Stinkattacke auf die Läuse

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Zu der historischen Serie trägt Adam Ritze, Ria Ahrend und auch Erinnerungen anderer Leser bei.

ADAM RITZE, geboren im Juni 1935, lebt in Baunatal - Hertingshausen. Als Chronist der Stadt Baunatal sammelt er Geschichten und historische Fotos aus seiner Heimat.

In der HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" erzählt Ritze aus seinen Erinnerungen und ergänzt sie mit Fakten, die er zusammengetragen hat.

RIA AHREND (76), geborene Koch, stammt aus Großenritte und lebt in Altenritte. Sie hat fünf Bücher veröffentlicht, teilweise in Mundart. Ahrend schlüpft auch seit Jahren in das Kostüm der Grimm'schen Märchenlieferantin Dorothea Viehmann, fotografiert und filmt.

Stinkattacke auf die Läuse

  • Nachkriegszeit: Kopfjucken bei den Schülern führte zu drastischer Gegenwehr
  • HNA Bericht am 31.12.2011

Der Schulrat kommt! Das war für uns Kinder etwas nicht Alltägliches, und wenn sein Besuch im Unterricht angekündigt wurde, blickten wir ängstlich diesem Tag entgegen. Das bedeutete für uns Kontrolle, eine Art Prüfung, die wir zu bestehen hatten.

Ria AhrendFoto: priv.

In der Realität hatte sicherlich der Klassenlehrer mehr Ängste auszustehen als wir. Sein Unterrichtsstil und die Lernerfolge bei den Schülern und Schülerinnen sollten schließlich auch überprüft und beurteilt werden. Wir waren eingeweiht und vorbereitet, so dass das Ganze für uns nicht so tragisch verlief und alles wie am Schnürchen klappte. Hinterher waren wir heilfroh und wussten, dass der Schulrat unsere Klasse so schnell nicht wieder besuchen würde. Auch der Kreisarzt ließ sich in regelmäßigen Abständen in der Schule blicken. In jedem Jahr wurde ein anderer Schuljahrgang der zweiten Pockenimpfung unterzogen. Dabei standen wir in einer Reihe mit entblößten Armen. Die mitgekommene Kreisschwester nahm den linken Arm, und der Kreisarzt verpasste uns zwei kleine Stiche. Wenn sich bei der Nachuntersuchung dann herausstellte, dass die Pladdern angegangen waren, zogen wir frohen Mutes von dannen, weil uns so eine Nachimpfung erspart blieb.

Die Kreisschwester war eine Institution für sich. Sie war von großer, hagerer Gestalt, trug Mittelscheitel und ihre Haare streng nach hinten. Für mich sah sie ehrerbietig aus. Sie wurde auch von der Bevölkerung respektiert. In den Schulen wies sie die Kinder auf Sauberkeit und Zähneputzen hin. Außerdem wurden Schüler, die körperlich schwach waren, zur Erholung in ein Kinderheim geschickt. Sie war es auch, die meinen kleinen Bruder in unserem Hause untersuchte, mehrere Formulare ausfüllte und veranlasste, dass er im Solebad Karlshafen eine Kinderkur antreten konnte.

Obwohl die Bevölkerung über Vorbeugemaßnahmen gegen Krankheiten und auch über Hygiene unterrichtet wurde, kam es immer wieder vor, dass sich ungebetene Gäste bei den Kindern einstellten. Im Krieg waren zeitweise Soldaten im alten Schulgebäude untergebracht, wo wir Kinder uns gerne aufhielten. Unser Lehrer stellte eines Tages beim Unterricht, der im neuen Schulgebäude nebenan gehalten wurde, mit Entsetzen fest, dass viele meiner Mitschüler und Mitschülerinnen unter Kopfjucken zu leiden hatten. Das war ihm nicht ganz geheuer! Eine Untersuchung wurde ngeordnet, und tatsächlich waren die meisten von Kopfläusen befallen. Entsetzen breitete sich aus!

Auch ich war unter den Betroffenen. Eiligst wurde in der Bahnhofs-Drogerie ein Mittel gegen Läuse gekauft, das wegen der besseren Wirkung noch mit Petroleum versetzt wurde. Diese Mischung stank zum Himmel! Damit wurden meine Haare und der Kopf einer sehr gründlichen Wäsche, die mehrere Male wiederholt wurde, unterzogen. Mit einem engzahnigen Kamm wurden die Haare gekämmt, um dann genauestens nachzusehen, ob sich keine Nisse mehr auf der Kopfhaut befand. Die Läuse wurden so auf gründliche Art und Weise bekämpft. Ich war heilfroh, als es endlich Entwarnung gab. Von Ria Ahrend


  • Von Ria Ahrend


HNA-Serie "Früher im Bauna-Tal" mit Adam Ritze und Ria Ahrend

Adam Ritze: Teil 1 bis 17 | Teil 1: Erinnerungen an den Baunsberg | Teil 2: Amerikanische Besatzung | Teil 3: Zwei junge Männer ließen Leben | Teil 4: Erste Vertriebene kamen | Teil 5: Abenteuer im Baunsberg | Teil 6: Endlich wieder Kirmesvergnügen | Teil 7: Man lernte, was möglich war | Teil 8: Eine neue Glocke für die Kirche | Teil 9: Die Zeit, als sich alles änderte | Teil 10: Die Abrissbirne regiert im Dorf | Teil 11: Kriegsende zum Osterfest | Teil 12: Sirenengeheul prägte Schulzeit | Teil 13: Kindergartenzeit im Krieg | Teil 14: Luftmine fiel vom Himmel | Teil 15: Bei Angriff in den Splittergraben | Teil 16: Blick auf das brennende Kassel | Teil 17: Bombenangst im Keller | Ria Ahrend: Teil 18 bis 40 | Teil 18: Flucht in den Kirchenbunker | Teil 19: Füße auf dem Küchentisch | Teil 20: Schlange stehen fürs Brot | Teil 21: Schwein mit drei Beinen | Teil 22: Ein Dieb stahl die Marken | Teil 23: Neue Stiefel von den Amis | Teil 24: Auf Reisen in Trizonesien | Teil 25: Bucheckern für etwas Öl | Teil 26: Spielen mit den Lämmchen | Teil 27: Spaß mit Hickelkästchen | Teil 28: Morgenwäsche im Bach | Teil 29: Bunker sind unvergessen | Teil 30: Kaffeemühle war der Hit | Teil 31: Polster im Hosenboden | Teil 32: Baden bei Denn und Ditt | Teil 33: Kindliche Gaumenfreuden | Teil 34: Zum Zahnarzt ging’s mit Briketts | Teil 35: Omas am Spinnrad|Teil 36: Zum Geburtstag gab’s Klöße | Teil 37: Stinkattacke auf die Läuse | Teil 38: Klassenzimmer mit Kino | Teil 39/40: Mit Zöpfen auf dem Motorrad | Weitere Artikel: Teil: 41 Kreuzkirche feiert Jubiläum | Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen | Besuch bei Molly in Besse | Englisch-Lektion auf der Treppe


Siehe auch

Weblinks

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