Stromtrasse

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Info-Veranstaltung in Bad Gandersheim gegen die Stromtrasse

Die Deutsche Energie-Agentur stellte im Februar 2005 die Studie „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore bis zum Jahr 2020“ (dena-Netzstudie I) der Öffentlichkeit vor. Demnach sind bis zum Jahr 2015 neue Verbindungen von 850 Kilometern Länge geplant, zu denen auch die etwa 190 Kilometer lange 380-Kilovolt-Stromtrasse zwischen dem Umspannwerk Wahle im Landkreis Peine (Niedersachsen) und der Umspannanlage Mecklar im Landkreis Hersfeld-Rotenburg (Hessen) gehört. [1] Vorhabensträgerin ist die TenneT TSO GmbH, die bis 2009 zum E.ON-Konzern gehörte.

Vorhabensbegründung

Im Jahr 2007 beschloss die Bundesregierung, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf 25 bis 30 Prozent zu steigern. Außerdem sind neue thermische Kraftwerke geplant, die mehrere Tausend Megawatt Gesamtleistung liefern sollen. Aus der Umsetzung der Strategie der Bundesregierung resultiert eine sehr starke räumliche Konzentration von Windenergieleistung in Norddeutschland, die in die Verbrauchsschwerpunkte im Süden transportiert werden soll. Für den Transport dieser großen Mengen an Strom ist das bestehende Stromnetz in der Region jedoch nicht ausgelegt. Außerdem sieht das Erneuerbare Energien Gesetz vor, dass regenerativ erzeugter Strom in das deutsche Stromnetz eingespeist und abtransportiert wird. [2] Laut der dena-Netzstudie I sind "für die weitere Integration der Erneuerbaren Energien in das Verbundnetz [...] Ausbaumaßnahmen im Höchstspannungsübertragungsnetz notwendig, u. a.: die Verstärkung vorhandener Stromtrassen, der Bau neuer Höchstspannungstrassen, der Bau von Querreglern zur gezielten Steuerung der Lastflüsse und der Bau von Anlagen zur Bereitstellung von Blindleistung." Dazu zählt die Studie insbesondere die Erweiterung des Hochspannungsübertragungsnetztes bis zum Jahr 2015 um insgesamt 850 Kilometer.[3] Im Jahr 2009 sind die gemäß der dena-Netzstudie I benötigten Trassen in das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG 2009) als vordringlich umzusetzende Vorhaben eingeflossen. Das Gesetz beschleunigte den Bau von 24 vordringlichen Leitungsbauvorhaben im Höchstspannungs-Übertragungsnetz (380 kV), zu denen auch der Bau der Trasse zwischen Mecklar und Wahle gehört. Zusätzlich wurde das Vorhaben als eines von vier Pilotvorhaben in das Gesetz aufgenommen, bei denen der Einsatz von Erdkabeln auf der Höchstspannungsebene im Übertragungsnetz getestet werden kann.[4]

Ablauf

TenneT legte zunächst zwei Varianten für den Verlauf der Trasse vor, von denen eine durch die Landkreise Kassel und den Schwalm-Eder-Kreis (Westtrasse), die andere durch den Werra-Meißner-Kreis (Osttrasse) führt. Dabei bestimmte vor allem die Bündelung mit bereits bestehenden Freileitungen, Verkehrswegen bzw. anderen liniengebundenen Infrastruktureinrichtungen die Entwicklung der Planung. Ziel war es, die neue Trasse weitestegehend an die vorhandene Infrastruktur anzulehnen.

Genehmigungsverfahren

Am 25. Mai 2010 leitete das Regierungspräsidium Kassel das Raumordnungsverfahren (ROV) "380-kv-Höchstspannungsverbingung Wahle-Mecklar" ein, bei dem die Vereinbarkeit des Vorhabens mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung geprüft werden sollte, wobei insbesondere Themen wie Immissionsschutz, Siedlungsentwicklung und Natur - und Landschaftsschutz im Mittelpunkt standen.

Am Verfahren wurden die betroffenen Kreise und Kommunen sowie weitere Träger öffentlicher Belange und anerkannte Verbände beteiligt. Im Kern ging es darum zu klären, ob die Leitung über oder unter der Erde verlegt wird.
Varianten der Stromtrasse

Am 12. August 2011 gaben das Regierungspräsidium Kassel sowie Niedersachsens Umweltminister Gert Lindemann den Raumordnungsbeschluss bekannt, nach dem es eine modifizierte Westtrasse geben wird. Die Leitung wird demnach durch den Landkreis Hildesheim laufen, kurz vor Northeim einen westlichen Schlenker um das Vogelschutzgebiet machen und dann an Göttingen vorbeiführen. Sie läuft dann durch den westlichen Landkreis Göttingen an der Autobahn A7 entlang nach Hessen und an Kassel vorbei. Insgesamt soll es in Niedersachsen nur im Bereich Göttingen sieben Kilometer Erdkabel geben.

Die genaue Route wird im anschließenden Planfeststellungsverfahren festgelegt werden, in dessen Rahmen die Anwohner auch gegen den Bau der Trasse klagen können und dessen Ende eine rechtsverbindliche Streckenführung markiert, über die nun das zuständige Umweltministerium in Hannover entscheidet.

Die nordhessiche Regionalversammlung muss sich noch mit der Trasse befassen. Die SPD fordert schon jetzt eine teilweise Erdverkabelung, um die Menschen zu entlasten.[5]

Kritik

Bürgerinitiative "Keine 380-kV-Leitung im WMK"
Gegen die geplante oberirdische Höchstspannungsleitung zwischen Wahle und Mecklar haben sich seit dem Jahr 2007 insgesamt 19 Bürgerinitiativen formiert, deren Ziel meist eine Erdverkabelung ist. Nach Schätzungen der Kritiker sind im Umfeld der Strecke 100.000 Menschen direkt von der Trasse betroffen. Viele Bürger befürchten finanzielle Nachteile, eine Verschandelung der Landschaft durch die Masten und auch gesundheitliche Folgen. Ärzte warnen im Umfeld von Trassen etwa vor einer erhöhten Leukämiegefahr für Kinder.

Immobilienexperten befürchten zudem sinkende Grundstückspreise um 25 Prozent und mehr. [6]

Siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Internetauftritt der Deutschen Energie-Agentur GmbH: dena-Netzstudie I
  2. Broschüre der tenneT TSO GmbH zur Trasse von Wahle nach Mecklar
  3. Internetauftritt der Deutschen Energie-Agentur GmbH: dena-Netzstudie I
  4. Originaltext des Energieleitungsausbaugesetz auf den Seiten des Bundesministeriums der Justiz
  5. HNA.de vom 12. August 2011: Stromtrasse: West-Variante kommt - einzelheiten bekannt gegeben
  6. HNA.de vom 11. August 2011: Umstrittene Stromtrasse: Morgen präsentiert Umweltminister die Strecke