Stolpersteine im Altkreis Hofgeismar

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Stolpersteine sind Gedenksteine an Menschen, die während des Dritten Reiches von den Nationalsozialisten verschleppt, gefoltert, ermordet oder in den Freitod getrieben wurden.

Stolpersteine erinnern an ermordete jüdische Nachbarn

41 Tote haben ihre Namen zurück

(aus: HNA-online vom 10.12.2010 )""
Schüler der Grundschule Grebenstein spielen ein Musikstück bei Stolpersteinen. FOTO: tty

Grebenstein/ Hofgeismar. Bis vor 70 Jahren betrieben Else und Bernhard Mandelstein im Haus Hochzeitsberg 6 in Grebenstein ein Textil-, Schuh- und Möbelgeschäft. Als die Repressalien der Nationalsozialisten immer schlimmer wurden, gelang es ihren Kindern Walter, Irma und Rudolf, nach Amerika und Palästina zu entkommen. Alle Versuche, ihre Eltern nachkommen zu lassen, scheiterten jedoch. Das Ehepaar Mandelstein musste Grebenstein 1939 verlassen, flüchtete nach Thüringen. 1942 wurden sie nach Leipzig befohlen und dann im Vernichtungslager Belzyce ermordet.

Schicksale wie diese sind mit allen 41 Stolpersteinen verbunden, die der Künstler Gunter Demnig gestern im Pflaster vor den früheren Wohnhäusern in Hofgeismar und Grebenstein einbaute - in der 608. und 609. Kommune seiner Aktion. Die 95 Euro pro Stein wurden von Steinpaten - in Hofgeismar unter anderem die Herwig-Blankertz-Schule - getragen, in Grebenstein teilten sich Stadt und Stadtsparkasse die Kosten. In beiden Städten bereiteten die Bauhöfe das Pflaster vor.

Während der Künstler jeweils wortlos seine Pflasterarbeit verrichtete, mahnten die Teilnehmer der Rundgänge - darunter Politiker, engagierte Bürger, Schüler und der Runde Tisch in Hofgeismar - an die Verantwortung zur Erinnerung und dass sich derart Menschenverachtendes wie vor 70 Jahren in Deutschland niemals wiederholen dürfe.

Bürgermeister Danny Sutor (Grebenstein) sagte, dass die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradierten NS-Opfer so ihre Namen zurückerhielten. Gleichzeitig betonte er, dass mit der Verlegung vor den Haustüren keinesfalls eine Schuldzuweisung verfolgt werde. In Hofgeismar sagte Bürgermeister Heinrich Sattler, dass bei einem ersten Anstoß vor etlichen Jahren die Zeit noch nicht reif war. Jetzt aber könne sich dem Innehalten und Erinnern niemand mehr verschließen. Weitere Stolpersteine folgen 2011 in Calden und Immenhausen. (tty)

Umsetzung

Es handelt sich um ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, mit dem inzwischen in fast 500 Orten im In- und Ausland an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird.

Gunter Demnig beim Verlegen von Stolpersteinen FOTO: Heinrich Nuhn

Direkt vor der Haustür ihrer letzten frei gewählten Wohnung wird ein 10 x 10 x 10 cm großer Betonstein mit einer Messingplatte in den Bürgersteig eingelassen, mit dem Schriftzug „Hier wohnte“ sowie mit Namen, Geburtsjahr, Datum der Deportation und Angaben über das Schicksal des betroffenen Menschen.

Als „blinkende Erinnerungen“ geben die kleinen Stolpersteine den Opfern ihre Namen zurück und zeigen, dass Geschichte vor der eigenen Haustür oder in direkter Nachbarschaft geschieht.

Die Stolpersteine werden auf den Bürgersteigen verlegt, die Eigentum der Stadt sind; sie gehen dadurch in deren Eigentum über. Damit „schenken“ die Spender also der Stadt ein Kleindenkmal, das an die unheilvollen Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert – zur Mahnung für alle nachfolgenden Generationen.

siehe auch

Quellen und Weblinks