Stockhaus in Kassel

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Die Ansicht von 1789 enthält die einzige bekannte Darstellung des Kasseler Stockhauses.

Dieses Gefängnis, in dem die sogenannten Eisengefangenen inhaftiert waren, erkennt man am Knick der Unteren Karlsstraße (mit Dreiecksgiebel, vor der Garnisonkirche).

Die Insassen stammten aus ganz Hessen. Die Gefangenen der ersten Klasse (die den Verlust der Ehre bedeutete) trugen besonders schwere angeschmiedete Beineisen, hatten im Stockhaus Arbeiten wie das Raspeln von Holz zu verrichten, außerhalb reinigten sie unter Bewachung die Straßen und (vor 1767) die Festungsgräben, ebenso die Kloaken der Militärgebäude und Gefängnisse.

Die Gefangenen der zweiten, „ehrlichen“ Klasse hatten Hilfsarbeiten für Handwerker, beim Wasserbau und in der Karlsaue zu verrichten und wurden bis 1767 auch für Arbeiten an den Festungswerken eingesetzt. 1786 führte man für leichte Vergehen eine weitere Klasse ohne Beineisen ein, und ab 1817 bestanden drei Klassen mit und eine vierte ohne Eisen. Unter Landgraf Wilhelm IX. wurden die Eisengefangenen nach 1789 nach Art der französischen Revolutionäre gekleidet.

Das Stockhaus war um 1747-49 an der Innenseite des Festungswalls errichtet worden; nach dessen Abtragung kam die fensterlose Rückfront genau im Blick von Friedrichs- und Königsplatz zu stehen und erhielt deshalb aufgemalte Fenster und jenen Giebel. Die Einrichtung erregte jedoch – nicht nur wegen der dortigen Exekutionen – Anstoß bei den Nachbarn, und in den 1820er Jahren galt sie auch wegen der neuen Nachbarschaft des Residenzpalais am Friedrichsplatz (Station 5) und des Regierungsgebäudes am Königsplatz (Nr. 32-34) als unpassend. Daher verlegte man 1823 die erste Klasse nach Ziegenhain (wo die Strafanstalt noch heute besteht); die übrigen Klassen kamen in das bisherige „Spinnhaus“ am Unterneustädter Mühlenplatz, welches zuvor nur weibliche Gefangene aufgenommen hatte. Das Gebäude wurde auf Abbruch verkauft und durch Wohnhäuser ersetzt.