Sudetendeutsche Landsmannschaft

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Kreisgruppe Kassel der Sudetendeutschen Landsmannschaft ist eine Untergliederung des Bundesverbandes mit Sitz in München und der Landesgruppe Hessen mit Sitz in Wiesbaden.

Vorgeschichte: Herkunft und Vertreibung

Die alte Heimat

Die Heimat der Sudetendeutschen sind Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien. Im Zuge des Landesausbaus kamen Deutsche seit dem 13. Jahrhundert in diese Gebiete und haben seitdem Wesentliches zur Kultur dieser Regionen beigetragen. Mit neuen landwirtschaftlichen Geräten und Methoden machten sie die kargen Randgebiete urbar, die noch unbesiedelt waren. Ihre Fertigkeiten erschlossen den Holzreichtum und die Erzvorkommen. Die böhmischen Könige gründeten zahlreiche Städte nach Magdeburger und Nürnberger Stadtrecht, in denen deutsches Bürgertum eine prägende Rolle spielte. Böhmen wuchs ohne Rücksicht auf Sprache und Nation dem mitteleuropäischen Kulturraum zu und bildete eines von mehreren gleichberechtigten Zentren im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Deutschen Bürgern verdanken wir in Iglau das älteste Bergrecht nördlich der Alpen (1248) und in Saaz die früheste neuhochdeutsche Dichtung, den "Ackermann aus Böhmen" (1401). Vor allem die Zeit nach dem 30jährigen Krieg prägte bis heute das Bild der Städte und Märkte im ganzen Land. Der Reichtum des Adels und der Klöster machte das Königreich Böhmen zu einem Zentrum barocker Baukunst. Dort wirkten Baumeister wie Fischer von Erlach aus Österreich oder die Dientzenhofer aus Bayern, Balthasar Neumann aus Eger schuf Kirchen und Residenzen in ganz Süddeutschland.

In Kultur und Geistesleben spielen viele bekannte Deutsche aus den böhmischen Ländern eine maßgebende Rolle: So in der Literatur Marie von Ebner-Eschenbach, Adalbert Stifter, Rainer Maria Rilke, in der Musik Johann Wenzel Stamitz, Gustav Mahler, Leo Slezak, in der bildenden Kunst Ferdinand Tietz, Josef Maria Olbrich, Alfred Kubin, in der Wissenschaft Gregor Mendel, Ernst Mach, Sigmund Freud.

Die schöpferische Kraft der Sudetendeutschen hat sich auch in der Minderheitensituation des Nationalitätenkampfes und schließlich nach der Vertreibung erhalten. Der Konstrukteur des Volkswagens, Ferdinand Porsche, und der Generaldirektor des europäischen Kernforschungszentrums (CERN) in Genf, Herwig Schopper, sind dafür ebenso ein Beweis wie Otfried Preußler, der bis heute bekannteste deutsche Kinderbuchautor.

Böhmerwald und Egerland

Die Randlandschaften Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens waren für Verkehr und Besiedlung nie so unüberwindliche Hindernisse. So erstreckt sich auch die deutsche Besiedlung mehr oder weniger weit über den Böhmerwald nach Böhmen hinein.

Der Böhmerwald, dessen südöstliche Ausläufer bis Gratzen reichen, kann zwischen Linz und Budweis über zwei Senken gequert werden. Weiter westlich ermöglichten die drei Wege des Goldenen Steiges Handelsaustausch und später die Kolonisation des Waldlandes bis an den Gebirgsfuß bei Prachatitz und Bergreichenstein. Bayerisch und Böhmisch Eisenstein liegen an einer weiteren alten Straße. Die breite Senke von Furth bis Taus begrenzt den Böhmerwald nach Nordwesten.

Durch die sanfte Nordostseite des Waldgebirges winden sich die obere Moldau und ihre Nebenflüsse. Die Erschließung begann im 11. Jahrhundert. Hohenfurth, Goldenkron und Budweis wurden Zentren des Landesausbaus. Bergbau machte Bergreichenstein und Eisenstein zu wirtschaftlichen Mittelpunkten. Die rauhe Scheitelstrecke mit Plöckenstein, Dreisessel, Lusen und Osser blieb lange Zeit unzugänglich. Nach der Erschöpfung des Erzes bildete die Glaserzeugung einen neuen Erwerbszweig. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung des kargen Bodens waren Holz- und Papierindustrie verbreitet. Nach der Vertreibung der deutschen Bewohner sind ganze Landstriche verödet.

