Teil 7: Weitläufige Räume, gradlinige Formen

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Serie: Baustile in Münden


Der Klassizismus - etwa 1780 bis 1850 - orientiert sich an der griechischen Antike, der besonders im Steinbau deutlich wird.

Halbsäulen und vorspringende Fassadenabschnitte: dieses klassizistisch klar gegliederte Haus steht in der Schmiedestraße.

Der Klassizismus in Münden kommt in zweifacher Weise daher. Der Fachwerkbau und die steinernen Gebäude sind in ihrer optischen Anmutung verschieden, gleichen sich aber doch in einem Ziel: räumlich luftiger und großzügiger zu wohnen.

Ging es in den Häusern bis dahin eher eng zu - große Leute von heute stoßen sich leicht die Köpfe, wenn sie die Kammertüren älterer Fachwerkbauten passieren - so ändert sich das in der neuen Bauphase, die die Stadtdenkmalpflege für Münden auf etwa 1780 bis 1850 datiert.

Der Klassizismus ist eine Stilepoche, die das klassische Altertum - vorrangig die griechische Antike - nachahmt. Er steht für Weiträumigkeit und massive, gradlinige Formen. Im Mündener Holzbau drückt sich diese Architektur durch glattes und völlig schmuckloses Fachwerk aus, aber auch durch breitere Fassaden, immer größere Geschosshöhen und zunehmend gestreckte Fensterformate.

Bekannter kommen dem Laien jedoch die in Stein errichteten Gebäude des Klassizismus vor. Ein anschauliches Beispiel steht in der Schmiedestraße. Zwar schlendern wir hier an keinen griechischen Säulengängen vorbei. Doch lässt die Fassadengliederung mit ihren Pilastern (angedeutete oder auch Halbsäulen) sowie den leicht vorspringenden Fassadenabschnitten, Resalite genannt, keinen Zweifel am Stil dieses Gebäudes.

Die Rückbesinnung auf die Antike hat einen Bürger in der Langen Straße offenbar so begeistert, dass er sein Fachwerkhaus klassizistisch überformen ließ.

Dabei konnte er ein wenig Schmuck nicht lassen: zum Beispiel Blütenrosetten und Klötzchenfriese. Als Krönung des Ganzen setzte er einen Giebel nach der Art griechischer Tempel obendrauf.

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