Strufus

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"Niemanden Herr und niemanden Knecht, so war auch Strufus Art, ein hoher Sinn für Freiheit und Recht, mit hilfreichem Herzen gepaart!", heißt es in einer Inschrift über dem Dorfgemeinschaftshaus im Hofgeismarer Stadtteil Hombressen.

Bis heute rankt sich manche Geschichte um den Wilddieb Strufus aus dem 16. Jahrhundert, der in alter Zeit armen und hungrigen Hombresser Waldbauern auch schon einmal ein Stück Wild vor die Haustür gelegt haben soll. Ihm zu Ehren wurde das steinerne Stufuskreuz im Lempetal errichtet, an der Stelle, wo der Wilddieb sein Leben ließ.

Erzählungen über Strufus' Begegnungen mit Forstleuten, Reisig sammelnden Besenbindern und anderen Waldbesuchern oder vom verhexten Ofenstein sind bis heute in der Bevölkerung bekannt.

Auf der Suche nach Strufus

Der legendäre Hombresser Wilddieb soll wieder zum Leben erwachen

Von Peter Kilian

Hombressen. Dornröschen genießt weltweit Ruhm. Ritter Dietrich ist zumindest in Stadt und Landkreis Kassel bekannt. Aber wer ist Strufus? Kann diese Frage von einigen älteren Hombressern auch noch beantwortet werden, zucken die jüngeren ebenso mit den Schultern, wie auch nahezu alle Nicht-Hombresser. Das soll sich nun schon bald ändern.

"Hombressen sucht seinen Strufus" hat die Wählergemeinschaft Soziale Demokraten (WSD) einen Bürgertreff überschrieben, der für Mittwoch, 3. Oktober, 14 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Hombressen anberaumt wurde. An diesem Nachmittag soll es darum gehen, den König der Wilddiebe, Strufus, wieder zum Leben zu erwecken.

Keine Beleidigung

Die enge Bindung zwischen der Hombresser Bevölkerung und Strufus wird jedem klar, weiß man erst, dass ein Hombresser durchaus Wilddieb genannt werden kann, ohne dass dieser es als Beleidigung auffasst. Und noch heute prangt im örtlichen Dorfgemeinschaftshaus in großen Lettern auf der Wand: "Niemanden Herr und niemanden Knecht, so war auch Strufus Art, ein hoher Sinn für Freiheit und Recht, mit hilfreichem Herzen gepaart!"

Viele Geschichten ranken sich um den dreisten Wilddieb, weiß WSD-Sprecher Jürgen Knauf zu berichten. So soll Strufus den armen und hungrigen Waldbauern oftmals ein Stück Wild vor die Haustür gelegt haben, wenn mal wieder nicht genug zu Essen vorhanden war. Da wundere es nicht, dass an der Stelle, wo der Wilddieb sein Leben aushauchte, ein steinernes Kreuz, das so genannte Strufuskreuz, errichtet wurde. Und noch heute, so sagt Knauf, werde es von den Hombressern gern besucht, obwohl es gar nicht so leicht zu finden sei.

Nationalhymne

Ein weiteres liebevolles Bekenntnis der Hombresser zu ihrem Strufus ist das "Strufus- oder Wilddiebslied", das nur in Hombressen gesungen wird. Wenn es angestimmt werde, sagt Knauf, sei es, als würde die Hombresser Nationalhymne erklingen. ...

(Auszug aus einem Artikel in HNA-online vom 27.9.2007)

Jede Geschichte hat zumeist auch einen realen Hintergrund: So stieß nach einem weiteren Bericht in HNA-online vom 4.10.2007 ein Teilnehmer der Hombresser Veranstaltung vom 3.10.2007 während seiner Ahnenforschung auf Prozessakten im Staatsarchiv Marburg, die von dem "peinlichen Verhör" eines Hombressers berichten, der im Jahre 1562 der Wilddieberei bezichtigt wurde. Balthasar Feine - so sein Name - wohnte "uff dem Berge", was in mancher Geschichte auch als Strufus' Zuhause genannt wird.

Hombressen-Kirche.JPG

Die Kirche in Hombressen

Strufus-Sagen

Strufus-Sagen finden sich bei Heinrich Rohde, Weserwellen und Diemelgrand - Geschichten und Sagen aus dem Gebiete der oberen Weser, der Diemel und der Esse, 5. Auflage aus Anlaß seines 50. Todestages, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Micha Röhring, Hofgeismar 1995, S. 333 ff.

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