Stift Kaufungen

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Das Kloster der Benediktinerinnen und die dreischiffige Stiftsbasilika "Zum Heiligen Kreuz" wurden in den Jahren 1018 - 1025 aufgrund einer Stiftung des Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde errichtet.

Das heute Ritterschaftliche Stift in Oberkaufungen ist damit die älteste Stiftung in Stadt und Landkreis Kassel.

Der Ort Oberkaufungen wird bis heute von der kreuzförmig angelegten Stiftskirche überragt, die im Jahre 1025 geweiht wurde und seither manche Umgestaltung erfuhr.

Der Kaufunger Stiftssommer

Das Stiftsareal in Oberkaufungen, insbesondere der Stiftshof neben der Stiftskirche ist im Rahmen des Kaufunger Stiftssommers alljährlich Schauplatz zahlreicher Open-Air-Veranstaltungen.

Die Stiftskirche selbst ist Aufführungsstätte überregional bedeutender Kaufunger Konzerte.

Geschichte

Einst Königshof und Kloster

Die mächtige Stiftskirche "Zum Heiligen Kreuz" erhebt sich über dem alten Ortskern von Oberkaufungen.

Kaiserin Kunigunde hatte Anfang des 11. Jahrhunderts das Kloster gestiftet, nachdem sie ein Gelübde abgelegt hatte: bei einem Besuch der Kaufunger Pfalz war sie erkrankt und rang mit dem Leben. Sollte sie jemals wieder genesen, so gelobte die fromme Frau, so würde sie an dieser Stelle ein Kloster stiften. Bereits ein Jahr später, im Jahre 1018, wurde mit dem Bau der Klosterkirche begonnen.

Im Jahre 1025 ist die Stiftskirche des Heiligen Kreuzes schließlich geweiht worden, ein Jahr nach dem Tode ihres Gemahls, Kaiser Heinrich II. am 13. Juli 1024. In diesem Jahr trat Kunigunde auch in das Kloster ein.

Im Zuge der Reformation in Hessen wurde das Kloster unter Landgraf Philipp I. aufgehoben. Seit der Übergabe des Stiftes an die Althessische Ritterschaft im Jahr 1532 pflegt das Ritterschaftliche Stift Kaufungen die religiöse Tradition dieser Stätte.

Stiftskirche des Heiligen Kreuzes

Stiftskirche
Innenansicht
Innenansicht mit Wandmalereien
Seitenansicht
Alexander Diehl an der Turmuhr
Tafel am Eingang der Stiftskirche

Als Stiftung des Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin, Kaiserin Kunigunde wurde sowohl das Kloster der Benediktinerinnen als auch eine dreischiffige romanische Basilika in den Jahren 1018 - 1025 errichtet. Die einstige Stiftskirche des Heiligen Kreuzes ist das bedeutendste spät-ottonische Bauwerk im nördlichen Hessen.

Die Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert in eine gotische Hallenkirche umgestaltet, wobei romanische Elemente erhalten geblieben sind. Im 15. Jahrhundert wurde die jetzige, vergrößerte Apsis des Chores errichet und es entstanden sehenswerte Wandmalereien im Innern der Kirche.

Während der Regentschaft des Landgrafen Moritz von Hessen wurden die Kunstwerke aus der Kirche entfernt und die Malereien übertüncht. Die Stiftskirche wurde in eine Predigtkirche umgewandelt. Die in den Jahren 1935 bis 1938 wieder freigelegten Malereien an Wänden und Pfeilern der Kirche entstanden als Secco-Malerei im 15. und frühen 16. Jahrhundert.

In den Jahren 1969 - 1973 ist diese bedeutende Kirche grundlegend erneuert und umgestaltet worden. Sie gehört zu den vier Kirchen im Bereich der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, die zum nationalen Kulturerbe der Bundesrepublik Deutschland zählen.

Zeittafel zur Geschichte des Stiftsbezirks

  • 1008-1011: König Heinrich II. verlegt den königlichen Haupthof von Kassel nach Kaufungen.
  • 1017: Kunigunde gründet das Benediktinerinnen-Kloster im Königshof.
  • 1019: Baubeginn der Klosterkirche des Heiligen Kreuzes (Stiftskirche).
  • 1024: Kaisers Heinrich II. stirbt in der Pfalz Grona bei Göttingen.
  • 1025: Die Kirche des Heiligen Kreuzes wird geweiht; Kaiserin Kunigunde tritt als Nonne in das Kloster ein.
  • 1033: Kaiserin Kunigunde stirbt in Kaufungen.
  • ca. 1175: Nach schweren Schäden wird die Stiftskirche restauriert.
  • 13. Jh.: Nach erneuten Schäden wird die Stiftskirche zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut.
  • Ende des 13. Jh.: Übergang der Vogtrechte an die hessischen Landgrafen. Das Kloster wird in ein Kanonissenstift ohne Ordensgelübde umgewandelt.
  • 1527: Aufhebung des Kaufunger Stiftes durch Landgraf Philipp I. den Großmütigen.
  • 1532: Übergabe des Stiftes an die Althessische Ritterschaft.
  • 1605: Einführung der so genannten "Verbesserungspunkte" des Landgrafen Moritz von Hessen. Die Kunstwerke werden aus der Kirche entfernt, die Malereien übertüncht. Die Stiftskirche wird in eine Predigtkirche umgewandelt.
  • 1936-1938: Umfangreiche Renovierungsarbeiten: Freilegung der Kaiserempore und der Wandmalereien.
  • 1970-1973: Erneute Renovierung: Die Stiftskirche erhält erstmals eine Heizung. Verlegung der Kanzel, ein neuer Altar entsteht. Nach der Renovierung wird eine neue Orgel im südlichen Querschiff gebaut.

Historische Turmuhr

Die Turmuhr der Stiftskirche wurde im Jahre 1892 von der Turmuhrenfabrik und Glockengießerei J.F. Weule in Bockenem (Harz) hergestellt. Weulsche Turmuhren wurden in die ganze Welt geliefert, die meisten sind noch heute funktionstüchtig. Durch seine Weiterentwicklung der Mechanik vom täglichen zum wöchentlichen Aufziehen der mechanischen Uhr untermauerte Firmengründer Johann Friedrich Weule seinen Ruf als zuverlässiger und innovativer Uhrmacher.

Die historische Turmuhr der Stiftskirche in Oberkaufungen muss zweimal pro Woche aufgezogen werden. Jeden Donnerstag und jeden Sonntag steigt Alexander Diehl die hundert Stufen im Kirchturm hoch. Dort kurbelt er mit Muskelkraft die drei schweren Gewichte hoch, die das eiserne Uhrwerk antreiben und die regelmäßigen Glockenschläge auslösen.

Literatur

  • Helmut Burmeister (Hrsg.), Stiftskirche Kaufungen und Althessische Ritterschaft, Hofgeismar 1992

siehe auch

Weblinks