Weiter im Norden erstreckt sich die deutsche Besiedlung über den flachen Oberpfälzer Wald bis vor Pilsen und bildete die größte geschlossene deutsche Region Böhmens. Auch Pilsen, die Heimat weltberühmter Biere, hatte einst einen hohen deutschen Bevölkerungsanteil. Eine reiche Landwirtschaft gab dem Egerland seinen bäuerlichen Charakter. Die Weltbäder Marienbad, Karlsbad und Franzensbad, die "Perlen des Egerlandes", waren für zwei Jahrhunderte kulturelle und vor allem gesellschaftliche Zentren, an deren Glanz heute nur noch die Bauten erinnern. Eger mit seinem engeren Bereich gehörte zum bayerischen Nordgau. Es wurde 1322 an den böhmischen König verpfändet. Seine deutschen Bewohner bewahren bis heute das Bewußtsein einstiger Reichsunmittelbarkeit.

Erzgebirge und Nordböhmen

Als eine nach Südosten steil abfallende Gebirgsscholle bildet das Erzgebirge die Grenze zu Sachsen. Die raschen Bäche, die der Eger zufließen, trieben einstmals Hunderte von Hämmern, mit denen die deutschen Bewohner den Erzreichtum nützten. Als er zu Ende ging, wandten sie sich anderen, bescheideneren Verdienstmöglichkeiten zu. Von Schönbach, Graslitz, St. Joachimsthal und Teplitz-Schönau gingen Spitzen und andere Erzeugnisse verfeinerter Textilarbeit, Musikinstrumente, Holz- sowie Spielwaren in alle Welt.

Am Mittellauf der Eger weitet sich das Land zum Saazer Becken, wo der weltberühmte Saazer Hopfen, unentbehrlicher Rohstoff des Pilsener Bieres, in warmem Klima auf sandigen Böden gedeiht. Wie eine dunkle Furche zieht sich zwischen dem Erzgebirge und dem Böhmischen Mittelgebirge das nordwestböhmische Industriegebiet von Kaaden über Komotau, Brüx, Dux bis Aussig und unterbricht die reizvolle Hügellandschaft. Wie in Karlsbad traf sich in der Badestadt Teplitz-Schönau die Welt.

Alle Wasser Böhmens sammeln sich in der Elbe. Sie durchfließt anmutige Talstrecken im Böhmischen Mittelgebirge und weite, fruchtbare Becken und verläßt Nordböhmen durch ein romantisches Durchbruchstal im Elbsandsteingebirge. Östlich der Elbe und nördlich von Tetschen-Bodenbach und Böhmisch Leipa liegt das Niederland. Stahlerzeugung, Weberei und Strumpfherstellung prägten diesen Winkel mit der höchsten Bevölkerungsdichte des Landes. Aus Heida und Steinschönau, am Fuße des Lausitzer Gebirges, ging kunstreiches Glas in alle Welt.

Weiter östlich liegt Friedland, das Wallensteinland. Es war für ein Jahrzehnt das Zentrum eines weitausgreifenden Herrschergedankens. Am Südabhang des Isergebirges liegen die weltbekannte Schmuckstadt Gablonz an der Neiße und das benachbarte Reichenberg. In dieser Tuchmacher- und Handelsstadt entwickelte sich hart an der Sprachgrenze das Verwaltungszentrum des Sudetenlandes.

Riesengebirge, Adlergebirge und die deutschen "Inselstädte" in Böhmen

Die nördlichen und östlichen Randketten Böhmens entsenden Gewässer zur Adler und zur oberen Elbe. Der hohe Kamm des Riesengebirges bildet mit seiner rauhen Natur als Höhepunkte die Schneegruben und Schneekoppe, den höchsten Berg der böhmischen Länder.

Das Vorland war bis Königinhof weithin deutsches Siedlungsgebiet mit Trautenau als Zentrum. An der Elbe, nahe der Sprachgrenze liegt Kukus, das Schloß des Grafen Sporck, in dessen Park die Natur sich künstlerischem Willen zu unterwerfen scheint und die Kunst in naturhaften Formen ausfließt.

