Straßenbahn in Kassel

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Hauptbahnhof Kassel mit alter Straßenbahn nach einer Ansichtskarte

Im Stadtbild sind die Straßenbahnen heute selbstverständlich, und ohne ihre Tram können sich die meisten Kassel nicht vorstellen. Aber bis zum modernen Schienenfahrzeug, wie es die Menschen in Kassel heute kennen, war es ein langer Weg.

Geschichte

Aus Feldner´s Stadtlexikon

Die Pferdebahn verkehrte von 1897 bis 1909 zwischen Altmarkt und Wolfsanger.

Alles begann damit, dass, nachdem Kassel 1866 preußisch geworden war, in der Stadt so etwas wie Fremdenverkehr entstand. Der Bergpark Wilhelmshöhe, der Herkules, das Schloss Wilhelmshöhe waren attraktive Besuchsziele, da lohnte es sich bald, eine Transportmöglichkeit nach Wilhelmshöhe und zurück einzurichten.

Zunächst verband ein Pferdeomnibus die Innenstadt mit dem Bergpark, in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Dann nahm sich ein Kasseler Buchhändler, Georg Wiegand, der Sache an. Weil er in Deutschland weder einen Investor noch die nötigen Finanzmittel auftreiben konnte, wandte er sich an eine Londoner Firma, ihn beim Bau einer Straßenbahnverbindung zu unterstützen.

Die Cassel Tramway Company Ltd. wurde gegründet und die sechs Kilometer lange Strecke vom Königsplatz bis fast zum Schloss gebaut. Ab dem 9. Juli 1877 verkehrte die Dampf-Straßenbahn in Kassel auf der Strecke vom Königsplatz bis zum Schloss Wilhelmshöhe. Die erste Straßenbahn Europas mit Dampfantrieb vom Königsplatz nach Wilhelmshöhe brauchte 1877 für sechs Kilometer Wegstrecke rund 30 Minuten. Der Fahrpreis betrug 30 Pfennig.

Ein paar Jahre später richtete eine weitere Firma eine Straßenbahnverbindung ein: eine Pferdebahnstrecke, die den Hauptbahnhof berührte und in die Holländische Straße führte. 1897 übernahm die Große Casseler Straßenbahn AG, die Urgroßmutter der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), den Straßenbahnbetrieb und baute ihn weiter aus. Im ersten Halbjahr 1898 stellte sie den Betrieb der Dampf-Straßenbahnen ein, die Strecken wurden elektrifiziert.[1]

