Tillyschanze

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Die Tillyschanze oberhalb von Hann. Münden

Die Tillyschanze, ein 25 m hoher Aussichtsturm, liegt am Osthang des Reinhardswalds.

Von hier bietet sich ein Blick auf die Stadt Hann. Münden und über die Höhenzüge des Reinhardswalds, des Kaufunger Walds und des Bramwalds.

Der Turm wurde in den Jahren 1881 - 1885 errichtet und soll an die Belagerung der Stadt durch den Feldherrn Tilly während des Dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1626 erinnern.

Im oberen Turmzimmer ist eine Ausstellung über den Feldhernn Johann t’Serclaes von Tilly sowie den Bildhauer Gustav Eberlein untergebracht.

Gut möglich ist aber auch eine gänzlich andere Namensdeutung: Tilly leitet sich möglicherweise von dem niederdeutschen Wort "Deelen" ab. So wurden einst Grenzen genannt worden und eine Grenze verläuft dort oben zwischen Hessen und dem einstigen welfisch-hannoverschen Gebiet. [1]

Von dem Heimatforscher Helmut Saehrendt stammt darüber hinaus der Hinweis, dass der Felsvorsprung bereits auf Karten aus den Jahren 1719 und 1720 den Namen Tillischäntz beziehungsweise Dilli Schantz trug, auf dem bis zum Jahre 1309 die Hesseburg stand.

Geschichte

Die Hesseburg

In der Tat, die Anlage der Tillyschanze wurde seinerzeit an einem historischem Ort erbaut. Schon 1305 interessierte sich der hessische Landgraf Heinrich für diesen Bergvorsprung.

Als er den damals bis an Münden heranreichenden Reinhardswald in Besitz nahm, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als über dieser braunschweigischen Stadt, deren Stapelrecht ihm ein Dorn im Auge war, wohl am Ort der heutigen Tillyschanze die Hesseburg anzulegen. Das gab auf der anderen Seite der Grenze erheblichen Ärger.

Um den Streit nicht eskalieren zu lassen, traf sich 1306 in Fulda der braunschweigische Herzog Albrecht II. mit dem hessischen Landgrafen. Beide verhandelten in Gegenwart des Königs. Beschlossen wurde, die Hesseburg innerhalb von 14 Tagen wieder abzureißen. Dies geschah wohl auch. Geblieben ist der mächtige Graben, der noch heute um die Aussichtsanlage herumläuft.

Nicht richtig ist jedoch, dass sich Fürsten und Könige auf der Hesseburg getroffen haben. Davon ist nirgends etwas überliefert. Auch war sie für solche Treffen nicht der passende Ort, da sie in der sehr kurzen Zeit ihres Bestandes über ein Anfangsstadium nicht hinausgekommen sein kann. Eine repräsentative Burg hätte auch nicht innerhalb von 14 Tagen abgerissen werden können.

Zum Namen der Tillyschanze

Der Name Tillyschanze hat wahrscheinlich mit dem Feldherrn Tilly nichts zu tun. Genannt wird diese Bezeichnung 1719 und 1720 auf Landkarten als Tillischanze und Dillischanze.

Diese Formulierungen könnten sich sehr wohl von dem niederdeutschen deile beziehungsweise deelen ableiten, was hochdeutsch teilen bedeutet. Mit einem solchen Ausdruck wurden vor dem 16. Jahrhundert Grenzen bezeichnet.

So gesehen, war die Tillyschanze eine an einer Grenze liegende Schanze. Dies trifft ohne Zweifel für die verbliebene Grabenanlage der Hesseburg zu, die seit vielen Jahrhunderten unmittelbar an der hier verlaufenden wichtigen Grenze zwischen Braunschweig und Hessen lag. Es ist dem Flumamenexperten Günther Kaerger zu verdanken, hier die Heimatforschung auf die richtige Spur gesetzt zu haben. Übrigens haben die Bezeichnungen Dielengraben und Thilebach die gleiche Ableitung.

Helmut Saehrendt, Kassel

Hintergrund

30-jähriger Krieg: bekannte Feldherren auf katholischer Seite waren Tilly und Wallenstein, auf protestantischer Gustav Adolf von Schweden.

Der Dreißigjährige Krieg: In ganz Europa tobte von 1618 bis 1648 ein Krieg, der millionenfachen Tod, Verwüstung und Barbarei mit sich brachte. Nach dem legendären Prager Fenstersturz trugen zahleiche Länder ihre Macht-, Religions- und Wirtschaftsansprüche blutig auf dem Schlachtfeld aus. Es kam zu Auseinandersetzungen vor allem zwischen katholischen und protestantischen Herrschern, in Deutschland und den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel.

Initiatoren

Die Tillyschanze ist der Initiative von drei Männern zu verdanken, die 1880 als Mitglieder des zwei Jahre zuvor gegründeten Verschönerungsvereins den Plan fassten, auf dem Rabanenkopf einen Turm zu bauen und daraufhin zum “Turmbaukomitee” zusammentrafen: der städtische Oberförster Heinrich Friedrich Caspar Doerr, der Fabrikant Adolph Natermann und der Klempnermeister Carl Georg Fischer.

Literatur

  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
  • Gero Lenhardt, Mein Reinhardswald, Wandern - Kultur - Freizeit, 1. Auflage, Calden 2013

siehe auch

RegioWiki-Artikel zur Tillyschanze:

Vereine

  • Verein „Schutz- und Fördergemeinschaft Tillyschanze“ [2]

Wandertipps

Durch Wald und Elsterbachtal

Vom Weserstein zur Tillyschanze

Die Tillyschanze

Vom Weserstein in Hann. Münden kann die Tillyschanze zu Fuß erreicht werden. Dazu wird die Fulda auf der Hängebrücke überquert und über den Fischerweg erreicht man die Veckerhäger Straße, biegt nach rechts und erreicht nach einigen Schritten auf der linken Seite einen Waldweg.

Nach ca. 30 min. Fußmarsch auf diesem gewundenen, recht steil ansteigenden Weg wird die Tillyschanze erreicht, die einen großartigen Ausblick über die Höhenzüge des Reinhardswalds, des Kaufunger Walds, des Bramwalds und über die Altstadt von Hann. Münden bietet.

Während Echsen und Fabelwesen den Weg von der Katerquelle zur Tillyschanze säumen, wartet oben ein sehenswertes Relief auf die Betrachter: Gustav Eberleins „Die Verteidigung der Stadt Münden im 30-jährigen Kriege gegen Tilly“ ziert ein Zimmer im Turm. [3]

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Göttinger Tageblatt vom 10.12.2009: Mündens „Henker“ und die Tillyschanze
  2. HNA-online vom 25.2.2011: Gute Chance für die Schanze
  3. HNA-online vom 31.10.2013: Kunst führt zum Turm

Weblinks