Stadttürme in Grebenstein

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Jugnfernturm

Von 13 Wehrtürmen konnten die Wächter in der Stadt Grebenstein einst weit in alle Himmelsrichtungen spähen und Feinde früh erkennen.

Bis heute sind Reste der ehemaligen Stadtbefestigung erhalten geblieben, darunter der Jungfernturm, früher: "Roter Turm" (ein 40 m hoher Turm der ehemaligen Stadbefestigung mit achteckigem Dach und ehemals Gefängnis), der Eulenturm (mit Eulenmotiv im kopflosen Wasserspeier), der Jungfernturm (auch Ketzer-Turm, weil hier angeblich der Reformator Riseberg inhaftiert war), der Lindenturm (Obere Strohstrasse), der Pulverturm (ein Rundturm mit Brüstungsmauer) oder in Richtung Burgruine das Burgtor mit Turm (das einzige noch erhaltenes Stadttor).

Geschichte

Aus der Stadtgeschichte

Der Ort lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstrasse, die von der Fulda im Süden, über Grebenstein, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte. In einer Urkunde des Bischofs von Münster wird die Stadt im Jahre 1311 erwähnt, die im Verlaufe von etwa 300 Jahren aus einem Marktflecken entstanden war.

Bereits um das Jahr 1265 zur Zeit des Grafen Ludolph von Dassel wurde auf einem Berg südlich der Stadt eine Burg errichtet, auf der später - im Jahre 1341 - Landgraf Hermann II. von Hessen geboren wurde und von der heute noch die Ruine erhalten ist.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt im Jahre 1311 als „noua municio“ Greuenstein. Der Besiedelung und Bebauung der Altstadt (Oberstadt) folgte im 14. Jahrhundert die Bebauung der Neustadt zwischen Altstadt und Burg. Offenbar zogen Bauern aus den umliegenden Dörfern wegen andauernder kriegerischer Auseinandersetzungen um die nahegelegene Burg Haldessen in die Stadt.

Die einst starke Befestigung der Stadt Grebenstein zeugt von den damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen um Gebietsansprüche zwischen dem Erzbistum Mainz und der Landgrafschaft Hessen. Den "mainzischen Riegel" bildeten auf der anderen Seite die Burg Haldessen, Calden und Hofgeismar.

Besonders die Burg Haldessen im Besitz des Erzbistums Mainz lag nahe der Grebensteiner Landwehr auf halbem Weg zwischen Carlsdorf und Udenhausen.


Unter einer Haut aus Steinen

Von den einst 13 Türmen Grebensteins existieren noch fünf, doch nur der Pulverturm ist begehbar

von Antje Thon (in HNA vom 22.5.2007):

Die Stadt Grebenstein war schon früher eine Gemeinde mit Weitblick. Von den 13 Wehrtürmen, die das Örtchen an der Esse Mitte des 14. Jahrhunderts umgaben, konnten die Wächter weit in alle Himmelsrichtungen spähen und Feinde früh erkennen. Geblieben aus jener Zeit sind fünf Türme: Jungfernturm, Eulenturm, Pulverturm, Burgtorturm und Lindenturm.

Burgtorturm

Während so ziemlich jeder Grebensteiner mindestens einmal in seinem Leben den Jungfernturm bestiegen hat, dürfte die Bilanz für die anderen baulichen Überbleibsel aus dem Mittelalter eher mager ausfallen. Und wen die Neugier treibt, wie es im Bauch vom Pulverturm aussieht und wie der Ausblick wohl vom Eulenturm sein mag, hat kaum Chancen, dem auf den Grund zu gehen.

Denn bis auf den Jungfernturm ist keines der Bauwerke begehbar. Ihnen fehlen die Treppen, sagt Herbert Gebert, der früher den Bauhof geleitet hat und heute Gäste durch den Jungfernturm begleitet. Anders als Eulen- und Burgtorturm verfügen Linden- und Pulverturm über mehrere Plattformen im Inneren. Sie lassen sich zumindest mit einer Leiter erklimmen. Gebert hat dies auch schon das ein oder andere Mal getan, um der Vergangenheit Grebensteins unter die steinerne Haut zu schauen. Ursprünglich habe es in den meisten Türmen Zwischenebenen gegeben, weiß der historisch bewanderte Rentner. Die allerdings seien aus Holz gewesen und im Laufe der Zeit verwittert. Spuren ihrer Existenz gibt es aber noch heute: Löcher in den Mauern und Vorsprünge, auf denen die Balken ruhten.

Nahezu allen der 13 Türme gemein war das Vorhandensein von Verliesen. Prominentester Insasse dürfte Bartholomäus Rieseburg, Pfarrer in Immenhausen, gewesen sein. Er hatte in seinen Predigten zu großes Gefallen an den Thesen Luthers bekundet und wurde 1523 als einer der ersten evangelischen Prediger in Hessen durch den Landgrafen Philipp im Jungfernturm gefangen gehalten.

Wer sich vom einstigen Reichtum an Wehrtürmen ein Bild verschaffen möchte, kann sich noch heute auf eine spannende Spurensuche begeben. Vom Schinderturm etwa, im Südosten der Oberstadt, steht nur noch ein Stumpf. Mit seinen Steinen wurde die Schule in der Marktstraße gebaut. Reste des Ketzerturms finden sich nahe der Unteren Strohstraße. Im Westen, wo die Esse in die Stadt fließt, ragte einst der Hildenturm auf. Heute rattern dir Züge über seine Bestandteile, den seine Steine wurden beim Bau des Bahndamms verwendet. Überbleibsel eines Gefängnisses am Essenaustritt zeugen von einem weiteren Turm. Heute heißt die Stelle Dreimännchen.


Grebensteiner Türme


siehe auch