Ungedanken

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Ungedanken
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Stadt: Fritzlar
Einwohner: ca. 980
Vorwahl: 05622
Kfz-Kennzeichen: HR
Stadtverwaltung: Zwischen den Krämen 7
34560 Fritzlar
Website: www.ungedanken.de
Bürgermeister: Hartmut Spogat (CDU)
Ortsvorsteherin: Heidi Puchinger

Ungedanken am Fuße des Bürabergs ist ein Stadtteil der nordhessischen Stadt Fritzlar im Schwalm-Eder-Kreis mit rund 980 Einwohnern.

Gemarkung und Lage

Ungedanken liegt auf einem Geländesporn zwischen Osterbach und Ruppenbach. Im Norden fällt die Siedlung zur vorbeifließenden Eder ab. Ebenfalls im Norden des Dorfes führen die Bundesstraße 253 von Bad Wildungen nach Fritzlar bzw. Homberg vorbei und die 1884 erbaute Bahnstrecke von Wabern nach Bad Wildungen, an der es in Ungedanken einen Haltepunkt gibt. Nach Süden führt eine Kreisstraße in den Nachbarort Rothhelmshausen.

Im Osten des Dorfes liegt der Büraberg, der bereits im frühen Mittelalter besiedelt gewesen ist. Später wird dort die fränkische Grenzfeste Büraburg errichtet, die nach der Fällung der Donareiche durch Bonifatius Sitz des Bistums Büraberg wird.

Die Gemarkung Ungedanken hat eine Fläche von ca. 439 Hektar.

Geschichte

Ungedanken wird erstmals im Jahr 1209 im Güterverzeichnis des Stiftes Fritzlar als "Ungethangen" urkundlich erwähnt. Zunächst ist Ungedanken im 13. Jahrhundert unter anderem im Besitz der von Löwenstein.

1308 erwirbt der Kantor Herman von Grune ein Viertel des Dorfes und schenkt es an das Stift Fritzlar. Die Schenkung wird im Jahr 1309 von Werner von Löwenstein-Schweinsberg bestätigt. Im Jahr 1324 verkaufen die von Löwenstein ihre sämtlichen Erträge, Güter und Gefälle zu Ungedanken an das Stift Fritzlar. Damit gehört Ungedanken zum mainzischen Amt Fritzlar. 1392 erwirbt die Fritzlarer Kirche die Hälfte des Dorfes von Ritter Widekind von Wichdorf, genannt Wackermaul. Ebenfalls 1392 wird erstmals ein Dorfgrebe erwähnt.

In Ungedanken wird 1498 eine Gerichtsstätte vor dem Grebenhaus erwähnt.

Kirche St. Bonifatius in Ungedanken

1520 verpfändet das Stift Fritzlar Ungedanken an Graf Philipp von Waldeck. Im gleichen Jahr bezeichnet Landgraf Philipp I. Ungedanken als in seinem Fürstentum gelegen. Die Pfandschaft über Ungedanken geht 1537 auf den Fritzlarer Kanoniker Burchard von Hanstein über. 1547 fällt das Dorf, nach Aufhebung der Pfandschaft, wieder in den Besitz des Fritzlarer Stifts.

Im Königreich Westphalen bilden die Franzosen von 1807 bis 1813 das Kanton Wabern, das zum Distrikt Cassel zählt. Hierzu gehört auch Ungedanken. Nach der Wiedererrichtung des Kurfürstentums werden 1814 die bisherigen Ämter neu eingerichtet und Ungedanken dem Amt Fritzlar zugeordnet. 1821 wird im Rahmen der Kurhessischen Verwaltungsreform in Fritzlar ein Justizamt eingerichtet, zu dem auch Ungedanken gehört. Außerdem ist das Dorf seitdem Teil des neuen Kreises Fritzlar. 1834 hat das Dorf 300 Einwohner. Ab 1867 gehört Ungedanken zum Amtsgericht Fritzlar. Im Jahr 1885 leben in Ungedanken 347 Menschen.

