Teil 11: Die neue Sachlichkeit

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Serie: Baustile in Münden


Die neue Sachlichkeit

Mittlerer Bereich Am Entenbusch , Häuser der 1930er Jahre, gebaut im Stil des neuen Sachlichkeit , der in den 1920er Jahren begannn

In den 1920er Jahren setzen sich einfache Formen durch, die bis in die 1950er gelten

(von Axel Schmidt)


Mit dem verlorenen Krieg, dem Ende der Kaiserzeit und dem Neuanfang in der Weimarer Republik wird vieles anders - auch in der Architektur. Von Randerscheinungen wie dem Expressionismus abgesehen (wir berichteten gestern), beginnt eine neue Sachlichkeit, die auf schmückende oder gar heroisierende Elemente weitestgehend verzichtet. Verspieltes Dekor, Figuren, Ornamente, Schnitzereien - das Meiste gilt als Schnickschnack, Prunk und Protz.

Die Entwürfe und Gebäude der Dessauer Kunst- und Bauschule „Bauhaus“ erweisen sich in den 20er Jahren mit klaren Formen und dem Einsatz von viel Stahl und Glas als revolutionär. Sie sind der Einstieg in die architektonische Moderne, die den zukünftigen Städtebau weltweit und nachhaltig verändern wird.

In Münden bleibt die neue Sachlichkeit allerdings etliche Nummern kleiner - auch wenn das Städtchen immer größer wird. Wie Zwiebelringe entstehen rund um die fachwerkgeprägte Altstadt und die Straßen der Gründerzeit Wohnhäuser und Siedlungen, die auf die einfachen alltäglichen Bedürfnisse der Menschen abgestimmt sind.

Das ist in den 20er und 30er Jahren so und setzt sich in den 50er Jahren fort. Wobei sich viele Häuser über diese Jahrzehnte so ähneln, dass der Laie sie zeitlich kaum noch genau zuordnen kann.

In der Pionierstraße Neumünden zum Beispiel ziehen sich kleine Einfamilienhäuschen den Berg hinauf, die man auch auf die 30er oder 50er Jahre schätzen könnte - wenn man nicht wüsste, dass sie in den 20ern errichtet wurden.

Und die Hermannshäger Siedlung Bebelstraße aus den 30er Jahren könnte auf den ersten Blick auch aus den 50ern stammen - so wie die Einfamilienhäuser im Neumündener Körbchen, die tatsächlich erst nach dem 2. Weltkrieg entstanden.


Verschont blieb Münden immerhin von irgendwelchen größenwahnsinnigen Monumentalbauten der Nazis.


Auch in den 60ern/Anfang der 70er Jahre bleibt die Architektur zunächst sachlich, wird aber flächiger, moderner, städtischer. Davon mehr in der nächsten Ausgabe.