Tschernischeff

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Fürst Alexander Iwanowitsch Tschernischeff

andere Schreibweisen:

Tschernitscheff, Tschernyschew, Czernitscheff, Czernitschew bzw. Чернышев


Während des sechsten Koalitionskrieges General der Kavallerie des II. Korps der russischen Hauptarmee (Kosaken), der "Befreier" Kassels


Alexander Iwanowitsch Tschernischeff (* 10. Januar 1786 in Moskau, Russland; † 20. Juni 1857 in Castellammare, Italien), war der bekannteste Spross der älteren Linie eines russ. Grafen- und Fürstengeschlechts.


Tschernischeff nahm an der Schlacht bei Austerlitz sowie an dem Feldzug des Jahres 1807 teil, wo er insbesondere bei der Schlacht von Friedland am 14. Juni, obwohl sie von Russland verloren wurde, sehr wesentliche Dienste leistete. Er wurde zum Ritter des Preußischen Ordens Pour le Mérite ernannt.

Nach dem Frieden von Tilsit betraute der Zar seinen Freund und Adjudanten Tschernischeff mit einer "Mission" nach Paris, er sollte sich dort "umhören". In diplomatischer Mission, als Militär eines nun mit Frankreich befreundeten Staates ließ er sich in Paris nieder.

In den Schlachten bei Aspern und Wagram kämpfte Tschernischeff an der Seite Napoleons gegen Österreich.

Indem er ausschweifende Feste ausrichtete und dank seiner Galanterie, mit der er unter anderem Pauline Borghese und Caroline de la Motte Fouqué einwickelte, schaffte er sich Zugang zur Gesellschaft und zu den führenden Militärs. Durch Bestechung brachte er Informationen über den Operationsplan für Napoleons Angriff auf Rußland in Erfahrung. Napoleons Adjutant, General Savary schöpfte jedoch Verdacht.

Kurz vor einer Festnahme wurde Tschernischeff von einer Dame gewarnt und flüchtete über den Rhein, bevor Savarys Leute in festnehmen konnten.

Im Feldzug von 1812 führte er einen kühnen Zug im Rücken der französischen Armee aus, durch welchen er den General Wintzingerode aus der Gefangenschaft befreite.

Am 4. Februar 1813 vernichtete Tschernischeff eine 1500 Mann starke Abteilung Franzosen vom Davoûtschen Korps bei Landsberg an der Warthe.

Im selben Jahr zum Divisionsgeneral avanciert, bedrohte er im März den französischen General Augereau in Berlin.

Am 31. Mai 1813 nahm er bei Halberstadt General Ochs und das Westphälische Chorps gefangen, samt 14 Kanonen und 60 Munitionswagen.

Zusammen mit Woronzow und Lützow, griff Tschernischeff am 7. Juni 1813 den französischen Herzog von Padua und seine 6000 Mann Infanterie und 2000 Mann Kavallerie an. Nachdem ein Waffenstillstand zustande gekommen war wurde das Gefecht jedoch eingestellt.

Am 27. August 1813 schlug General Tschernischeff zwischen Belzig und Lübnitz mit General Hirschfeld den franz. General Girard, welcher mit einem Corps aus Magdeburg gekommen war. Tschernischeff nahm ihm 60 Offiziere, 1500 Mann und 1 Kanone, und Hirschfeld 80 Offiziere, über 2000 Mann, 7 Kanonen, mehrere Munitionswagen, und fast das ganze Gepäck ab.

Am 28. September 1813 nahm Tschernischeff die Kasseler Zitadelle ein, befreite die dort eingeschlossenen Staatsgefangenen, und belagerte die Stadt, in welcher sich 3.060 Infanteristen, 906 Berittenen, 336 Kanonieren und 34 Scharfschützen befanden. Der König von Westphalen floh. Im westphälischen Moniteur konnte man allerdings anschließend folgendes lesen:

“Einige hundert Kosaken erschienen vor der Stadt, wurden aber dergestalt empfangen, daß ihnen

die Lust vergehen mußte, wiederzukommen. Nach beträchtlichen Verlusten flüchteten sie sich

durch die Wälder. Die Ruhe der Stadt ist keinen Augenblick unterbrochen worden, und die

Einwohner, so wie die Truppen, haben sich vollkommen gut betragen."


Am 1.Oktober 1813 befreiten seine Truppen Kassel und Tschernischeff erklärte das Königreich Westphalen für aufgelöst. Nach vier Tagen verließen die Befreier Kassel. Mitte des Monats rückten die französischen Truppen wieder ein und Jérôme kehrte für drei Tage nach Kassel zurück.

Auf dem Höhepunkt der Befreiungskriege führte schließlich die Völkerschlacht bei Leipzig, vom 16. bis zum 19. Oktober 1813, Napoleon die kriegsentscheidende Niederlage durch die verbündeten österreichischen, preußischen, russischen und schwedischen Truppen zu.

Beim Rückzugs der französischen Armee stapelten sich rechts und links der Straße die Toten. Alle Dörfer und kleinen Städte wurden geplündert, waren menschenleer und viele brannten ab. General Tschernischeff überwachte den Rückzug und übernachtete jeweils die Nacht vor Napoleon in den Quartieren. Bei jeder strategisch sicheren Gelegenheit empfing er zudem die französische Vorhut. Wie schon beim Rückzug aus Russland, so wurde die franz. Armee nach der Völkerschlacht ebenfalls von leichter Kavallerie umschwärmt, welche ihr jede Abweichung von einer schmalen Linie unmöglich machte, und jeden der sich Absetzen wollte stellte.

Der mit Frankreich verbündete Rheinbund, ein Zusammenschluss deutscher Kleinfürsten, löste sich nach der Völkerschlacht auf und damit war die Macht Napoleons gebrochen.

Zum Generalleutnant befördert, begleitete Tschernischeff Kaiser Alexander I. auf den Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815), nach Aachen und nach Verona.

Zum Generalmajor ernannt erhielt er den Österreichischen Maria Theresia Orden (88.-144. Promotion).

Bei der Krönung von Kaiser Nikolaus, 1826 wurde er in den Grafenstand erhoben und 1832 zum Kriegsminister und Chef des kaiserlichen Generalstabs ernannt.

1841 wurde er in den Fürstenstand erhoben und 1848 zum Präsidenten des Reichsrats und des Ministerkonseils ernannt.

Nachdem er in den Ruhestand getreten war, starb er 71 Jährig in Castellammare, Italien.

Es existieren noch nachweisliche Nachkommen des Fürsten Tschernischeff!


Wolfgang Schmelzer 2006/01/27 17:49

Quellen / Links