriff im Jahre 1943 - und dem teilweisen Wiederaufbau nach dem Krieg entsteht seit dem Ende der 1990er-Jahre wieder ein modernes Wohnquartier in unmittelbarer Nähe zur Fulda und zur Kasseler Innenstadt. Dass man hier gerne zusammenkommt, belegen auch die vielen Vereine im Stadtteil.

Geschichte

Am rechten Ufer der Fulda entstand die Kasseler "Neustadt" zum Ende des 13. Jahrhunderts. In einer Urkunde wurde am 17. Mai 1283 erstmals die schon einige Jahre zuvor gegründete Stadtsiedlung „nova civitas Casle“ erwähnt.

Aus dem Stadtplan von 1803

Mit Gründung der Unterneustadt bekam der Kasseler Forst eine größere Bedeutung für Kassel. Das Gelände war mit Bäumen, größtenteils mit Eichen bewachsen und wurde zur Hute und zur Jagd genutzt. Aus Sicherheits- und Siedlungsgründen wurde im Laufe der Jahre der Baumbestand abgeholzt. So konnte man einen herannahenden Feind, der Kassel von der Ostseite angreifen wollte, rechtzeitig erkennen.

Im Jahr 1358 wurde unter Landgraf Heinrich II. die "Neustadt" (ab dem 17. Jahrhundert: Unterneustadt) mit der Altstadt durch eine Brücke verbunden, die durch einen Brückenzoll finanziert wurde.

Der heutige Holzmarkt ist der verschwundene Marktplatz der alten Unterneustadt, die nach einem festen Plan als landgräfliche Gründung mit Rat und Siegel und als erste Erweiterung des ältesten Kassels entstand, im Zentrum mit der Pfarrkirche Maria-Magdalena. Um den Kirchhof gruppierten sich an zwei Seiten Privathäuser, West- und Nordseite waren von einer Mauer mit einem Tor gegenüber dem damals eigenen Unterneustädter Rathaus umgeben. Hier blühten Handel und Handwerk.

Die im Laufe der Zeit marode Brücke vom Holzmarkt zum Altmarkt wurde am 13. Dezember 1794 durch eine neue Brücke über die Fulda ersetzt. Um den Zugang zu dieser Wilhelmsbrücke zu schaffen, mussten auf beiden Ufern Häuser weichen. Damals galt es, die Front des Platzes nach Osten zu durchbrechen, um so eine Verbindung zum heutigen Unterneustädter Kirchplatz und eine glatte Zufahrt zum Leipziger Tor zu schaffen.

Idyll am Fluss: Die Drahtbrücke, so, wie wir sie heute kennen, ist erst die dritte Konstruktion seit der ersten Inbetriebnahme im Jahr 1870, Archivfoto: HNA (Koch)

Auf der Altmarktseite waren ausschließlich Privathäuser betroffen. Am Holzmarkt fiel 1795 nach dem Rathaus auch die Magdalenenkirche der neuen Zeit zum Opfer. Jene Kirche also, vor deren Altar einst die gemeinsame Kerze der Fuldafischer brannte.

Am 1. November 1870 wurde die Drahtbrücke, deren Drahtsystem an zwei Pylonen aufgehängt war, dem Fußgängerverkehr übergeben. Die Brückenkonstruktion wurde vom Ingenieur Eduard Rohde entworfen und von Henschel gebaut. Weil sie vorerst in Privatbesitz war, musste bis zum 31. März 1896 jeder bezahlen, der darauf die Fulda überqueren wollte: Fußgänger 3 Pfennig und Reiter 3 Silbergroschen.

Der schmale Brückensteg wurde 1912 verbreitert und 1930 abermals erneuert. Nach zum Teil erheblichen Beschädigungen während des Zweiten Weltkriegs wurden nach Kriegsende sofort neue Seile gespannt und die Gehwegkonstruktion wiederhergstellt.

Zwischen den 1950ern und 1997, als es in einem kleinen Teil der Unterneustadt einen Messeplatz gab, wurde die Drahtbrücke alljährlich im Juli und August von den vielen Besuchern des Kasseler Zissels überquert, die vom Messeplatz zum Veranstaltungsgelände am Auedamm oder umgekehrt liefen.

Insbesondere seit dem Entfernen des nachfolgend erwähnten Zusatzpfeilers schwankten die Brückensegmente unter der Last der Menschen zumeist stark, was die Stabilität der Brücke nicht beeinträchtigte.

Nachdem die Drahtbrücke mehrfach - zum Beispiel durch Hochwasser - beschädigt wurde, musste sie häufig ausgebessert und 1955 durch einen Zusatzpfeiler in der Flussmitte verstärkt werden.

