Töpfenmarkt

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In grauer Vorzeit war vielleicht mal ein Töpfermarkt auf dem Töpfenmarkt

Was für ein Ziel für Touristen: Die kleinste Kneipe Kassels, mit dem großartigsten Namen: Kristallpalast. Doch das Haus Am Töpfenmarkt 13 ist - wie nahezu die ganze Altstadt - beim Bombenangriff vom 22. Oktober 1943 zerstört worden.

Der Kristallpalast hieß eigentlich Café Habedank. Doch nachdem der Wirt Willi Habedank die zwei Gaststubenfenster hatte bunt verglasen lassen, war nach Ansicht der Kasseler der Name „Kristallpalast“ fällig. Es gab eine Theke und drei kleine Tische vorn. Hinten stand noch ein ovaler Stammtisch. Fertig war die Kneipe.

Einen Keller gab es nicht, deshalb wurden die Bierfässer durchs Lokal gerollt und an der Theke gleich „angesteckt“. Wirt Willi Habedank schenkte Münchner Pschorr-Bräu aus - das Glas für 28 Pfennige. Pschorr sagte kein Mensch. Die Gäste im Kristallpalast bestellten „Porrsch“ - wer will sich für ein Glas Bier denn das Gebiss verrenken?

Einmal im Jahr machte Habedank seinen Laden dicht, um mit seinen Stammgästen Fastnacht zu feiern. Das waren unter anderem Zahnarzt Kurt Mohr, dessen Onkel, Kirchenmusikdirektor Knöpfel, Klempnermeister Karl Vesper oder auch Fleischermeister Ferdinand Söder.

Söder übrigens bekam in seinem Geschäft Töpfenhofstraße Nr. 15 oft Besuch von Kupille und Ephesus. Die hatten - laut Überlieferung - immer eine konkrete Bitte: „Liewe gude Seele, geb mäh doch en Zippel Wurschd.“

Wurst und Bier also gab es am Töpfenmarkt. Auch Brot gab es, in der Bäckerei Klasen, und Zigarren bei Heinrich Volland. Aber Töpfe oder Getöpfertes? Fehlanzeige. Jedenfalls ist ein Markt mit Töpferware in den Unterlagen des Stadtarchivs nicht nachgewiesen. Und auch ein Töpfer taucht in den Kasseler Adressbüchern zu keiner Zeit auf. Nach dem Verzeichnis von 1870 wohnten am Töpfenmarkt unter anderem Hausbursche Jakob Zincke, Schreiner David Bachmann, Seilermeister und Stadtdiener Johann Heinrich Imhoff, Backwarenhändler Kranz, Musiklehrer Heinrich Wiegelnesser, Handschuhmacher Muth, Witwe Bremm oder auch Wartefrau Marie Sophie Kessler.

Sie alle haben vielleicht mal in Kassels kleinster Kneipe einen Schoppen gehoben. Café Habedank gab es nämlich seit 1868, damals hieß der Wirt Johann Carl, ein Schneidermeister, der umgesattelt hatte. In den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde der Kristallpalast geschlossen. Doch vorher gab es von hier aus sogar noch eine Radiosendung: Kasseler Mundart für den „Soldatensender Belgrad“.