Straßen und Plätze in Kassel

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Der Königsplatz - ca. Mitte der 1990-er Jahre
Blick entlang der oberen Treppenstrasse Richtung Scheidemannplatz

In Kassel gibt es 1387 benannte Straßen und Plätze (Stand: Mai 2014).

Tiernamen (z.B. Adlerweg), Baumnamen (z. B. Ahornweg), Fluß- und Ortsnamen und immer wieder Flurbezeichnungen finden sich unter den Namen. Hinzu kommen viele Bezeichnungen mit Personenbezug.

Einige der Kasseler Straßennamen offenbaren dabei eine besonders überraschende oder interessante Herkunft. Hier ein paar Beispiele:

  • Wolfsschlucht: Heulende Wölfe haben sich nie in dieser Schlucht herumgetrieben. Der Name geht auf Johann Heinrich Wolff (1792-1869) zurück, den Architekten und Erbauer der ersten Häuser an dieser Straße.
  • Adolfstraße: Die Straßenbezeichnung ist keinesfalls ein Überbleibsel des Führerkults, dessen Beseitigung nach dem Krieg vergessen wurde. Der Name bezieht sich nachweisbar auf einen Wehlheider Bürger des 19. Jahrhunderts.
  • Hafenstraße: Namensgeber war der 1895 für den Schiffsverkehr freigegebene Kasseler Hafen. Zwischen der Leipziger Straße und dem Fuldahafen lagen einst aber auch das Gelände der ehemaligen Herkules-Brauerei (Hafenstraße 54) und die Gebäude des „Konsum- und Sparvereins Cassel und Umgebung“ mit Dampfbäckerei, Konditorei, Schlachterei und Limonadenfabrik (Hafenstraße 76).
  • Henner-Piffendeckel-Platz und Scheidemannplatz: Kassels ehemaliger Oberbürgermeister Philipp Scheidemann (1865-1939) wird gleich zweimal geehrt. Einmal mit seinem Mundartdichter-Pseudonym Henner Piffendeckel.
  • Himmelsgasse: die kleine Gasse, Stichstraße nördlich der Kronenstraße, ist eine der ältesten Straßen (Gassen) von Harleshausen; sie wurde wahrscheinlich nach der Familie Himmel oder Himmelreich benannt, die nachweislich von Anfang des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts hier wohnte und Besitz hatte.
  • Opernplatz, vielfach auch als Spohrplatz bezeichnet: er befindet sich an der Opernstraße im Stadtzentrum Kassels und grenzt etwa in Höhe des Friedrichsplatzes an die Königsstraße an. Hier finden sich heute Geschäfte, Gastronomie und bereits seit 1883 das Denkmal für Louis Spohr, Hofkapellmeister und Komponist an der Kasseler Oper in den 1820er bis 1850er Jahren. Tatsächlich gab es hier an der Königsstraße/ Ecke Opernplatz ehemals, d.h. von den 1760-er Jahren bis in die 1900-er Jahre eine Oper, etwa dort, wo sich heute das Kaufhofgebäude befindet und die Opernstraße entlangführt.
  • Schöne Aussicht: die Schöne Aussicht liegt am Hang über der Karlsaue. Die Kasseler Bellevue wurde als Straße mehrfach umbenannt. Sie hieß Weinbergstraße, dazwischen auch Prinz-Georg-Straße und schließlich Schöne Aussicht.
  • Seidenes Strümpfchen: Vermutlich arbeiteten in dieser Gasse einst Huren. Wolfgang Schmidt vom Amt für Vermessung und Geoinformation sagte einmal, es handelte sich wohl um ein „zwielichtiges Umfeld“. [1]
  • Theaterstraße: das „Gnadengässchen“ wurde um 1897 zur Theaterstraße verbreitert, wofür man einen vorstehenden Seitenflügel der Kommandantur abbrach; der Straßenname bezog sich auf das nahe Hoftheater am Opernplatz (jetzt Kaufhof), und 1898/99 übernahm man ihn auch für die Schulstraße bis zum Friedrich-Wilhelms-Platz.
  • Togoplatz: der zentrale Platz in der Städtischen Siedlung des Kasseler Stadtteils Forstfeld ist nach der ehemaligen deutschen Kolonie Togo im Westen Afrikas benannt. Togo war von 1904 bis 1914 eine deutsche Kolonie.
  • Treppenstraße: zwischen dem Kulturbahnhof (ehemals Hauptbahnhof) und der Kasseler Innenstadt überbrückt die Treppenstrasse 15 m Höhenunterschied auf 300 m Länge. Die Straße, 1953 im zeittypischen Stil entstanden, bildet mit der Kurfürstenstraße eine den Kulturbahnhof und den Friedrichsplatz verbindende Achse. In regelmäßigen Abständen wird dabei die Treppe von kleinen Plätzen unterbrochen.

