Teil 12: Die ersten deutlichen Kontraste

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Serie: Baustile in Münden


Die ersten deutlichen Kontraste

Architektur Baustile in Münden: Wohnhaus der 60er Jahre - Hann. Münden, Straße Schöne Aussicht

Die 1960er Jahre bleiben in ihren Bauformen zunächst sachlich, aber die Stilformen lösen sich langsam auf

von Axel Schmidt


In den 60er Jahren dehnt sich Münden weiter aus. Die Architektur bleibt überwiegend sachlich, verändert aber ihre Formensprache. Auf die kleinen, spitzgiebligen, ländlich wirkenden Satteldachhäuschen der 50er Jahre folgen Einzel- und Reihenhäuser, die flächiger gebaut werden und moderner und schicker wirken - irgendwie städtischer.

Mit wachsendem Wohlstand und entsprechend wachsendem Warenangebot haben zudem die nach dem Krieg so hilfreichen Nutzgärten hinterm Haus ausgedient. Jetzt wird der Ziergarten mit Rasen, Stäuchern und Blumen Trumpf.

Darüberhinaus wird klar, dass das Bauland im Mündener Talkessel zwischen steilen Berghängen auf Dauer begrenzt ist. Folglich sehen die Bebauungspläne ab Mitte der 60er Jahre neben Einzelgebäuden auch lange Reihenhäuser vor. Einen anschaulichen Eindruck vermittelt das Wohngebiet zwischen Herzogin- Elisabeth-Straße und Entenbusch.

Parallel dazu beginnt ein ganz neuer Trend, der sich in den folgenden Jahrzehnten immer stärker ausprägt und bis heute anhält: Die Lust am Bauen nach dem ganz eigenen Geschmack.

Das zeigt sich an zwei völlig konträren Beispielen. Einige Bauherren der 60er bekommen Lust aufs Außergewöhnliche, aufs Experimentieren. So entstehen in Mündener Hanglagen einige futuristisch anmutende, extrem flache Wohnhäuser mit riesigen Fensterflächen. Im krassen Gegensatz dazu entstehen die ersten heimeligen Einfamilienhäuser, die geradezu exemplarisch den sprichwörtlichen Traum vom „Häuschen im Grünen“ verwirklichen. Da sieht man auf einmal Stilformen, die man aus anderen Gegenden Deutschlands kennt. Das Friesenhaus zum Beispiel von der Nordseeküste, das vielleicht Urlaubserinnerungen wachhält.

Ab Mitte der 70er wird das Bauen zunehmend dem ganz persönlichen Geschmack unterworfen. Es beginnt eine, wie Bauhistoriker sagen, „baustillose Zeit.“