Stolzenbach

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Stolzenbach
Kirche Stolzenbach.jpg
Evangelische Kirche von Stolzenbach
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Schwalm-Eder-Kreis
Stadt: Borken (Hessen)
Einwohner: 118
Postleitzahl: 34582
Vorwahlen: 05682
Kfz-Kennzeichen: HR
Stadtverwaltung: Am Rathaus 7
34582 Borken
Bürgermeister: Marcel Pritsch-Rehm (FWG)
Ortsvorsteher: Ulrich Kiwitt

Stolzenbach ist einer der kleinsten Stadtteile der nordhessischen Kleinstadt Borken im Schwalm-Eder-Kreis.

Gemarkung und Lage

Stolzenbach hat eine Fläche von 202 Hektar und liegt in einem Seitental der Olmes, zwischen dem Weinkopf im Norden und dem Leuteberg im Süden.

Der Ort liegt etwa 8 km südwestlich von Homberg (Efze).

Geschichte

Stolzenbach wurde erstmals 1250 als "Stolzinbach" urkundlich erwähnt.

Lange Zeit gehörte der Ort zum Amt Borken, ab 1821 zum Kreis Homberg, ab 1932 zum Kreis Fritzlar-Homberg und ab 1974 zum Schwalm-Eder-Kreis.

Am 31. Dezember 1971 gab die bis dahin selbständige Gemeinde Stolzenbach ihre Selbständigkeit auf und wurde ein Stadtteil der Stadt Borken.

Grubenunglück

Seit den 1950-er Jahren wurde in der Schachtanlage Stolzenbach Braunkohle im Untertagebau gefördert. Überregional bekannt wurde der Ort im Borkener Braunkohlerevier, als am 1. Juni 1988 durch eine Explosion in der bis zu 170 m tiefen Grube Stolzenbach 51 eingefahrene Bergleute ums Leben kamen. Sechs weitere Bergleute konnten nach 65 Stunden aus dem Stollen gerettet werden. Mit Hilfe eines Richtmikrofons und unzähligen Metern zusätzlichen Kabels gelang es seinerzeit, ein Rundfunk-Mikrofon in die Tiefe zu lassen, wo dann Scharren und Klopfen aus der Tiefe zu hören war. Im Jahre 2013 jährte sich das tragische Grubenunglück von Stolzenbach zum 25. Mal.

Wenige Tage nach dem verheerenden Grubenunglück von Stolzenbach gab es einen Gedenkgottesdienst. Für jeden der 51 Toten wurde eine Kerze entzündet. Bis zum Herbst 1988 trafen sich Angehörige und Hinterbliebene alle zwei Wochen, später in größeren Abständen – insgesamt drei Jahre lang.[1].

Der Bergbau in der Grube Stolzenbach wurde nach dem Unglück eingestellt und an der Stelle, an der sich der Seilfahrtschacht befunden hat, ein Gedenkstein gesetzt. 22 Jahre nach dem Grubenunglück wurde das Ereignis aufgerollt und vor Gericht erörtert[2]. Am 7. Juli 2010 begann ein Prozess vor dem Landgericht Kassel, in dem die Witwe eines damals tödlich verunglückten Bergmannes klagte. Die Zivilklage auf Schadensersatz richtet sich gegen den damaligen Bergwerksdirektor und gegen die EON-Kraftwerke GmbH als Rechtsnachfolger. Grundlage für das Verfahren waren Recherchen der hr-Autoren Oliver Schmid und Nick Pietzonka. Bei ihren Recherchen für die Dokumentation "Der Tag, als die Grube explodierte" stießen die Journalisten im Archiv des Regierungspräsidiums Kassel auf ein brisantes Gutachten. Die Gefahr, dass der Braunkohlenstaub im Borkener Revier explosionsgefährlich war, soll der Grubenleitung und den Bergbehörden mehr als 20 Jahre vor dem Unglück bekannt gewesen sein[3]. Gegen das klageabweisende Urteil des LG Kassel [4] legte die Klägerin Rechtsmittel ein.

Am ehemaligen Seilfahrtschacht befindet sich heute die Gedenkstätte Schachtanlage Stolzenbach, an der Hinterbliebene alljährlich am 1. Juni zum stillen Gedenken zusammenkommen.

Betreut wird die Gedenkstätte durch das Hessische Braunkohle Bergbaumuseum.

Kirche

Auf den Dach der kleinen Saalkirche am Ort wurde ein verschieferter Dachreiter platziert mit einer leicht geschweiften Haube.

Die Kirche verfügt im Altarraum über ein bemerkenswertes Kirchenfenster aus dem Jahre 1996, das von dem Künstler Hermann Pohl gestaltet wurde. Neben Christus, der dreifach dargestellt ist, wird mit der Abbildung der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, an das Grubenunglück in Stolzenbach im Jahr 1988 erinnert[5].

Persönlichkeiten

siehe auch

Tradition

Tradition über fast vier Jahrzehnte hat der alljährliche Volkswandertag in Stolzenbach, den der örtliche Feuerwehrverein veranstaltet.

Wandern

  • Borkener Braunkohle-Rundwanderweg: der Rundwanderweg vermittelt auf vier Teilstrecken die landschaftlichen Folgen des Bergbaus. Er führt zum Borkener See, der Gombether Grube oder der Gedenkstätte in Stolzenbach. - Startpunkt des 32 Kilometer langen Braunkohlerundweg ist das Museumsgebäude in der Borkener Altstadt. Die Wanderung führt durch insgesamt zehn Stadtteile und die Borkener Kernstadt, vorbei an 20 früheren Bergbaubetrieben, hin zu den Standorten des Hessischen Braunkohle Bergbaumuseums. Auch die Gedenkstätte Stolzenbach, die an das Borkener Grubenunglück des Jahres 1988 erinnert, befindet sich am Braunkohlerundweg. - Weitere ausführliche Informationen enthält die 120-seitige Publikation „100 Jahre Braunkohle Borken – Der Borkener Braunkohlerundweg“, die auch einen Überblick zur Geschichte des Borkener Braunkohlereviers enthält.

Weblinks und Quellen

  1. HNA-online vom 30.5.2013: Grubenunglück in Stolzenbach - Hilfsprogramm für Angehörige
  2. HNA-online vom 1.6.2013: Grubenunglück in Borken: Noch sind viele Fragen offen
  3. hr-online vom 28.5.2013 zum Grubenunglück und Gerichtsverfahren
  4. HNA-online vom 14.8.2014 - Grubenunglück in Borken: Richterin weist Klage ab
  5. Informationen zur Kirche in Stolzenbach auf www.ekkw.de