Teil 8: Zurück zu alter Herrlichkeit

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Serie: Baustile in Münden


Im Historismus wurden die großen Baustile früherer Jahrhunderte wiederentdeckt.

Reiches Schnitzwerk: Historismus-Fachwerk mit Ornamentik aus verschiedenen alten Stil-Epochen

Gingen den Leuten nach dem Klassizismus endgültig die Ideen aus? Oder war es der Zeitgeist, der sie vor und während der Kaiserzeit alte Architekturstile wiederentdecken ließ: Epochen, die für nationale Größe, Bürgerfreiheit, Stolz auf die Kulturgeschichte des Abendlandes etc. standen?

Jedenfalls setzte etwa ab 1850 eine Rückbesinnung auf die Historie ein, die folgerichtig dem „Historismus“ ihren Namen gab.

Auch in Münden erinnerte man sich traditioneller Bauwerte und belebte sie wieder. Bis zum Ende des 1. Weltkriegs 1918 kramten Architekten und Baumeister alle Stilelemente hervor, die seit der Romanik das Bild der Gottes-, Adels- und Bürgerhäuser geprägt hatten. So wurde aus der Romanik die neue, die Neo-Romanik, aus der Gotik die Neo-Gotik uns so weiter.

Das galt nicht nur für reine Steingebäude, sondern auch für das Fachwerk. Das wurde zunehmend auf ein massiv gemauertes Erdgeschoss aufgesetzt und dann quer durchs Balkenwerk - bis über sämtliche Erker und Giebel - mit allem ausgestaltet, was die Schmuckformen der Vergangenheit hergaben.

In den Historismus fallen übrigens auch die Bauten der Gründerzeit, die im vergleichsweise kleinen Münden noch erstaunlich zahlreich und vielfältig vertreten sind. Der Begriff Gründerzeit leitet sich vom wirtschaftlichen Aufschwung mit Beginn des geeinten Kaiserreichs ab, als ein zusehends wohlhabenderes Großbürgertum nach Villen und großen Stadtwohnungen in repräsentativen Gebäuden verlangte.

Auch die Architekten der Gründerzeitbauten bedienten sich reichlich aus der vollen Stilkiste der Jahrhunderte: mit Zinnen, Säulen, Figuren und Ornamentik aller Art.

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