Geschichtliche Daten

Casseler Straßenbahn um 1900
  • 1884: Die Aktiengesellschaft "Casseler Stadteisenbahn" eröffnet zwei Pferdebahnlinien.
  • 1900: Der Ausbau des Grundnetzes für die Strassenbahn in der Stadt ist beendet.
  • 1936: Die Strassenbahn fährt durch den Freiheiter Durchbruch.
  • 1939: Die "Kasseler Verkehrs-Gesellschaft Aktiengesellschaft" wird am 16. Juni durch Zusammenlegung der "Grosse Casseler Strassenbahn" und der KOG gegründet.
  • 1960: Einführung des Einmannbetriebes (ohne Schaffner) auf allen Omnibuslinien, ab 1963 auch in den Strassenbahnen.
  • 1962: Einstellung des Oberleitungsbusbetriebes.
  • 1966: Die Herkulesbahn wird am 11. April endgültig eingestellt und durch Omnibusse ersetzt.
  • 1968: Kassels erste Tunnelstrecke am Hauptbahnhof geht am 1. Februar in Betrieb.
  • 1969: Der erste MAN-Standardlinienbus kommt zum Einsatz.
  • 1981: Inbetriebnahme der 16 Strassenbahnwagen (N8C) und beendigung des planmässigen Einsatzes der zweiachsigen Trieb- und Beiwagen.
  • 1984: Fertigstellung des 1979 begonnenen Um- und Erweiterungsbaues des Strassenbahnbetriebshofes Wilhelmshöhe.
  • 1990: Die ersten Niederflur-Strassenbahnen treffen im Oktober in Kassel ein.
2011: Die am Eröffnungstag mit Blumen geschmückte Tram kommt in Vellmar an.
  • 1994: Der Nordhessische VerkehrsVerbund (NVV) wird am 13. Juli gegründet.
  • 2010: Im Herbst beschweren sich Kasseler Bürger. Sie fühlten sich durch den Lärm der Straßenbahnen der KVG belästigt. [2] Als erstes Nahverkehrsunternehmen in Deutschland stellt die KVG ihre gesamte Busflotte und die ihrer Subunternehmer CO2-neutral.
  • 2011: Mit der Jungfernfahrt und einem großen Bürgerfest wird am 22. Oktober die verlängerte Tramlinie 1 zwischen Kassel und Vellmar eröffnet.
  • 2014: Die KVG verkauft 14 alte Straßenbahnen, welche vor dem Jahr 1986 gebaut wurden, nach Polen. Die Bahnen sind zusammen mehr als 20 Millionen Kilometer gefahren. Zusammen mit anderen Trams aus dem Ruhrgebiet sollen aus 40 Bahnen 25 funktionsfähige gemacht werden. Der Rest soll als Ersatzteillager dienen. Im Betriebshof Wilhelmshöhe präsentierte die Verkehrsgesellschaft, am 16. April 2014, ein letztes mal die Fahrzeuge der Baujahre 1981 bis 1986.

Regiotram und Straßenbahn

RT 9: RegioTram-Haltestelle am Leipziger Platz in Bettenhausen.

Neben den herkömmlichen Straßenbahnen (Trams) befahren besondere Regiotram-Fahrzeuge sowohl das Schienennetz der Deutschen Bahn als auch das Straßenbahnnetz, so dass für die Fahrgäste ein Umsteigen entfällt.

Das Projekt wird unter anderem vom Nordhessischen Verkehrsverbund, der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft, deren Tochterunternehmen Regionalbahn Kassel (RBK) und der Deutschen Bahn betrieben.

Daneben verkehren die herkömmliche Straßenbahnen in Kassel, deren Linien nach und nach ins Umland verlängert werden.

Grimm-Tram

Anfang 2013 war eine Straßenbahn mit Motiven rund um die Brüder Grimm und das Jubiläumsjahr in Kassel unterwegs. Die Tram wurde extra für das Grimm-Jahr gestaltet, dessen Startschuss am 20. Dezember 2012 fiel. An diesem Datum jährte sich die Erstausgabe der weltbekannten Kinder- und Hausmärchen zum 200. Mal.

Die Straßenbahn wurde von der Arbeitsgemeinschaft Grimm 2013 und der Landesausstellung Expedition Grimm präsentiert. Auf der einen Seite waren Impressionen zum Grimm-Jahr zu sehen: Neben dem Schriftzug „Grimm 2013: Wir feiern die Brüder Grimm“ zierten Fotos der Kasseler Brüder-Grimm-Statue, und einer Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen die KVG-Tram sowie Bilder von verschiedenen Veranstaltungen rund um die Märchen.[3]

Video von historischen Straßenbahnen in Kassel

siehe auch

Verbindungen

(eine Auswahl - Stand 2012)

Tram 8 in Richtung Kaufungen, Papierfabrik am Leipziger Platz in Bettenhausen

RegioTram:


Tram:

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Uwe Feldner: Stadt-LEXIKON - (Fast) alles über KASSEL, erschienen im Herkules Verlag
  2. HNA.de vom 3. November 2010 Kasseler Bürger beschweren sich über den Lärm von Straßenbahnen in Kurven und an Steigungen
  3. Aus HNA.de vom 7. Januar 2012: Grimm-Tram rollt durch Kassel

Weblinks