Dem Riesengebirge schließt sich ostwärts das von benediktinischer Kultur geprägte Braunauer Ländchen an. Hier geht das deutsche nordböhmische Siedlungsgebiet in das Glatzer Bergland über. Im Vorland des Adlergebirges setzt wieder deutsche Besiedlung ein. Hier liegt Grulich, die östlichste deutsche Stadt Böhmens. Von hier aus zieht sich die alte Grenze zu Mähren über den Schönhengstgau zur Böhmisch-Mährischen Höhe. Im Adlergebirge trägt die Besiedlung abseits großer Verkehrslinien bäuerlichen Charakter.

Auch im Inneren Böhmens hatten Städte wie Königgrätz, Kuttenberg und Deutsch-Brod einen erheblichen deutschen Bevölkerungsanteil. Es waren vorwiegend deutsche Handwerker, Kaufleute und Beamte. Schon die Hussitenstürme im 15. Jahrhundert hatten die Deutschen in diesen Städten im östlichen Böhmen stark zurückgedrängt. Seit dem Beginn der Industrialisierung wuchsen diese Städte durch tschechischen Zuzug und verloren damit ihren deutschen Charakter.

Das deutsche Bürgertum hat mit seiner Kultur das Stadtbild Prags unverkennbar geformt. Obwohl sein Anteil in der Mitte des 19. Jahrhunderts von dem der Tschechen aufgewogen wurde und seither weiter zurückging, hielt sich bis 1945 ein bedeutendes deutsches Kulturleben.

Schönhengstgau, Nordmähren und Sudetenschlesien

Die deutsche Kolonisation konzentrierte sich um den Oberlauf der March, den Hauptfluss Mährens. Im Westen entstand die größte deutsche Sprachinsel, der Schönhengstgau; im Osten, um das Altvatergebirge lag zwischen Oder und March das, neben dem Egerland, größte geschlossene deutsche Siedlungsgebiet.

Der Zusammenhang Mährens mit Schlesien war seit alters her sehr eng. Die Verbindung war auch durch die Teilung Schlesiens 1742 nicht abgerissen, da das Erzbistum Breslau über die Grenzen reichte und das Land beiderseits deutsch blieb.

Die Siedlungen im Schönhengstgau wie Landskron, Mährisch Trübau und Zwittau entstanden als handwerkliche Zentren in bäuerlicher Umgebung.

Das Altvatergebirge, das Gesenke, das Odergebirge und das Kuhländchen hatten im 13. Jahrhundert eine systematische Besiedlung aus Franken, Schlesien und vom Niederrhein erfahren. Um Freudenthal-Jägerndorf und Troppau hatte sich der schon seit 1204 ansässige Deutsche Orden segensreich entfaltet. Seine caritative und schulische Tätigkeit war hier bis 1946 zu spüren.

Vom oberen Oderlauf erstreckte sich die deutsche Siedlung zur Mährischen Pforte, der niedrigsten Stelle der eoropäischen Wasserscheide und weiter bis ins Vorland der Beskiden und in den Karpatenbogen. Oderabwärts blieb Ostrau lange Zeit von einem Kranz von Waldhufendörfern umringt. Zwischen Ostrau und der Landeshauptstadt Österreichisch-Schlesiens, Troppau, war die Familie Joseph von Eichendorffs ansässig. Im mährisch-schlesischen Kohlegebiet gerieten Streusiedlungen und mit ihnen Teschen, Karwin und Oderberg in den Sog der Industrialisierung. Die alte ostschlesische Piastenstadt Teschen, eine seit dem 13. Jahrhundert deutsch geprägte Tuchmacherstadt, wurde 1920 zwischen der CSR und Polen geteilt.

In diesem östlichen Bereich deutschen Mitwohnens zeigt sich, dass dieser Bevölkerungsteil über die Jahrhunderte hin sehr viel an Ausgleich und Integration geschaffen hat.

Südmähren

Der Süden Mährens öffnet sich ganz der österreichischen Nachbarschaft, der die March mit all ihren Nebenflüssen zuströmt. An der Böhmisch-Mährischen Höhe entspringen Zwitta und Schwarza und vereinigen sich bei Brünn; die Mährische Thaya führt sie der March zu.