1997 wurde sie saniert, wobei neben anderen aufwendigen Arbeiten die Pylone restauriert und die Gehwegsegmente mit Betonfertigteilen versehen wurden.

Kirche

Die Unterneustädter Kirche

Im Jahre 1952 wurde mit dem Bau der heutigen Unterneustädter Kirche in der Hafenstraße nach Plänen von Architekt Werner Hasper begonnen. Am alten Standort am Unterneustädter Kirchplatz war aufgrund der neuen Straßenführung kein Wiederaufbau möglich.

Es entstand ein Gemeindezentrum mit mehreren Räumen und einem Kirchsaal mit 200 Sitzplätzen. Im Inneren befindet sich eine Orgel der Firma Hammer mit 257 Pfeifen sowie ein Glasfenster von Hans-Gottfried von Stockhausen, mit dem Titel: "Das Lamm im himmlischen Jerusalem und die klugen und die törichten Jungfrauen."

Die heutige Kirche wurde mit den Steinen der zweiten Kirche erbaut. An der Nordseite der Kirche befinden sich einige Grabsteine vom ehemaligen Friedhof am Pulvermühlenweg.

Im Dachreiter hängt die Glocke der Siechenhofkapelle, die Landgraf Moritz im Jahr 1613 stiftete. Somit schlägt auch diese vierte Kirche in der Unterneustadt eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft.

Rekonstruktion und neues Stadtquartier

Untergegangene Unterneustadt gibt Zeugnis von erster mittelalterlicher Stadterweiterung

„Im Paddelboot / In der Hand das Brot, von der Fulda geschaukelt / Hab’ ich aufs Wasser geschaut, lang und immer wieder / Ganz verschlammt war das Boot / Nach der Sprengung der Talsperre, dem Hochwasser / Und wurde mit viel Mühe wieder hergerichtet / Verbrannt ist es in der Bombennacht.”

In jener Nacht des 23. Oktobers 1943 wurde die Kasseler Unterneustadt fast völlig zerstört. Zeilen wie die von Elfriede Hast erinnern daran. Sie sind Teil eines Kunstprojekts, das in der wieder gegründeten Unterneustadt die Erinnerung an das alte Kassel wachhält.

Es gibt nicht mehr viel, was auf die alte Stadt verweist. Was die Bomben nicht dem Erdboden gleichmachten, wurde beim Wiederaufbau zerstört. Das untergegangene Herzstück der Unterneustadt, Kern der ersten mittelalterlichen Stadterweiterung, ließ man frei. Der Messeplatz an der Leipziger Straße war geboren. Eine Brache, die bis zu ihrer Bebauung ab Mitte der 1990er-Jahre vor allem als Kirmes- und Parkplatz diente.

Mehr als 60 Jahre nach der verhängnisvollen Bombennacht ist auf dem Grundriss der untergegangenen Unterneustadt ein neues Stadtquartier entstanden. Mit Gassen und Straßenzügen wie einst. Die kritische Rekonstruktion der Unterneustadt, ein in der Fachwelt viel beachtetes Projekt, knüpft an einen bedeutenden Teil des alten Kassel an.

Die historischen Überreste aber verbleiben für immer im Boden. Sie geben Zeugnis von der ersten mittelalterlichen Stadterweiterung und deren Entwicklung bis hin zur Zerstörung im Oktober 1943.

Die Denkmalpflege wandte sich Mitte der 1990er-Jahre gegen aufkeimende Hoffnungen, Fundamente und Erdgeschossreste der historischen Unterneustadt ausgraben zu können. Sie sollten unangetastet für die Nachwelt erhalten bleiben. Deshalb wurden alle Bauprojekte in der wieder gegründeten Unterneustadt mit der Denkmalpflege abgesprochen. Die neuen Häuser entstanden auf alten Grundrissen. Bei einem Bauvorhaben am Fuldaufer kam es wegen der vorgesehenen Pfahlgründung zum Streit zwischen Bauherr und Denkmalpflege, die um das Bodendenkmal an dieser Stelle fürchtete, und zu einem juristischen Nachspiel.

siehe auch

Karl-Branner Brücke

Tradition

  • Mit dem Zissel, der an der Fulda gefeiert wird, ist das größte Volks- und Wasserfest in der Region in der Unterneustadt zu Hause.

Vereine und Parteien

Parteien

Vereine

Weblinks

  • www.peg-kassel.de - Ausführliche Dokumentation über die Wiedergründung der Unterneustadt mit Plänen, Fotos und Luftbildern


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