Straßenbezeichnungen

Altenbaunaer Strasse in Kassel-Oberzwehren

Straßennamen mit Geografiebezug

Zahlreiche Namen von Straßen und Plätzen in Kassel haben Bezug zu Städten oder Dörfern, letztere oft aus der näheren Umgebung.

Beispiele sind die Altenbaunaer Straße, Bremer Straße, Carlsdorfer Straße, Dresdner Straße, Ehrstener Weg, Frankfurter Straße, Helmarshäuser Straße, Karlshafener Straße, Korbacher Straße, Leipziger Straße, Mariendorfer Straße, Melsunger Straße, Ochshäuser Straße, Wolfhager Straße und viele andere mehr.

Geografiebezug haben weiterhin Straßen und Plätze, die sich auf Höhenzüge, Gebirge oder Gewässer beziehen, wie etwa die Escheberg- und die Rhönstraße, der Spessart- und der Sollingweg oder der Forstbach- und der Wahlebachweg.

Straßen mit Geschichtsbezug

Zu den vielen Straßen und Plätzen mit Geschichtsbezug gehören etwa die Artilleriestraße oder die Kupferhammerstraße, ebenso der Karlsplatz, der Königsplatz oder der Platz der Deutschen Einheit.

Zu ihnen gehören aber auch die zahlreichen Plätzen und Straßen in Kassel mit einem persönlichen Namensbezug.

Straßennamen mit Personenbezug

Der Bebelplatz, benannt nach August Bebel aus der Luft. - Foto: HNA

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf Artikel von Bastian Ludwig in HNA-online vom 11.2. und 23.5.2014: [2]

Eine Vielzahl der mehr als 1300 Plätzen und Straßen in Kassel, nämlich 508 haben einen persönlichen Namensbezug. Ungefähr ein Drittel dieser Personen sind Kasseläner, Kasselaner und Kasseler.

Seit 2002 werden alle neuen Straßenschilder, die sich auf Personen beziehen, automatisch von der Stadtverwaltung mit Zusatzschildern versehen. Seit 2009 und dank einer Spende der Kasseler Bank sind weitere Zusatzschilder erstellt worden. Knapp 80 Schilder waren schon in den 1990er-Jahren durch Zusatztexte ergänzt worden, weitere 395 kamen nun in den vergangenen vier Jahren hinzu. Nach Abschluss des Projekts gibt es aber noch 25 Benennungen, die trotz langwieriger Recherche keiner eindeutigen Herkunft zugeordnet werden konnten. Ein Problem ist, dass im Krieg viele Dokumente vernichtet wurden.

Das Fachamt Vermessung und Geoinformation und das Stadtarchiv, die für das Projekt zusammenarbeiteten, haben Interessantes und Kurioses zur Bedeutung der Straßennamen zusammengetragen.

siehe dazu auch:

Klassiker unter den Kasseler Straßennamen

Irrtümer: Bier statt Bürgermeister

Bei einigen Straßennamen waren die Historiker lange Zeit von einer anderen Herkunft ausgegangen. Hier eine Auswahl:

  • Sternstraße: Ursprünglich nahm man an, die Straße sei nach dem Kasseler Bürgermeister Caspar Heinrich Ludwig Stern (1813-1822) benannt. Das Stadtarchiv fand heraus, dass die Straße den Namen wegen eines früher dort ansässigen Wirtshauses („Zum Stern“) erhielt. Der Platz „Am Stern“ hat seine Bezeichnung übrigens erst 1987 offiziell bekommen. Vorher trug nur die dortige Haltestelle diesen Namen wegen des Gleiskreuzes.
  • Breithauptstraße: Es war vermutet worden, die Straße sei nach dem Fabrikanten geodätischer Instrumente, Friedrich-Wilhelm Breithaupt, benannt. Tatsächlich trägt sie den Namen wegen des Offiziers und Erfinders Wilhelm Ritter von Breithaupt (1809-1889).
  • Gerstäckerstraße: Geehrt wird der Reise- und Abenteuerschriftsteller Friedrich Gerstäcker (1816-1872). Zunächst nahm man an, die Straße sei nach Carl-Friedrich Gerstäcker benannt, einem früheren Opernsänger und Schauspieler des Kasseler Hoftheaters.
  • Otto-Braun-Straße: Die Straße ist nicht - wie lange vermutet - nach dem Chemiker und Politiker Dr. Otto Braun benannt, sondern nach dem gleichnamigen preußischen Ministerpräsidenten (1872-1955).

Familie geehrt: Vorderer Westen

Der Gründer des Stadtteils Vorderer Westen, der Fabrikant Sigmund Aschrott (1826-1915), verewigte in den dortigen Straßennamen seine Familie.

  • Annastraße: Ehefrau Anna Aschrott (1833-1890)
  • Olgastraße: Tochter des Stadtteilgründers, Olga Mengers (1869-1948)
  • Reginastraße: Regina Aschrott (1799-1886), Mutter von Sigmund Aschrott.

Ungeklärte Fälle: Manche Namen sind noch offen

Bei folgenden Straßennamen konnte das Stadtarchiv die Herkunft zunächst nicht zweifelsfrei klären. Oft gab es mehrere Erklärungen und die Stadt bat um Hinweise aus der Bevölkerung:

Amalienstraße, Backmeisterweg, Berneburgstraße, Eckhardsborn, Emilienstraße, Franzgraben, Haroldplatz, Haroldstraße, Hausmannstraße, Hermannstraße, Jakobsgasse, Johannesstraße, Josephstraße, Knaustwiesen, Lambertweg, Marienstraße, Richardweg, Rieckstraße, Rolandstraße, Siebertweg, Sophienstraße, Tapsgasse, Waldmannstraße, Weidlingstraße, Wendelstadtstraße.

Lt. HNA-Artikel vom 23.5.2014 konnten inzwischen zumindest folgende Straßenbezeichnungen geklärt werden:

  • Franzgraben: Das ist eine Verballhornung des Namens Brantsgraben oder Branthayngraben, die wiederum auf frühere Anwohner der Straße zurückgehen. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Name verschliffen. Im Kataster von 1686 ist die Straße schon unter „Frantz-Graben“ aufgeführt.
  • Josephstraße: Benannt nach dem um 1855 geborenen Joseph Kühne. Der Schreiner siedelte als Erster an der heutigen Straße.
  • Richardweg: Namensgeber des Richardwegs ist der Sohn des Grundstückseigentümers Georg Knetsch, der damals Mitte der 1880er-Jahre den Grund und Boden zur Bebauung freigab.
  • Siebertweg: Geht zurück auf den Wahlershäuser Kaufmann Julius Siebert (1829-1895), der auch Mitglied im Stadtrat war (1880-1895) und einer der ersten Anwohner des Villenviertels Wilhelmshöhe.
  • Wendelstadtstraße: benannt nach Eduard Wendelstadt (1815-1899). Dieser war geheimer Regierungsrat und Gründer des pomologischen Gartens in Kassel (später Landwirtschaftliche Versuchsanstalt Oberzwehren).

Weitere Kasseler Namensgeber

Ritt durch Geschichte: Hier ein Abriss einiger Straßennamen, die auf Persönlichkeiten zurückgehen, die zumindest zeitweise in Kassel lebten:

siehe auch

Aus der Broschüre zur Ausstellung "50 Jahre documenta"

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 11.2.2014: Wölfe heulten hier nie - Straßennamen und ihre Bedeutung
  2. HNA-.online vom 23.5.2014: Pionier vom Brasselsberg mit Rieckstraße geehrt

Weblinks