Stoffel Winkel

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Bauernguerilla im Solling - Stoffel Winkel und die widerständigen Bauern im Dreißigjährigen Krieg

Stoffel Winkel (oder Winkelstoffel), der eigentlich Stoffel Schildknecht hieß, lebte im frühen 17. Jahrhundert in Lippoldsberg.

Er war mit Trina Heistermann verheiratet. Als sich im Dreißigjährigen Krieg auch im Solling Überfälle unterschiedlicher Söldnerheere häuften (vgl. dazu auch den Artikel: Dreißigjähriger Krieg - Söldnerheere im Solling), griffen die Bauern in den 1620er Jahren wie im Harz und in der Heide zur Selbsthilfe. Mehrere hundert Männer aus den Sollingdörfern sowie einige „verlaufene Knechte“ bewaffneten sich und legten im Wald Verstecke an. Einer ihrer Anführer wurde Stoffel Winkel. Wilhelm Havemann schreibt in seiner Geschichte der Lande Braunschweig-Wolfenbüttel über ihn:

„Im Solling warf sich 1627 Winkel Stoffel aus Lipsberge zum Anführer über 600 Bauern und verlaufene Knechte auf, mit denen er bis vor die Tore Einbecks streifte; zersprengte Scharen des dänisch-deutschen Heeres behaupteten sich gleichzeitig im Solling und im Grubenhagenschen. (...) Seitdem verfuhr Tilly herrischer und ungestümer denn zuvor, erbittert, dass sich Bauern im Solling durch die Habgier in großen Scharen zusammenrotteten und die vereinzelten Abteilungen der Katholischen erschlugen.“

Allmählich wurden die Aktivitäten der schlecht bewaffneten Bauernhaufen für die Obrigkeiten immer bedrohlicher.

So musste der Braunschweiger Herzog Friedrich Ulrich am 17. Mai 1627 feststellen, dass sich im „Harz und im Solling viele Untertanen zusammenrottierten und sich zur Plackerei, Niederwerfung, Landzwingerei und Mordbrennerei“ gebrauchen ließen. Er drohte den Aufrührern, die im „räuberischen Leben“ verharren wollten, mit Tillys Soldaten und dem Tod.

Als Rache dafür, dass ein Lippoldsberger einen Kaiserlichen erschlagen hatte, zündeten Tillys Leute 1628 eine Scheune im Weserdorf an. Stoffel Winkel selbst wurde bei einer Auseinandersetzung mit einem „Mitgesellen“ in Bodenfelde erschossen. Seine „Mitconsorten“ begruben ihn am 14. Juli 1627 in seinem Heimatdorf.

Der Tod des populären Bauernführers und die scharfe Verfolgung der widerständigen Sollinger durch Tillys Truppen ließen die Unruhen in der Uslarer Gegend für einige Zeit einschlafen.

Sie lebten ein paar Jahre später wieder auf, als Jürgen Stricker aus Dinkelhausen Männer um sich scharte. Am 17. November 1631 empörte sich der braunschweigische Herzog über diese Bande, die auch in benachbarte Ämter einfiel. Eine Gruppe um Michael Stock aus „Vahlde“ machte schließlich zwei Jahre später die Waldstraßen unsicher.

Dr. Wolfgang Schäfer

siehe auch