Die Hauptstadt Brünn, bis in den Ersten Weltkrieg hinein mehrheitlich deutsch, lag im Süden einer deutschen Sprachinsel. Die Sprachinsel Wischau zählte nur wenige Dörfer.

Die gemischte Besiedlung, ein Kennzeichen Südmährens, hat sich im Zeitalter der Volkswahl dazu angeboten, nach Volkslisten abzustimmen und so der jeweiligen Minderheit zu ihrem Recht zu verhelfen. Der Mährische Ausgleich von 1905 ist bis in unsere Zeit ein positives Beispiel für die Möglichkeit der Überwindung nationaler Konflikte innerhalb eines Staates.

Deutlich abgegrenzt ist die Iglauer Sprachinsel auf den Böhmisch-Mährischen Höhen. Die große Zeit der Bergstadt Iglau begann 1243 mit der Verleihung weitreichenden Bergrechtes, das auf alle Bergstädte des Königreichs und darüber hinaus Einfluss hatte. Der Silberbergbau begründete Einfluss und Reichtum. Der Gerichtshof der Stadt war für alle Bergsachen des Königreiches zuständig.

Entlang der österreichischen Grenze liegen im Westen kleinräumige Landschaften mit in sich abgeschlossenen Marktorten, unter denen die alte Tuchmacherstadt Zlabings dank ihrer architektonischen Einheit mit den graffitigeschmückten Hausfronten hervorragt.

Das enge Tal der Thaya windet sich entlang der Grenze zu Niederösterreich und eröffnet manchmal überraschende Blicke wie auf Schloss Frain oder auf Znaim, die älteste und ehrwürdigste Stadt Mährens.

Hier ziehen sich Weinberge die karstigen Hänge hinauf. Das sanftere Relief am Mittellauf des Flusses ist Fruchtlandschaft, die sich dann über Nikolsburg in die Ebene bei Lundenburg hinzieht. Durch dieses Land wurden 1945 zwanzigtausend deutsche Bürger von Brünn, der Hauptstadt Mährens, im "Brünner Todesmarsch" zu Fuß über die Grenze gejagt.

Verantwortlich für die Vorgeschichte: E.E. Korkisch, Vimystr. 4, 85354 Freising.

Vertreibung

Aufgrund der Dekrete des selbsternannten Präsidenten der nach Kriegsende wieder belebten Tschechoslowakei, Edward Benesch, kam es im Jahre 1945 zu den sogenannten "wilden Vertreibungen", bei denen nach Schätzungen fast 200.000 von den 3,5 Millionen Sudetendeutschen ihr Leben ließen. Die Masse der Sudetendeutschen musste ihre Heimat im Jahre 1946 im Wege der "organisierten" Vertreibungen verlassen, und zwar überwiegend in Zügen mit Viehwaggons. Die Benesch-Dekrete sicherten allen Tschechen, die sich an Deutschen vergangen hatten, Straffreiheit zu, selbst wenn diese Untaten nach tschechoslowakischem Recht strafbar waren. Die Benesch-Dekrete wurden nie aufgehoben und gelten bis heute fort, sodass auch heute noch alle Tschechen, die sich aktiv an Massakern beteiligt hatten, vor Strafverfolgung geschützt sind. Trotz Kenntnis dieser noch gültigen Unrechtsdekrete wurde die Tschechische Republik in die EU aufgenommen.

Chronik der Kreisgruppe Kassel

Beginnend im Jahr 1945 kamen die ersten Flüchtlingstrecks und in der Folge bis Ende 1946 die Vertriebenentransporte aus den deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland in den Westen. Allein nach Hessen kamen 1946 insgesamt 650.000 Heimatvertriebene, davon 400.000 aus dem Sudetenland. Um den in allen Bereichen schwierigen Lebensbedingungen der Nachkriegszeit begegnen zu können, kam es zu Gruppenbildungen insbesondere unter den Neubürgern. Da Vereinigungen auf landsmannschaftlicher und interessenpolitischer Ebene durch das "Koalitionsverbot" für Heimatvertriebene, aus Furcht vor verschwörerischem Widerstand, untersagt waren, boten zunächst vielfach die Kirchen die einzige Möglichkeit eines legalen Zusammenschlusses. Insbesondere die kirchlichen und karitativen Organisationsformen waren Vorläufer der sich etwa ab 1949 (Gründung der Bundesrepublik Deutschland) entwickelnden Vertriebenenorganisationen. Am 24. Januar 1950 trafen sich die führenden Vertreter der Sudetendeutschen und hoben mit der sogen. "Detmolder Erklärung" den Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft aus der Taufe. Schon vorher und vor allem in Folge bildeten sich nachgeordnete Gliederungen auf Landes-, Kreis- und örtlicher Ebene, so auch in Nordhessen.

