Treppenstraße

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Blick entlang der oberen Treppenstrasse Richtung Scheidemannplatz

Die Treppenstraße in Kassel, 1953 im zeittypischen Stil entstanden, bildet mit der Kurfürstenstraße eine den Kulturbahnhof und den Friedrichsplatz verbindende Achse. Zwischen dem Kulturbahnhof (ehemals Hauptbahnhof) und der Kasseler Innenstadt überbrückt die Treppenstrasse 15 m Höhenunterschied auf 300 m Länge.

Die Treppe ist in regelmäßigen Abständen von kleinen Plätzen unterbrochen; in ihrer Mitte befinden sich Grünflächen.

Die zweigeschossige Randbebauung ist gegliedert durch an den Treppenabschnitten jeweils nach vorne und in der Höhe abgesetzte Gebäude.

Mehrgeschossige Häuser bilden jeweils die Eckpunkte an Scheidemannplatz, Neue Fahrt und Königsstraße.

Geschäfte und Lokale laden zum bummeln und verweilen ein.

Die Treppenstraße damals

Die Kasseler Treppenstraße wurde 1953 zum Symbol für den Aufbruch im kriegszerstörten Kassel. 104 Stufen ging es nun aufwärts von der Königsstraße bis zum Scheidemannplatz.

Der damalige Durchbruch durch alte Häuserzeilen ermöglicht an klaren Tagen seither einen kilometerweiten Blick bis hin zu Söhre und Kaufunger Wald. Damals fand die seinerzeit hochmoderne Treppenstraße bundesweit Beachtung. Doch die Interessengemeinschaft der Kaufleute an der denkmalgeschützten Einkaufsstraße hat sich längst aufgelöst.

„Köstlicher Durchblick vom Bahnhof“

Die Treppenstraße war die erste Fußgängerzone Deutschlands

Die Treppenstraße war die erste Fußgängerzone in Deutschland

Zu Anfang gab es 29 Einsprüche und zwei Kläger: Der Vorwurf: Geschäftsschädigung, Wertminderung anliegender Grundstücke. Das Stadtparlament genehmigte den Bau doch. Die erste Fußgängerzone Deutschlands: 104 Stufen, 275 Meter lang, 15,50 Meter Höhenunterschied, 200 000 DM, 160 Tage Bauzeit. 30 Arbeiter verlegten 578 Granit-Treppenstufen, 3150 Quadratmeter Gehbahnplatten.

Sie schachteten 1850 Kubikmeter Erde und Schutt aus, gossen 255 Kubikmeter Betonfundamente, mauerten 60 Kubikmeter Brüstung.

Am 24. Oktober 1953 war sie fertig: Die Treppenstraße. „Geschäftsstraßen ohne Autoverkehr. Experiment geglückt. Eine Geschäftsstraße mit den Vorzügen einer modernen Promenade“, schwärmte der Journalist des Wiesbadener Tageblatts.

Ein Durchbruch von Stände- zu Friedrichsplatz war übrigens - so Heimatforscher Paul Heidelbach - schon 1833 im „Erweiterungsplan der Residenzstadt Kassel“ vorgesehen, aber verworfen, da man durch den Abriss von Häusern „einen starken Windzug auf die beiden kurfürstlichen Palais am Friedrichsplatz befürchtete“. Auch 1900 wurde ein „köstlicher Durchblick vom Bahnhof“ diskutiert.

Städtebauliches Denkmal

Treppenstraße 2005

"Mit dieser Treppenstraße hat sich, so glaube ich, die Stadt Kassel ein bleibendes Denkmal gesetzt und bewiesen, daß sie auch in städtebaulicher Hinsicht jedem Fortschritt zugetan ist", lobte Oberbürgermeister Willi Seidel im Jahre 1953, bevor er das weiße Band zerschnitt und die erste Kasseler Fußgängerzone zum Bummeln freigab. 200 000 DM waren in knapp sechs Monaten verbaut worden, um die 104 Stufen und die Bahnen für Kinderwagen anzulegen.

Von einer "wahrhaft idealen Verbindung der Kasseler Innenstadt mit der Welt", schwärmte Stadtbaurat Dr. Bangert angesichts der Verbindung zwischen Hauptbahnhof und City.

Auch unter Kasseler Geschäftsleuten galt die Treppenstraße als gute Adresse. Das erste Geschäftshaus wurde kurz nach Fertigstellung der Straße eröffnet und CVJM, EAM und Handwerkskammer planten, sich hier niederzulassen.

Die Treppenstraße war eine der ersten Fußgängerzonen in Deutschland und damals ein Renommierstück der Kasseler Stadtbaumeister. Auf einer Länge von etwa 300 m überbrückt sie eine Höhe von 15 m und verbindet den heutigen Kulturbahnhof, den früheren Hauptbahnhof mit der Kasseler Innenstadt.

Treppenstrasse heute

Hochhaus an der Treppenstrasse

Dort wo die Treppenstraße heute in die Königsstraße mündet, stand einst das Nahl'sche Haus, dessen Fassade als eine der wenigen in der Kasseler Innenstadt sogar den letzen Krieg überstanden hatte. Sogar die Rokoko-Stukkaturen waren bereits wieder restauriert, als das Gebäude dann doch der neuen Treppenstraße weichen musste.

Die Treppenstraße steht nun unter Denkmalschutz. Streit und Unzufriedenheit über den Zustand der Straße flammte immer mal auf: „holperige Straßenoberfläche, geflickte Schlaglöcher, zerbrochene Platten“, wurden 1979 in der HNA beklagt.

Vorschläge für eine Aufwertung der ersten Fußgängerzone Deutschlands klingen wie aus einer Endlos-Schleife: Straßenfeste, Springbrunnen, Sommerblumen.

Nicht alles hat sich inzwischen zum Vorteil verändert. So eröffnete in den ehemaligen Räumen des legendären "Wumpicek" (Treppenstraße 10) zwischenzeitlich eine "Shisha- und Cocktail-Lounge".

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