1932 wird aus den Kreisen Fritzlar und Homberg, der Kreis Fritzlar-Homberg, zu dem nun auch Ungedanken gehört. Im Jahr 1939 hat Ungedanken 403 Einwohner.

1961 haben in Ungedanken 592 Menschen ihren Wohnsitz.

Im Zuge der hessischen Gebietsreform wird die ehemals selbständige Gemeinde Ungedanken am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Fritzlar. Ab dem 1. Januar 1974 gehört die Stadt Fritzlar und mit ihr Ungedanken zum neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis.

2009 kann Ungedanken den 800. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung feiern.

Namensgebung

„Ungethangen“ hatte sich über die Jahrhunderte in der Schreibweise nur geringfügig verändert. Schon im Jahr 1291 tauchte „Ungedanken“ in einem Schriftstück auf (andere Schreibweisen waren unter anderem auch Ungedankin und Ungedancken). Gesicherte Quellen über die Herkunft des Ortsnamens gibt es bislang nicht. Der Name "Ungedanken" ist möglicherweise aus dem keltischen Wort "Una-wanga" entstanden, was soviel wie "unten am Wasser bedeutet". Möglich ist aber auch, dass das Wort „Underndunk“ oder „Underndank“ eine Wurzel für den Namen ist, wobei dunc, donc und danc für einen Hügel stehen. Unner- oder Under könnte eine Ruhestatt für Weidevieh bezeichnet haben. Seine Namen hätte der Fritzlarer Stadtteil dann von Hügeln oder Berghängen, auf denen Vieh weidete.[1]

Kirchen

Kirche auf dem Büraberg

Sehenwürdigkeiten

Zu den Sehenswürdigkeiten des Orts gehört die "Wallfahrtskapelle St. Brigida" auf dem Büraberg, ein zum Edertal hin steil abfallender Ausläufer des Kellerwalds.

Auf dem Büraberg wurde 1882 ein Kreuzweg mit 14 Stationen eingeweiht. Dieser wurde im Dritten Reich durch Angehörige der Hitlerjugend schwer beschädigt. Im Jahr 1953 konnte der Kreuzweg restauriert und neu eingeweiht werden, hierzu war eigens ein Verein gegründet worden. Von Ungedanken erreicht man die Kapelle über einen gut ausgebauten Feldweg (in etwa 1,8 km Entfernung vom Ortseingang).

- siehe hierzu auch die Internetseite des Fördervereins Kapelle St. Brigida in Ungedanken e.V. -

Wandern und Radwandern

Wandertipp

Radweg

Wandern

Wussten Sie schon, dass ... ?

  • ... nach den jüngsten Forschungen die Büraburg oberhalb Ungedanken zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert wohl der Vorläufer der Pfalz in Fritzlar war?“
    Dr. Johann-Henrich Schotten, Fritzlar
  • ...aus einem Visitationsbericht zweier Jesuitenpatres aus dem Jahre 1684 hervor geht, dass der übermäßige Genuss von Bier, dem die Gläubigen Ungedankens erlegen waren, nicht selten zu Streitigkeiten mit der Katholischen Kirche führte? Die Gläubigen hatten die Gewohnheit, an den kirchlichen Hochfesten und zu Prozessionen, auch zwischendurch, auf dem Büraberg größere Mengen Bier zu brauen. Der benötigte Hopfen wurde auf dem anliegenden Hopfenberg angebaut.
    Klaus Leise, Geschichtsverein Fritzlar
  • ..., der Maler Ludwig Emil Grimm zwischen 1825 und 1826 in Fritzlar war. In dieser Zeit entstanden nachweislich drei Bilder der Stadt Fritzlar sowie die Radierung „Die alte Lore von Ungedanken“.
    Klaus Leise, Geschichtsverein Fritzlar

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Artikel aus der Melsunger Allgemeinen vom 28. Januar 2015: Gedanken zu Ungedanken


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