Gründung

Die Gründung der Kreisgruppe Kassel erfolgte am 15. Juli 1950 in der Gaststätte "Lesch" in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel. Erster Kreisobmann wurde Baurat Dipl. Ing. Karl Mauder.

Der Schwerpunkt des Wirkens der Landsmannschaft lag zunächst auf dem Gebiet der praktischen Lebenshilfe wie Hilfe bei der Arbeits- und Wohnraumbeschaffung. Außerdem wurde Unterstützung bei der Abwicklung von Behördenangelegenheiten wie der Schadensfeststellung für Hausratshilfe und Lastenausgleich gegeben.

Vor dem Hintergrund der sich bessernden wirtschaftlichen Situation der Vertriebenen und gemäß einer zwischen den Spitzen der Vertriebenenverbände vereinbarten Arbeitsteilung verlagerten sich die Aktivitäten der Landsmannschaften auf die Heimat- und Kulturpolitik.

Vor allem auf örtlicher Ebene bildeten sich Gruppierungen, die sich aktiv der Erhaltung des heimatlichen Kulturgutes widmeten. Sing-, Musik- und Laienspielgruppen belebten den durch harte Arbeit geprägten Alltag. Eigene Feste, wie zum Beispiel das "Maibaumfällen" - 1951 in Lohfelden wurden im Rahmen eines Kreistreffens der Vertriebenen durchgeführt - und aktive Teilnahme an Volksfesten in der neuen Heimat, brachten Alt- und Neubürger einander näher.

Auf Kreisebene zählten vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren Vortragsveranstaltungen mit Themen wie Dichterlesungen zum Programm der Landsmannschaft. Auch einige Großveranstaltungen wurden durchgeführt. Von 1961 bis 1967 fanden alljährlich auf dem Warteberg in Kassel unter Mithilfe der Deutschen Jugend des Ostens (DJO) Sonnwendfeiern statt. Bekannte Persönlichkeiten wie die Landsleute Staatsminister Gustav Hacker (1962), Staatssekretär a.D. Walter Preissler (1963 und 1967) sowie Frank Seiboth (1964) u.a. erwiesen der Kreisgruppe als Festredner die Ehre.

1960, anlässlich der 10-Jahresfeier der Kreisgruppe in der Staatl. Ing.-Schule in Kassel, sprach der Bundesminister für Verkehr und langjährige Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft Dr. Ing. Christoph Seebohm.

Die größte Veranstaltung der Kreisgruppe war mit rund 5.000 Besuchern das im August 1991 in Kassel veranstaltete Landestreffen der SL Hessen. Verbunden mit einer Ausstellung über die Geschichte der Sudetendeutschen diente es der Selbstdarstellung der Landsmannschaft, der Pflege des kulturellen Erbes und der Kontaktpflege. An der Spitze der Ehrengäste konnte Landesobmann Alfred Herold den Ministerpräsidenten des Landes Hessen, Hans Eichel, begrüssen.

Zu dieser Veranstaltung kam auch eine Vielzahl von Landsleuten aus Thüringen und Sachsen-Anhalt. Schon bestehende erste Kontakte wurden vertieft. Diese führten 1993 zur Gründung einer Partnerschaft mit der SL-Kreisgruppe Mühlhausen in Thüringen. Mit Beratung und einer finanziellen Unterstützung wurde der Aufbau der dortigen Kreisgruppe gefördert. Gepflegt wird diese Beziehung durch wechselseitige Besuche bei kulturellen Veranstaltungen.

