Möbelfabrik Thonet

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Stuhl der Fa. Thonet für die Stadtkirche Bad Wildungen

Im 19. Jahrhundert wurde in Frankenberg der Grundstein für ein bedeutendes Unternehmen der Möbelherstellung gelegt, die Firma Thonet.

In Dampfrohren wird hier auf 106 Grad Celsius erhitztes Buchenholz in einem Metallrahmen in Form gebracht, darunter ein noch von Firmengründer Michael Thonet entworfener Kaffeehausstuhl, der nach der Tradition des Hauses mit der Bezeichnung „214“ in alle Welt verkauft wird.

Frankenberg beheimatet seit dem Jahre 1989 auch das Museum Thonet, das dem Lebenswerk von Michael Thonet gewidmet ist, der seit 1819 Möbel nach seinen eigenen Entwürfen produzierte und u. a. ein Verfahren erfand, mit dem Holz mit Hilfe von Dampf gebogen werden konnte.

Geschichte

Im Jahr 2000 wurde die Burgwaldbahn Marburg-Sarnau-Frankenberg 110 Jahre alt. Bis dahin fehlte im ehemaligen Kreis Frankenberg ein Anschluss an die Eisenbahn. Folgen der Eisenbahnferne waren ein anhaltender Rückgang in den wirtschaftlichen Verhältnissen seiner Bewohner, die Entwertung des Grundbesitzes und eine ständige Abnahme seiner Einwohnerzahl, deren überschüssige Arbeitskräfte in die Industriegebiete Westfalens aber auch nach Amerika auswanderten. Erst im Jahre 1888 begannen die Arbeiten zum Bahnbau verbunden mit der Hoffnung, dass der Eisenbahn-Bau in dem bis dahin ärmlichen Landstrich die Ansiedlung größerer Industrie und damit besseren materiellen Wohlstand der Bevölkerung nach sich ziehen werde.

Das Schienen-Projekt durch den Burgwald stieß auch auf das Interesse eines bedeutenden, auswärtigen Fabrikanten. Am 12. Februar 1889 berichtete die damalige Lokalzeitung, dass ein bekannter Wiener Fabrikant und Millionär am Bahnhof eine große Stuhl- und Möbelfabrik errichten wolle. Am 9.Februar 1889 fanden Kaufverhandlungen mit den Eigentümern der Grundstücke am Bahnhof im Rathaus statt. Zuvor hatten Firmenvertreter Holzbestands-Untersuchungen im Waldecker Land vorgenommen, um in Bad Wildungen oder seiner Nähe eine Fabrik zu errichten. Sie fanden aber in den Lotheimer Forsten für Bugholzmöbel bessere Hölzer und zogen deshalb die Neugründung der Fabrik in Verbindung mit dem Bau der Bahnlinie Sarnau-Frankenberg in Frankenberg vor.

Zum Bau des Zweigwerks des Wiener Unternehmens für Bugholzmöbel werden im Oktober 1889 die Arbeiten für drei Brunnen öffentlich ausgeschrieben. Die Gebäude sind fast vollendet, erste Maschinenteile treffen ein. Firmenchef Theodor Thonet leitet die Einrichtung vor Ort persönlich.

Im November 1889 trifft der 220 Zentner schwere Dampfkessel für die Firma Thonet ein. Der zunehmende Verkehr zum Bahnhof und die schlechte Beschaffenheit des Steinweges (Alter Handelsweg) vor dem Linnertor veranlasst Ende Januar 1890 die Kommunalverwaltung, vom Linnertor aus eine neue Verbindungsstraße (Hainstraße) zu bauen. Auch wird die kleine alte Holzbrücke über die Nemphe bei der Teichmühle durch eine neue ersetzt.

Mit der Errichtung der Möbelfabrik Thonet und der Einweihung der ersten Eisenbahn-Strecke im Raum Frankenberg Ende des 19. Jahrhunderts hielt der technische Fortschritt auch in dieser ländlichen Region Einzug.

Am 2. Februar 1890 bekommen die Frankenberger einen Vorgeschmack auf brandaktuelle technische Errungenschaften: in der Möbelfabrik Thonet wird erstmals die elektrische Flamme entzündet. Es ist das erste elektrische Licht, das in Frankenberg leuchtet. Die bisherige abendliche Straßenbeleuchtung geht von Petroleumlampen aus. Die Lampen hängen an den Häusern und haben einen spärlichen Schein. Und am 17. März 1890 läuft die erste Dampf-Lokomotive schnaufend und fauchend in den Frankenberger Bahnhof ein. Sie wird wie ein Wunder aus einer anderen Welt bestaunt.

Junge Männer können sich im April 1890 bei Thonet bewerben. Zum Neubau des Arbeiterwohnhauses für 16 Familien werden die Klempner-, Tischler-, Schlosser-, Glaser- und Anstreicher-Arbeiten ausgeschrieben. Auch junge Frauen werden zur Arbeit eingestellt. Zwischen Frankenberg und Sarnau verkehren nach der feierlichen Eröffnung am 30.Juni 1890 ab 1. Juli 1890 täglich acht Züge, und zwar vier in Richtung Frankenberg und vier in Richtung Sarnau. Die Fahrzeit auf der 26 Kilometer langen Strecke beträgt rund 75 Minuten, in Sarnau besteht Anschluss nach Marburg.

siehe auch

Weblinks