Stadtpark

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Eine der beliebtesten Adressen Kassels war früher der Stadtpark. Im großen Saal des Lokals an der Garde-du-Corps-Straße ging zu jeder Jahreszeit die Post ab. Hier traten Varieté-Künstler wie der Jongleur Rastelli oder der Clown Grock auf, der Alpenball war legendär. Im Sommer wurde der große Garten zum Freilichtkino umgestaltet. Die Bombennacht vom 22. Oktober 1943 war das Ende für den Stadtpark. Er wurde völlig zerstört.

Geschichte

Im Gartenlokal „Stadtpark“, um 1925-30. Die Bühne stand etwa in der westlichen Hälfte des jetzigen Gebäudes Neue Fahrt 2
Im „Stadtpark“ wurde am 17. Juni 1921 eine besondere Attraktion eröffnet: das erste Freiluftkino Deutschlands. Das etwas jüngere Bild zeigt die weiße Leinwand an der Decke des Musikpavillons, während Mitinhaber Herbert Henkel gerade einen Programmpunkt ansagt; zu Filmvorführungen wurde sie einfach heruntergeklappt.

Das Gartenrestaurant war um 1876 eingerichtet worden, einschließlich eines Saalbaus; der Zugang erfolgte über das Grundstück Wilhelmsstraße 6. Die Fläche war der letzte Rest eines großen Gartens, der einmal zu den Häusern Garde-du-Corps-Straße 3-4 gehört hatte; erst seit der Mitte des 19. Jahrhundert war er parzelliert und (mit Ausnahme jenes Gartenlokals) schrittweise bebaut worden. Der bestehende Saal wurde um 1886 noch um einen großen Saal an der Garde-du-Corps-Straße 4½ ergänzt.

1918 übernahm der frühere Militärmusiker Georg Henkel (1865-1932) den „Stadtpark“ und leitete ihn zusammen mit seinen Söhnen Wilhelm und Herbert; bereits 1897 hatte er in Kassel eine Musikschule und eine Kapelle gegründet. Im großen Saal traten nun prominente Künstler wie Grock, die Comedian Harmonists und Willy Millowitsch auf.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde 1950/1951 mitten durch das Gelände die Neue Fahrt gelegt. Wo zuvor die Kasseler Bürger Zerstreuung gesucht hatten, bestimmten nun Autos das Bild: Anstelle des Saalbaues (und des Nachbarhauses Nr. 4) entstand 1955 die erste aufzugfreie Hochgarage Deutschlands, und der Garten wurde durch einen öffentlichen Parkplatz ersetzt. Einzig der Neubau Wilhelmsstraße 6 führte hier die Henkelsche Tradition fort; die gastronomische Tätigkeit hatte sich jedoch in den Hauptbahnhof verlagert: Seit 1941 von den Brüdern Henkel bewirtschaftet, wurden in den 50er Jahren ein neues Restaurant und die Henkel-Säle eröffnet.

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz