Stadtkirche Zierenberg

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Stadtkirche

Im Mittelpunkt der Stadt Zierenberg steht die frühgotische Stadtkirche, heute das Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde.

Die Wände der Hallenkirche sind fast vollständig mit mittelalterlichen Malereien geschmückt, die etwa 300 Jahre überstrichen waren und erst in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder freigelegt worden sind.

Bauwerk und Geschichte

Mit dem Bau der Kirche wurde 1293 unter der Herrschaft des Landgrafen Heinrich I. begonnen, wobei in der ersten Bauphase bis etwa zum Jahre 1343 der Chorraum und die unteren Geschosse des Turms errichtet wurden.

Zierenberg wurde 1290 von Landgraf Heinrich I. im Warmetal gegründet und wird schon acht Jahre später als Stadt genannt. Heinrich I. gründete zum Ende des 13. Jahrhunderts die Stadt zur Befestigung seines Reiches.

Mit der Stadtgründung wurde auch der Bau der frühgotischen Stadtkirche begonnen.

Erst ab dem Jahre 1430 entstand das Langhaus der Kirche und die hier vorhandenen Wandmalereien, die dann offenbar - ebenso wie die älteren Malereien im Chor - im Zuge der zweiten Reformation in Hessen unter Landgraf Moritz übertüncht worden sind.

Diese Bildnisse im Langhaus der Zierenberger Kirche sind Ausdruck der devotio moderna, wie eine Frömmigkeitsbewegung des späten Mittelalters genannt wird, die damals weite Bevölkerungskreise in Europa erfasste.

Zierenberger Ansicht mit dem Turm der Stadtkirche und dem Rathaus (rechts)

Im Jahr 1576 erhielten die Zierenberger die landgräfliche Erlaubnis, ihren Kirchturm mit den Steinen der ehemaligen Erzpriesterkirche St. Peter auf dem Schützeberg (bei Wolfhagen) zu vollenden.

Die Wolfhager ließen sich dies nach der Überlieferung zunächst nicht gefallen und nahmen den Zierenbergern 60 bis 70 Wagen Steine weg, warfen sie in den Weg und beschwerten sich beim Landgraf, allerdings ohne Erfolg.

Dabei sollen einige Steine auch nach Wolfhagen gelangt sein und wurden dort zum Bau der Mauer des neuen Friedhofs vor den Toren der Stadt verwendet.

Sehr viel zahlreicher sind allerdings die Reste der alten Kirche auf dem Schützeberg im Turm der Zierenberger Kirche zu finden, wo 1588 im oberen Umgang des Turmes auch das Portal der Schützeberger Kirche und eine Kreuzigungsgruppe eingebaut wurden.

Auch die Sandsteinplatten von der Schützeberger Kirche deckten noch bis vor 100 Jahren einen Teil des Dachs der Zierenberger Kirche.

Im Jahre 1787 wurde die Orgel der Zierenberger Stadtkirche von dem bekannten Orgelbauer Stephan Heeren um 5 Register erweitert.

Galerie

Seitenansicht
Orgel der Zierenberger Stadtkirche
Die Stadtkirche in Zierenberg

Wandmalereien

Altarraum der Zierenberger Stadtkirche mit Wandmalereien

Die in den 1930-er Jahren wieder freigelegten Malereien aus dem 14. Jahrhundert (Chor) und 15. Jahrhundert (Langhaus) wurden inzwischen mehrfach restauriert; die letzte Restaurierung wurde im Jahre 2006 mit Festwochen in Zierenberg abgeschlossen.

Anders als bei Freskenmalereien, die auf feuchten Putz gemalt werden, handelt es sich bei den Zierenberger Wandmalereien um Kalkseccomalereien, die auf den trockenen Putz aufgetragen worden sind.

Die ältesten Wandmalereien findet man im Chor der Kirche. Sie entstanden hier nach der Baufertigstellung nach 1350 und zeigen die zwölf Apostel. Eine Christopherusdarstellung findet sich an der Chor-Nordwand, die Darstellung der heiligen Barbara im Bereich des Ostfensters.

Die Malereien im sog. Langhaus der Kirche mit lebensnäheren Figuren des spätmittelalterlichen Realismus sind jüngeren Datums und stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie sind eindrucksvolle Zeugnisse spätmittelalterlicher Frömmigkeit. [1]

Literatur

Kirchturm der Stadtkirche
  • Vera Leuschner, Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Zierenberger Stadtkirche, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2007, S. 69 ff. (mit zum Teil ausführlichen Bildbeschreibungen)

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Wandmalereien - Bildergalerie auf www.kirche-zierenberg.de

Weblinks