Türkenzelt

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Türkenzelt in Bad Wildungen

Das prachtvolle Türkenzelt ist eines von sechs Exemplaren dieser Art in Deutschland - das nächste ist im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu bewundern.

Das Türkenzelt auf Schloss Friedrichstein gehört zur so genannten Türkenbeute. Dessen Herkunft ist nicht ganz geklärt. Landgraf Karl von Hessen-Kassel soll es 1683 bei der Belagerung Wiens erbeutet haben, eventuell wurde es aber auch von dessen Sohn Prinz Maximilian 1717 bei der Eroberung Belgrads geraubt. Unklar ist auch, ob es sich um ein Audienz- oder ein Schlafzelt handelt. Es ist drei Meter hoch und fast sechs Meter lang und wiegt etwa 100 Kilogramm.

Jahrzehnte war das sechs mal 3,5 Meter breite und drei Meter hohe Zelt im Jagdzeughaus in Kassel eingelagert. Von 1913 bis 1937 war es im Hessischen Landesmuseum aufgebaut - und zwar mit der Innenseite nach außen. Die Folge: schwere Lichtschäden. Seit der Eröffnung des Museums auf Schloss Friedrichstein im Jahr 1980 ist es das Prunkstück der Sammlungen in der Badestadt Bad Wildungen.


Das Türkenzelt geht auf Reisen

Das 300 Jahre alte Prunkstück der Sammlungen wird in den Jahren 2010 bis 2013 für rund 45 000 Euro umfassend restauriert. In der Textilrestaurierung der Museumslandschaft Hessen Kassel wurde das vor allem durch Licht, Schmutz und eine nicht originale Stützkonstruktion stark in Mitleidenschaft gezogene Zelt weiteren detaillierten Untersuchungen unterzogen. Im nächsten Schritt erfolgt die Reinigung in einer Aerosolanlage in Wien, um die schädigen Substanzen, den „Schmutz“, zu entfernen. Nach der Reinigung wird das Zelt zur weiteren Bearbeitung wieder in die Textilrestaurierung der Museumslandschaft Hessen Kassel gebracht. Dort wird die sehr zeitaufwendige und eine hohe Fingerfertigkeit erfordernde Nähkonservierung ausgeführt. Fehlstellen und Risse werden vorsichtig mit einem neuen Gewebe unterlegt und mit einem besonderen Stichsystem miteinander verbunden. Die verwendeten neuen Gewebe werden vorher mit synthetischen Farbstoffen in dem jeweiligen dem Original entsprechenden Farbton eingefärbt. In Zusammenarbeit mit der Uni Kassel, Fachbereich Historische Baukonstruktion, wird eine neue Stützkonstruktion hergestellt. Diese neue Stützkonstruktion orientiert sich an der originalen Stützkonstruktion, verteilt aber das Gewicht des 300 Jahre alten Stoffriesens besser. Zur Neuaufstellung in Bad Wildungen auf Schloß Friedrichstein wird noch eine neue geeignete Präsentationsform gefunden werden müssen. Um das Zelt in Zukunft vor neuen schädigenden Verschmutzungen schützen zu können, sollte es hinter Glas gezeigt werden. Vermutlich wird das Zelt im Jahr 2013 wieder aufgestellt werden.

Ab Februar 2010 bis Mitte 2010 informiert eine kleine Ausstellung mit dem Thema "Ein Schatz in gefahr" - über die restauratorischen arbeiten an dem Türkenzelt.


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