Ulrich Sonnemann

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Ulrich Sonnemann (* 3. Februar 1912 in Berlin; † 27. März 1993 in Obervorschütz bei Gudensberg südlich von Kassel) war ein deutscher jüdischstämmiger freier Schriftsteller und Philosoph.

Leben und Werk

Sonnemann studierte Philosophie, Literatur und Psychologie in Berlin, Freiburg im Breisgau und Frankfurt und schloss sein Studium 1934 mit einer Dissertation über den sozialen Gedanken bei H. G. Wells in Basel ab. Er emigrierte 1933 zunächst in die Schweiz. Dann führte seine Flucht vor dem Nationalsozialisten ihn über Wien und Paris nach Zürich. 1941 wurde er in Brüssel interniert und floh aus der Gefangenschaft in die USA . Er lehrte dort als Professor für deutsche Sprache und Literatur und wurde als Psychologe zur US-Armee einberufen. Danach arbeite er in klinischen und akademischen Stellungen in New York. Während dieser Zeit entstand 1950 ein in den USA viel beachtetes Buch zur Handschriftenanalyse. 1954 entstand sein Buch Existenz und Therapie.

1955 kehrte er zeitweilig nach Deutschland zurück um ab 1958 bis 1969 als freier Schriftsteller in München zu arbeiten. In seinen Arbeiten widmete er sich den politischen Auseinandersetzungen der 60er und 70er Jahre. Es entstanden kritische Publikationen zu den Verhältnissen und Zuständen in Deutschland. Das 1963 erschiene Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten wurde viel beachtet. Mit Büchern wie Die Einübung des Ungehorsams in Deutschland von 1964, Wie frei sind unsere Politiker? von 1968, Institutionalismus und studentische Opposition von 1968 griff er aktiv in die politische Diskussion ein. Seine Untersuchungen zu deutschen Schulbüchern die unter dem Titel Die Schulen der Sprachlosigkeit veröffentlicht wurde erschien 1970. Mit seiner Untersuchung zur Rechtsstaatlichkeit deutscher Justiz, die 1977 unter dem Titel Der misshandelte Rechtsstaat erschien, wurde er zum viel diskutierten politischen Schriftsteller. Mit zahlreichen Essays und Zeitungsartikeln griff er immer wieder ins politische Denken ein.

Sein philosophisches Hauptwerk, die 1969 erschienene Negative Anthropologie, zeigt seine Vorstellung als eigenständige Position innerhalb der Kritischen Theorie. Seine zentralen Themen waren für ihn Freiheit, Wahrheit, Spontaneität, das Ereignis und die Differenz von Geschichte und Totalität. Von 1971 bis 1974 war er Gastprofessor in Bremen.

Von 1969 bis 1974 war er Dozent an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Danach wurde er zum Professor für Sozialphilosophie an die Gesamthochschule Kassel berufen. 1982 hielt Ulrich Sonnemann Gastvorlesungen an der University of Missouri in St. Louis und machte im Anschluss seiner Vorlesungszeit eine längere ausgedehnte Amerika-Reise. Er lehrte bis zu seinen Tod an der Universität Kassel. Sonnemanns letztes Projekt waren Studien zu einer Transzendentalen Akustik. Er versuchte das bewegt-bewegende Ineinander von Zeitläufen und -epochen gegenüber den Formen einer verräumlichten Vorstellung von Zeit zur Geltung zu bringen.

Alterswohnsitz war der Lauterbacher Hof in Obervorschütz im hessischen Gudensberg, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Ulrich-Sonnemann-Gesellschaft

Die Ulrich-Sonnemann-Gesellschaft e.V. hat ihren Sitz in Kassel.