Teil 2: Hohe Balken, hohe Hallen

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Serie: Baustile in Münden


St. Blasius - Kirche in Hann. Münden (Foto: Siebert)

Mit den wenigen verbliebenen Bauten der Romanik - Beispiel Laurentiuskapelle, Kemenate und Klosterkirche Bursfelde - begann unsere Serie über Baustile in Münden.

Diese Epoche datiert in Deutschland ungefähr zwischen 1000 und 1250. Aber die Baukunst entwickelte sich weiter, und ganz allmählich bekamen vor allem die Städte ein anderes Gesicht. Das war auch in Münden so.

Bei den weltlichen (= profanen) Gebäuden - Wohn-, Handels- und Handwerkshäuser - setzt sich der Fachwerkbau durch, bei den kirchlichen (= sakralen) die Gotik, deren vielleicht populärstes Kennzeichen die hohen Spitzbogenfenster sind, die die kleineren romanischen Rundbogenfenster ablösen.

Fachwerk als Ständerbau und gotische Kirchen

Die Zeit nach der Romanik

Typischer Ständerbau: das „Windmühle“ genannte Haus (1400/1401) an der Ecke Radbrunnen-/Ziegelstraße. Die tragenden Balken (Ständer) erstrecken sich von der Schwelle bis zum Dach, Querstreben versteifen das Gerüst. Ein interessantes Detail ist die kleine Geschossauskragung zur Straßenseite hin. Foto: Schmidt

Die „Windmühle“ von 1400/1401 (Ecke Ziegelstraße/Radbrunnenstraße) gehört wie der später gebaute „Ochsenkopf“ (Sydekumstraße) zu den ältesten Fachwerkhäusern in Münden. Ihr typisches Merkmal: die Ständerbauweise. Starke hohe Eichenbalken - die Ständer - stützen den Bau über alle Geschosse von der Schwelle bis zum Dach hinauf. Querstreben sorgen für die nötige Steifigkeit. Die Arbeits- und Wohnebenen werden in dieses Gerüst hineingezapft. Der Ständerbau ist damit die Vorgängerarchitektur des Geschossbaus, wo jedes Stockwerk selbstständig für sich abgezimmert wurde.

Dass das Ständerhaus im Laufe der Jahrzehnte zunehmend der neuen Bauweise wich, hatte seinen Grund unter anderem darin, dass der Aufbau eine Menge Platz brauchte. Die Zimmerleute fertigten nämlich eine gesamte Außenwand mit ihren Ständerbalken auf dem Boden und zogen sie dann mit vielen Menschen und allerlei Hilfskonstruktionen in die Senkrechte.

Für den Ständer-Aufbau wurde es bald zu eng

Als die Städte größer und es innerhalb ihrer Schutzmauern immer enger zuging, war es bald aus: Für diese Bauweise war einfach nicht mehr genug Raum da. Außerdem begann im Mittelalter das Holz knapp zu werden - einer der wichtigsten Bau- und Rohstoffe überhaupt. Lange und obendrein noch dicke, gerade gewachsene Stämme wurden seltener und damit für Bauherren entsprechend teuer.

St. Blasius - Kirche

Auch in Mündens Stadtmitte veränderten die Baumeister das Bild. Anstelle einer romanischen Basilika entstand ab 1260 die gotische St. Blasius-Kirche, die erst nach vielen, drei Jahrhunderte dauernden Bauabschnitten fertig wurde.

Besseres Mess- und Handwerkszeug, raffiniertere Hilfskonstruktionen sowie wachsendes Wissen über Baustatik machten es möglich, eine lichte, weiträumige Hallenkirche mit grazilen Kreuzrippengewölben statt der romanischen Holzbalkendecke umzugestalten. Und natürlich mit den schlanken, hohen Spitzbogenfenstern.

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