Weitere Höhepunkte waren im Jahre 2005 die Festveranstaltung "55 Jahre Sudetendeutsche Landsmannschaft-Kreisgruppe Kassel-" im überfüllten Saal des Philipp-Scheidemann-Hauses und im Jahre 2006 die Gedenkveranstaltung "60 Jahre Vertreibung" im großen Saal des Ständehauses in Kassel, bei der der Vertriebenenbischof Gerhard Pieschl der Hauptredner war.

Aktivitäten der Kreisgruppe

Stellvertretend für viele weitere soll hier nur die folgende angesprochen werden. Eine Bastelgruppe der OG Lohfelden hat in den Jahren 1984 bis 2000 bei vorweihnachtlichen Basaren ca. 43.200 DM eingenommen. Dieser Betrag wurde in der gleichen Zeit an insgesamt acht soziale Einrichtungen gespendet. Davon gingen allein 24.000 DM an das Kinderdorf Brixen in Südtirol, mit dem die Ortsgruppe seit vielen Jahren in Verbindung steht.

Gedenken

Erstmals 1957 und danach alljährlich gedenkt die Kreisgruppe der Opfer der sudetendeutschen Volksgruppe, die am 4. März 1919 bei friedlichen Demonstrationen für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen, in der damals gerade gegründeten Tschechoslowakei, von tschechischem Militär erschossen wurden. Wiederholt wurde dieses Gedenken mit Kranzniederlegung am Mahnmal in der Karlsaue durchgeführt.

Vereinsorganisation

Mit der zunehmenden Alterung und der Abnahme der Erlebnisgeneration wurde es immer dringender notwendig, die Arbeit an die nächste Generation weiterzugeben. So übergab Lmn. Margit Giebel die Leitung der von Lmn. Hergel 1964 gegründeten Kreisfrauengruppe im Jahre 2006 an Lmn. Gerlinde Hofmann. Im Jahre 2012 fand ein Zusammenschluss mit der Gruppe "Mittlere Generation" statt. Die daraus entstandene "Kreisgruppe" wird seidem von Robert Richter geleitet.

Um einem Vergessen und einer Verfälschung der sudetendeutschen Geschichte mit ihren Verdiensten um die Entwicklung Böhmens, Mährens und Sudetenschlesiens entgegenzuwirken, bemühte sich Lmn. Giebel mit unzähligen Telefonaten, noch in der Heimat 1935 - 1946 geborene Sudetendeutsche ausfindig zu machen und für ihre Wurzeln zu interessieren.

Regelmäßig fahren Kreisgruppenmitglieder zu Pfingsten zum Sudetendeutschen Tag, der jährlichen Großkundgebung der Landsmannschaft, verbunden mit bundesweitem Heimattreffen.

Im Jahresprogramm der SL-Mitglieder steht auch die Teilnahme an dem alljährlich vom Bund der Vertriebenen (BdV) durchgeführten "Tag der Heimat". In den Kasseler Ortsgruppen Mitte und Nord wie auch in Lohfelden finden regelmäßig Treffen der Mitglieder und Gäste statt.

Mahn- und Ehrenmale

Um das Unrecht der Vertreibung und das damit zusammenhängende Leid nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, haben die Vertriebenenverbände in Hessen mehr als 100 Mahn- und Ehrenmale errichtet. Allein zehn davon stehen auf dem Gebiet der Stadt und des Landkreises Kassel. Alle Denkmale werden gepflegt. Als Verantwortliche fungieren Kommunen, der Hessisch-Waldeckische Gebirgsverein, die Vertriebenenverbände BdV bzw. Landsmannschaften und auch Privatpersonen.

Langjährig verdiente Mitglieder wurden dafür mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet: Guido Bernt, Karl Bleil, Franz Breuer, Franz Dietrich, Gustav Focke, Hilde Hergel, Ernst Herz, Wenzel Korschinsky, Helmut Neumann, Heinrich Schams, Günther Söllner, Bruno Wenzel und Wilfried Wenzel.

Gruppen in der Region Kassel

  • Ortsgruppe Kassel-Mitte
  • Ortsgruppe Kassel-Nord
  • Ortsgruppe Lohfelden
  • Kreisgruppe
  • Stammtisch

Kontakte: Dietmar Pfütz - Kreisobmann -, Heupelsbergweg 3, 34123Kassel, Tel.: 0561-51 43 59, Fax: 0561-816 7247, E-Mail: dietmar@pfuetz.de

Links und Quellen