Tiedörfer

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Bühren - Ortsansicht
Tie mit Steintisch

Der historische Ortskern von Bühren mit seinem mittelalterlichen Tie bildet ein Musterbeispiel für die Tiedörfer im südlichen Niedersachsen. Die den Ort umgebenden historischen Stätten sind für zahlreiche Besucher aus Nah und Fern ein lohnendes Ziel.

Tie

Vor 1350 war der mit einer traditionellen Bruchsteinmauer umgebende und heute mit 11 Linden umstandene runde Tieplatz in Bühren als Versammlungsplatz der dörflichen Markgenossen vorhanden und ist bis heute kaum verändert.

Aus den vier Himmelsrichtungen führt jeweils eine Treppe auf den leicht erhöhten runden Platz. Der Schandstein erinnert daran, dass Vergehen in Wald, Feld und Flur und gegen die vereinbarten Absprachen auf dem Tie verhandelt und bestraft wurden. Bei 1960 durchgeführten Restaurierungsarbeiten erhielt der Stein einen Platz in der Umfassungsmauer, neben dem östlichen Aufgang.

Prägendes Element des Platzes ist der Steintisch, vom dem aus der Holzgrefe, (Bürgermeister) die Versammlungen der tieberechtigten männlichen Einwohner leitete. Die Grundlage der Versammlungen bildete die „Markordnung“, eine selbstgeschaffene dörfliche Sozialordnung, die im Grundprinzip demokratisch war und bis in die altsächsische Zeit zurück reicht. Wald, Feld und Flur standen in gemeinschaftlicher Nutzung der Dorfbewohner, die im Besitz einer eigenen Feuerstelle waren. Feste Regeln wurden entwickelt und Abweichungen bestraft. Beschlüsse wurden durch Handreichungen im Kreis besiegelt, daher der Begriff „Eigentum zur gesamten Hand“. Die Dorfmark gehörte also nicht wie heute einzelnen Privateigentümern, sondern die Nutzung stand allen gemeinsam zu.

Mit Einführung des christlichen Glaubens wurden auf oder neben heidnischen Kult- oder auch Tieplätzen hölzerne und später steinerne Kirchengebäude erbaut und so einem unchristlichen Kultplatz die christliche Spiritualität entgegengesetzt.